Im Schatten des WM-Duells: Ferraris langer Weg

Im Schatten des WM-Duells: Ferraris langer Weg Foto: © getty
 

Hamilton gegen Verstappen, Mercedes gegen Red Bull – das ist das Duell, das das Interesse an der Formel 1 in höchsten Höhen hält.

Es ist aber nicht die WM-Konstellation, die sich Tifosi vorstellen. Doch Ferrari-Fan zu sein in diesen Zeiten, ist ein charakterbildendes Unterfangen.

Seit 2007 warten auf einen Ferrari-Champion, seit 2008 auf einen Markentriumph, also 14 bzw. 13 Jahre. Seit Singapur 2019 auf einen Sieg, das sind nun 39 Rennen. Eine Durststrecke, wie es sie manchmal gibt und Ferrari schon öfters traf.

Zwischen dem WM-Titel von John Surtees und dem ersten von Niki Lauda lagen elf Jahre: 1964 bis 1975. Nahe dran war die Scuderia nur 1970 nach dem Tod von Jochen Rindt, doch Jacky Ickx kam nicht mehr am Grazer vorbei.

Noch länger dauerte es für die Italiener später: Von Jody Scheckters Triumph 1979 bis zum ersten von Michael Schumacher für die Scuderia (2000) vergingen 21 Jahre, ehe in der goldenen Zeit mit Schumi, Todt, Brawn usw. alle Konkurrenten in den Schatten gestellt wurden.

1025 Läufe zur F1-WM stehen für Ferrari seit 1950 zu Buche, 238 davon wurden gewonnen. Sieglos blieben die Italiener nur 1957, 1962, 1965 (als „Trostpreis“ ein Le-Mans-Sieg mit Rindt/Gregory in einem Kunden-Ferrari), 1967, 1969, 1973, 1980, 1986, 1991 bis 1993, 2014, 2016 und 2020 bis 2021.

Als Berger Ferraris triste Phasen beendete

Es war Gerhard Berger, der zwei Mal triste Phasen Ferraris beenden konnte: In seiner ersten Periode in Maranello mit dem Erfolg in Suzuka 1987 nach 37 sieglosen Rennen, 1994 im zweiten Dreijahresvertrag in Hockenheim sogar nach 58 Läufen! Kein Wunder, dass die Tifosi in Imola und Monza für Berger, der Ferrari 1989 in Richtung McLaren und 1995 zu Benetton verlassen hatte, dennoch Transparente wie „Gerhard immer in unseren Herzen“ gegenüber der Ferrari-Box aufhängten (dass die Mehrheit der Fans junge Damen waren, ist nicht bestätigt).

Und es war der Tiroler, der erst kürzlich die aktuelle Situation bei Ferrari kritisch analysierte: Er verstehe nicht, warum Ferrari wieder nur auf italienische Führungspersönlichkeiten bzw. Techniker setze. Die Formel 1 als globaler Sport brauche die besten verfügbaren Kräfte, wo immer sie herkommen mögen, meinte Berger. In der Tat: In der besten Zeit war der Starfahrer Deutscher, der Teamchef Franzose, der Stratege Brite und der Chefdesigner Südafrikaner….

Knapp dran war der heutige Chef des F1-Promotors, Stefano Domenicali, mit Fernando Alonso 2010. 2014, als der italienische Betriebswirt Ferrari verließ (und CEO bei Lamborghini wurde), begannen fragwürdige Personalentscheidungen: Der kaum in der Formel 1 versierte Marketingmann Marco Mattiacci erwies sich als komplette Fehlbesetzung, darauf folgte noch in der gleichen Saison der "Marlboro Man" Maurizio Arrivabene, ebenfalls ein Marketingspezialist (der bis dahin die Unterstützung der Scuderia durch Philip Morris gelenkt hatte), aber kein Techniker.

Er musste Ende 2018 dem aktuellen Chef Mattia Binotto, einem gebürtigen Schweizer, Platz machen. Doch weder mit den Routiniers Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen wurde eine WM gewonnen noch mit der Jugend in Person von Charles Leclerc und Carlos Sainz. Immerhin, die langfristigen Verträge mit den beiden zweifellos großen Talenten zeigen, dass sich Ferrari hier einmal auf Kontinuität setzen will.

"Abgerüsteter" Ferrari-Motor hinkt hinterher

Dass die Saison 2020 zum Vergessen war, weil Ferraris Motor allen Konkurrenten unterlegen war, war einem – sagen wir einmal – Versehen 2019 geschuldet. Da hatten die Italiener den leistungsstärksten Motor und den höchsten Speed auf den Geraden, was sich mit den drei Siegen en suite in Spa, Monza (jeweils Leclerc) und Singapur (Vettel) bemerkbar machte - und die Konkurrenz auf den Plan rief.

Die von ihr geforderte Untersuchung der FIA brachte nie ein (publiziertes) Ergebnis, aber die lakonische FIA-Mitteilung, Ferrari werde sich an den "Entwicklungskosten" für E-Fuels massiv beteiligen… Eleganter wurde ein Deal, sprich eine Geldbuße für eine offensichtliche Regel-Inkompatibilität, nie umschrieben…. Und so hinkte der "abgerüstete" Ferrari-Motor 2020 hinterher.

"Wir machen ständig Fortschritte, aber es wird noch ein weiter Weg, um ständig um Siege kämpfen zu können."

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto

2021 brachte bisher drei Podestplätze für Sainz und einen für Leclerc. Der Monegasse hielt zuletzt in Istanbul zwar den ob der Boxenstopp-Strategie erzürnten Weltmeister Lewis Hamilton um vier Sekunden auf Distanz, ihm fehlten als Viertem aber 4,3 Sekunden auf einen Podestplatz. Carlos Sainz wurde nach Rückversetzung noch Achter. "Nach einem angriffsfreudigen Rennen gab es nur 16 WM-Punkte", schrieb die Presseabteilung Ferraris nachher, "weniger als es angesichts des Potenzials hätte sein können."

Aber man habe den Rückstand zu McLaren in der Konstrukteurs-WM "signifikant" verringern können. "Wir machen ständig Fortschritte, aber es wird noch ein weiter Weg, um ständig um Siege kämpfen zu können", war das Resümee von Teamchef Binotto.

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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