Berger: So könnte es Auer in die Formel 1 schaffen

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DTM-Ass Lucas Auer ist aktuell Österreichs heißeste Aktie im Hinblick auf ein Cockpit in der Formel 1.

"Er macht momentan einen sensationellen Job. Wenn er das in weiteren Rennen wiederholt, wird er erst mal ein Meisterschaftskandidat und hat damit bewiesen, dass er Potenzial hat. Dann kann man schauen, wer auf ihn aufmerksam wird", sagt sein Onkel und Ex-F1-Pilot Gerhard Berger.

Was er von der "neuen" Formel 1 hält, warum er Berni Ecclestone verteidigt und was er über das WM-Duell denkt verrät Berger im Interview mit der APA:

Frage: Sie sind seit diesem Jahr DTM-Chef. Wie sind Sie mit der Meisterschaft bisher zufrieden?

Berger: "Wir hatten bisher drei Events mit sechs Rennen, vier davon waren superspannend. Langsam kommt auch immer mehr der Sport in den Vordergrund, es gibt Ellbogenkämpfe, es wird sogar protestiert. Wir haben verschiedene und junge Sieger, die Altspatzen haben nicht mehr den Vortritt. Das taugt mir. Das Produkt ist gut, nun soll es auch populärer werden. Deshalb hoffe ich, dass man sich vor dem Rennen in Spielberg auch in Österreich etwas mehr mit dem Thema auseinandersetzt."

Frage: Ihr Neffe Lucas Auer hat mit zwei Siegen und der erst in Ungarn verlorenen Gesamtführung ohnehin gerade für einen DTM-Hype in Österreich gesorgt. Es verdichten sich die Anzeichen, dass er bald auch einen Formel-1-Test bestreiten darf. Hoffen Sie das auch?

Berger: "Die Formel 3 und die DTM sind die Serien, die die meisten Formel-1-Fahrer hervorgebracht haben. Zuletzt etwa Pascal Wehrlein oder Esteban Ocon. Man kann nicht ausschließen, dass auch Lucas aus der DTM eine Chance in diese Richtung bekommt."

Frage: Weil?

Berger: "Er macht momentan einen sensationellen Job, er war auch in Budapest übers ganze Wochenende ganz klar der schnellste Mercedes. Wenn er das in weiteren Rennen wiederholt, wird er erst mal ein Meisterschaftskandidat und hat damit bewiesen, dass er Potenzial hat. Dann kann man schauen, wer auf ihn aufmerksam wird. Wir haben in Österreich einige, die Formel 1 machen. Es könnte ja sein, dass einer munter wird und sieht, dass man da den nächsten Österreicher haben könnte."

Frage: Sie sind in der goldenen Ära der Formel 1 gefahren. Wie gefällt Ihnen die aktuelle Königsklasse mit den neuen, stärkeren Autos und dem neuen US-Eigentümer?

Berger: "Die Formel 1 macht einen frischen Eindruck. Es wurde an vielen kleinen Schrauben leicht gedreht und das kommt nun nicht schlecht rüber. Da ist Rückenwind und eine Aufbruchstimmung. Man merkt, dass ein amerikanischer Gigant mit Medienerfahrung rein gekommen ist und das Thema in eine gute Richtung schiebt. Ob es nachhaltig ist oder deutlich besser wird, wird man aber erst sehen."

Frage: Gefällt Ihnen etwas Spezielles besonders gut?

Berger: "Es sind viele kleinere Dinge. Man ist offener für die Fans, holte Kinder von der Tribüne rein, Hamilton bekommt einen Senna-Helm und so weiter. Es ist einfach Bewegung drin. Aber jeder neue Besen kehrt gut. Warten wir mal ab, wie es weitergeht. Da sind sicherlich noch einige Hürden zu nehmen."

Frage: Noch vor kurzer Zeit galt eine Formel 1 ohne Bernie Ecclestone als unvorstellbar. Und jetzt?

Berger: "Abwarten. Man darf den Ecclestone nicht nach sechs Monaten neuer Besitzerschaft, sondern nach dem bewerten, was in den letzten 20 Jahren passiert ist. Was Bernie aus der Formel 1 gemacht hat, war gigantisch. Jetzt stellt sich die Frage, fährt der neue Besitzer seitwärts, rückwärts oder macht er die nächsten zehn Jahre solche Sprünge wie Bernie? Das alles kann man erst nach drei bis fünf Jahren bewerten."

Frage: Besteht die Gefahr, dass man bei dem neuen Hang zum Spektakel den Sport ein wenig aus den Augen verliert?

Berger: "Ich hätte die größten Bedenken, wenn sich das in Richtung Disney World entwickelt. Das wäre eine Katastrophe. Man hat aber Ross Brawn als Sportchef reingeholt und ist bereit, sich hinzusetzen und zuzuhören. Also kann etwas sehr Gutes entstehen. Man muss dem Ganzen eine Chance geben."

Frage: Aber ist die aktuelle Formel 1 nicht alleine schon deshalb viel spannender, weil Ferrari wieder auf Augenhöhe mit Mercedes fährt?

Berger: "Richtig. Bei allen zuvor aufgezählten Punkten ist der Kern der Sache doch, dass Ferrari konkurrenzfähig zu Mercedes ist und damit zwei Giganten um die Meisterschaft fahren. Das drückt richtig rein, da kann auch der neue Besitzer nix dafür. Das fällt ihnen sozusagen gerade in den Schoß."

Frage: Ist das deutliche Erstarken von Ferrari für Sie als Ex-Pilot bei den Italienern erklärbar?

Berger (lacht): "Ich freue mich riesig für Ferrari. Aber Erklärung habe ich dafür keine."



Frage: Red Bull hat es jedenfalls aktuell nicht geschafft, sich als erste Gegenkraft zu etablieren. Hapert es nach wie vor am Antrieb?

Berger: "Ich hätte ihnen einerseits tatsächlich etwas mehr zugetraut. Das mit dem Motor erwähne ich alleine deshalb schon nicht mehr, weil es seit drei Jahren immer die gleiche Leier ist. Der Red Bull ist als Auto so gut wie der Ferrari und der Mercedes. Aber der Antrieb ist einfach nicht da. Das wiederholt sich."

Frage: Was wird über den Ausgang der Fahrer-WM 2017 entscheiden?

Berger: "Das kann man derzeit nicht sagen. Das Ganze scheint sich zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel abzuspielen. Aber auch Kimi Raikkönen kann drei Rennen in Folge gewinnen, Valtteri Bottas hat schon gewonnen. Das ist super, denn das sind total unterschiedliche Typen. Und Mercedes gegen Ferrari, das ist eine Riesen-Story."

Frage: Was spricht für Vettel, was für Hamilton?

Berger: "Sebastian wächst über sich hinaus, wenn er riecht, dass er wieder eine Weltmeisterschaft einfahren kann. So mürrisch und schlecht aufgelegt wie er ist, wenn er nicht aufs oberste Podest klettern kann, so stark wird er in dem Moment, in dem er die Chance bekommt. Diese Stärke zeigt er immer wieder."

Frage: Und Hamilton?

Berger: "Lewis ist sicherlich der schnellste Mann im Feld. Er hat aber wahnsinnige Stimmungsschwankungen, die stehen ihm manchmal im Weg. Aber dann zeigt er wieder Sachen, wo du nur noch 'wow' sagen kannst. Da kontrolliert er die Situation so sehr, dass einem gar nicht auffällt, welch ausgezeichnete Leistung er gerade gebracht hat. Da kämpfen zwei richtige Weltmeister gegeneinander."

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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