Aktuell nur eine einzige Frau im Umfeld der Formel 1
Und dann gibt es noch Susie Wolff. Der 3. Juli 2015 wird selbst Formel-1-Fans kaum in Erinnerung sein, der Gattin von Mercedes-Sportchef Toto und früheren Rennfahrerin aber sehr wohl. Sie bestritt damals ein weiteres Freitag-Training, für Williams im FW 37 von Valtteri Bottas im britischen Grand Prix in Silverstone. Es war das letzte Mal, dass eine Pilotin an einem Rennwochenende ein F1-Auto steuerte.
Die einzige junge Frau im aktuellen Umfeld der Formel 1 ist die dreimalige Meisterin der W Series (ausschließlich Frauen), die Britin Jamie Chadwick: Die 24-Jährige ist seit 2019 Entwicklungsfahrerin von Williams und Mitglied der dortigen Fahrerakademie. So weit wie Wolff kam sie aber noch nicht.
Die neue Formula 1 Academy und Wolffs Vision
Nun überstand die 2019 gegründete W Series die Saison 2022 aus finanziellen Gründen nicht, doch es gibt eine neue Meisterschaft für junge Frauen: "Die Formula 1 Academy ist mehr als die frühere W Series, da die Formel-1-Organisation dahintersteht. Und die Möglichkeit für einen Aufstieg bietet", erklärt Susie Wolff.
Die 40-Jährige, zuletzt Chefin des Formel- E-Teams Venturi (jetzt Maserati MSG), ist seit 1. März Geschäftsführerin der F1-Akademie. "Mein Fokus liegt auf der Vision, was durch diese Akademie wie erreicht werden kann, welche Partner wir gewinnen können", erläutert sie. "Wir wollen die bestmögliche Basis bieten, um Talente zu fördern und sie in ihrer Karriere zu unterstützen." Das soll sowohl auf den Rennstrecken bei Tests und Rennen als auch abseits durch physisches Training und mentale Förderung passieren.
Gefahren wird in Formel-4-Autos von Tatuus (mit 1,4-Liter-Turbo von Autotecnica, 174 PS), die fünf Teams mit viel Erfahrung in Nachwuchsklassen (u. a. ART, Carlin, Prema) für insgesamt 15 Pilotinnen einsetzen. An sieben Rennwochenenden werden 21 Läufe ausgetragen.
"Die Siegerin wird beim Aufstieg in eine höhere Serie unterstützt, wobei offen ist, ob das die Formula Regional Europe oder Formel 3 ist, das hängt auch vom Niveau ab", erklärt Wolff, die aber keine Beraterin für die Fahrerinnen sein wird.
Prognose: Keine F1-Pilotin in den nächsten drei bis fünf Jahren
Jede Pilotin bekommt 150.000 Euro Zuschuss von der Formel-1-Organisation, muss weitere 150.000 selbst beitragen, der Rest der Saisonkosten wird von den jeweiligen Teams getragen. Die Saison wird am 28. und 29. April auf dem Red Bull Ring beginnen und endet im Oktober in Austin im Rahmen des F1-GP der USA.
Da die Akademie erst heuer beginnt, wird es noch dauern, bis eine mögliche F1-Kandidatin gefunden ist. Susie Wolff bleibt realistisch: "Die Chancen sind derzeit noch gleich null, es wird in den nächsten drei bis fünf Jahren noch keine Pilotin geben. Jamie Chadwick zum Beispiel hat enorm viel Talent, hat aber nicht die Unterstützung bekommen, die sie verdient hätte. Damit erging es ihr ziemlich genau wie mir damals. Und das wollen wir mit der Akademie ändern."