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Michael Schumacher: Die Ikone bleibt

Zehn Jahre nach seinem Ski-Unfall ist über das heutige Leben der Formel-1-Legende nichts bekannt. Sein Einfluss ist im Nachhinein noch größer einzuschätzen.

Michael Schumacher: Die Ikone bleibt Foto: © getty

Sieben Weltmeistertitel in der Formel 1 (ex-aequo-Rekord). 91 Grand-Prix-Siege (Zweiter der "ewigen" Bestenliste).

68 Pole Positions, 307 F1-Rennen von 1991 bis 2006 und 2010 bis 2012. Jordan, Benetton, Ferrari, Mercedes.

Publikumsliebling (für viele) und Feindbild (für wenige).

Das alles bleibt von Michael Schumacher. Am Freitag (29. Dezember) jährt sich sein verhängnisvoller Ski-Unfall zum zehnten Mal.

In den ersten Wochen, Monaten, ja noch Jahren fragten sich alle, auch die, die am Rennsport nur marginal interessiert waren, wie es ihm wohl gehe. Denn eine Kommunikation zu seinem Befinden gab es nie.

Das einzige Schriftstück, das kurz nach dem Unfall in den französischen Alpen per eMail in viele Redaktionen kam, war eine Nachricht einer Frankfurter Rechtsanwaltskanzlei: Jede Meldung (ist gleich Spekulation) zu Michaels Gesundheitszustand würde sofort geklagt werden, hieß es darin.

Eine Drohung statt einer nüchternen Nachricht. Familiensache. Geht Euch, die Ihr jahrelang mit Michael gefiebert habt, die ihn jahrelang unterstützt habt, nichts mehr an. Eine Persönlichkeit des jahrelangen öffentlichen Interesses war plötzlich nur noch Privatperson.

Abseits der Strecke ein normaler Mensch

Es ist auch schon einige Jahre her, da bemerkte Michaels frühere Pressesprecherin und spätere Managerin (die sich auch um Sohn Mick kümmert) Sabine Kehm lapidar: "Gäbe es etwas zu berichten, hätten wir es getan." Woraus man schließen kann: Gute Neuigkeiten sind wohl auszuschließen.

So bleibt die Erinnerung an einen der Größten seines Sports. An Triumphfahrten. An sensationelles Talent. An brutale Durchsetzungskraft (auch gegen Teamkollegen oder den eigenen Bruder). An fast unglaubliche Dominanz. An die Fähigkeit, für sich die optimalen Voraussetzungen zu schaffen. An unwürdige Reaktionen in der Hitze von Duellen. An Skandale.

Aber auch an Stunden, in denen "off records" ein ganz normaler Mensch über ganz normale Lebenssituationen plauderte, über Kinder und Familie. An Interviews, in denen in 45 Minuten Fachgespräch mehr Substanz war als in späteren Jahren in vielfachen Terminen mit Vertretern der "neuen Generation".

Der "Schumi-Boom" wiederholte sich nie

Wer Michael Schumacher am meisten verdankt, ist die Formel 1 selbst. Einen Boom, medial wie bei den Fans vor Ort, erlebte die Topklasse in Deutschland vor ihm nicht und nach ihm schon gar nicht mehr.

Sebastian Vettel, vier Mal Champion, oder Nico Rosberg, der einzige deutsche Weltmeister in einem "deutschen" Auto, erreichten nie die Strahlkraft und die Popularität Schumachers. Noch weniger die anderen deutschen Formel-1-Piloten.

Ohne Michael wurden Rennen in Deutschland ein Riesendefizit und wirtschaftlich nicht mehr machbar. Die TV-Quoten zu Michaels Ferrari-Zeit sind absehbar nicht mehr erreichbar – schon allein deswegen, weil es keine durchgängigen Formel-1-Übertragungen in Deutschland im Free-TV gibt (auch wenn es RTL 2024 wieder mit ein paar Rennen versuchen will).

Ja, zu Michaels Glanzzeiten war Deutschland im Formel-1-Fieber, gab es kein Auto-Bashing wie heute. Könnte eine gesunde Ikone wie Michael dagegen etwas tun?

"Schumi" wird am 3. Jänner 55. Für seine Fangemeinde ist er forever young. Und so, wie er in der besten Zeit war.

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