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McLaren ist wieder da: Comeback eines F1-Giganten

Durch die Hölle und zurück: Seit dem letzten WM-Titel ist es für McLaren steil bergab gegangen. Nach Jahren der Mittelmäßigkeit ist man zurück an der Spitze.

McLaren ist wieder da: Comeback eines F1-Giganten Foto: © getty

Auf den Tag genau 17 Jahre nach Lewis Hamiltons legendärem Sieg in Silverstone steht McLaren wieder ganz oben am Treppchen beim Heimrennen. 17 Jahre, in denen das Papaya-Team von ganz oben tief gefallen – und nun wiederauferstanden ist.

6. Juli 2008, Silverstone. Hamilton fährt eines der größten Rennen seiner Karriere. Bei strömendem Regen trotzt der damals 23-Jährige Poseidon höchstpersönlich und gewinnt mit über einer Minute Vorsprung auf Nick Heidfeld. Ein Triumph in einer Dominanz, die mehr Statement als Ergebnis ist – so dominant, so kompromisslos, wie ihn nur ganz wenige je abgeliefert haben.

Der Brite übernimmt mit dem Sieg die Führung in der WM-Wertung und sollte diese auch nicht mehr hergeben. Im dramatischen Saison-Finale in Sao Paulo (Brasilien) sichert sich Hamilton mit einem Überholmanöver gegen Timo Glock in der letzten Kurve seinen ersten Titel.

Die 15 besten McLaren-Fahrer aller Zeiten


Was folgt, ist ein schleichender Niedergang vom Titelanwärter zum Mittelfeldteam. 2009 fährt man hinterher, Hamilton gewinnt immerhin in Ungarn und Singapur. Die Skandale in der Zeit (Spygate 2007 und Liegate 2009) treffen McLaren hart. Noch vor Saisonbeginn hat Teamchef Ron Dennis das Zepter an Martin Whitmarsh übergeben, bleibt aber weiterhin Miteigentümer.

Im Jahr darauf ist man zurück im Titelfight, neben Hamilton fährt nun auch Jenson Button für McLaren. Hamilton fährt lange um den Titel, hat im letzten Rennen der Saison aber nur noch Außenseiterchancen, Button wird bereits zuvor entthront.

Danach geht es praktisch nur noch um Rennsiege. 2011 wird Button zwar Vize-Weltmeister, allerdings läuft Sebastian Vettel mit dem Titel davon und holt elf Siege in 19 Rennen. 2012 wird das britische Duo Vierter (Hamilton) und Fünfter (Button) – womit die Ära Hamilton bei McLaren zu Ende geht. Er wechselt zur Saison 2013 zu Mercedes: Ein damals viel gescholtener Wechsel, der sich aber als goldrichtig herausstellen sollte.

"GP2 Engine, GP2" – Der Absturz

Von da an stürzt das britische Team nämlich in die Mittelmäßigkeit ab. 2013 stehen Button und Neo-Teamkollege Sergio Perez kein einziges Mal auf dem Podium, Platz vier für den Briten in Abu Dhabi ist das höchste der Gefühle. Die Umstellung der Radaufhängung sowie das Zusammenspiel mit den Reifen sollten der Anfang vom Ende sein. Zwischenzeitlich wird sogar eine Rückkehr zum Vorgängermodell MP4-27 diskutiert, jedoch wieder verworfen.

Im Januar 2014 muss Whitmarsh seinen Platz räumen, er wird durch Vorgänger Dennis ersetzt - doch es läuft noch schlechter. Zwar holen Button und Rookie Kevin Magnussen, der Perez ersetzt, die Plätze zwei und drei beim Saisonauftakt in Melbourne, am Ende reicht es jedoch nur zu den Rängen acht (Button) und elf (Magnussen) in der WM-Wertung.

Alonsos zweiter Stint bei McLaren ist geprägt von Leid - und einigen legendären Memes.
Foto: © GEPA

2015 holt McLaren Fernando Alonso zurück – doch die Talfahrt geht weiter. Mit dem Weltmeister-Duo Alonso/Button und dem neuen Motorenpartner Honda holt man lediglich 27 Punkte über die gesamte Saison, einzig das punktelose Marussia-Team ist noch schwächer. Der VTEC hat jedenfalls nicht reingekickt. Beim Grand Prix von Japan bezeichnet der Spanier den Honda-Motor als "GP2 Engine". Jahre bevor der japanische Motorenhersteller Max Verstappen zu vier WM-Titeln in Folge verhelfen sollte.

Das Jahr darauf ist zumindest ein kleiner Lichtblick, Alonso fährt größtenteils in die Punkte und wird WM-Zehnter. Im November wird Firmenchef Dennis beurlaubt – ein gewisser Zak Brown übernimmt als CEO.

2017 tauscht McLaren den silbernen Lack gegen Papaya und kehrt nach 46 Jahren zum legendären Orange zurück. Eine Hommage an Team-Gründer Bruce McLaren. Dennoch ist man wieder am Ende des Klassements angelangt, einzig Sauber holt noch weniger Punkte.

Papaya-Rules – Orange is the new silver

In der darauffolgenden Saison sind die ungeliebten Honda-Motoren passé, von nun an hat man Renault-Aggregate unter der Motorabdeckung. Alonso hat zumindest in der ersten Saisonhälfte ein halbwegs konkurrenzfähiges Auto, am Ende des Jahres verliert man einmal mehr den Anschluss.

Der Doppel-Weltmeister wirft den Hut drauf und "beendet" seine Karriere – zumindest vorübergehend. Alonso wird WM-Elfter, Vandoorne punktet nur in drei der ersten vier Rennen und wird 16. in der Endabrechnung.

2019 geht man daher mit einer neuen Fahrerpaarung an den Start: Carlos Sainz und Rookie Lando Norris. Ab Mai übernimmt Andreas Seidl als Team Principal, das Team zeigt nach einem holprigen Start in die Saison eine deutliche Steigerung und holt durch den Spanier beim Grand Prix von Brasilien sogar den ersten Podestplatz seit Australien 2014. In der Konstrukteurs-WM wird das Team Vierter – mit Respektabstand zu den großen Drei.

In Monza sorgt Daniel Ricciardo 2021 für den ersten McLaren-Sieg seit fast neun Jahren.
Foto: © getty

Die Saison darauf ist bekanntlich geprägt von der Corona-Pandemie. Norris fährt gleich zum Saisonstart beim Großen Preis der Steiermark als Dritter aufs Podest, Sainz wird beim irren Rennen in Monza, das AlphaTauri-Pilot Pierre Gasly gewinnt, Zweiter. Dieses Mal reicht es sogar zu Platz drei bei den Konstrukteuren.

Mitte der Saison wird bekannt, dass Sainz Vettel bei Ferrari ersetzen soll – als Ersatz heuert niemand geringerer als Fan-Liebling Daniel Ricciardo in Woking an. Außerdem wechselt man erneut den Motorenhersteller: Wie schon von 1995 bis 2014 fährt der Traditionsrennstall fortan wieder mit Mercedes-Aggregaten.

Der "Honeybadger" tut sich beim Papaya-Team besonders zu Saisonanfang 2021 schwer, holt aber in Monza seinen ersten Sieg seit Monaco 2018, beziehungsweise den ersten Triumph McLarens seit 2012 - gleichzeitig ist es der erste Doppelsieg seit Kanada 2010. Norris fährt dagegen dreimal aufs Podest und wird WM-Sechster, Ricciardo Achter.

Neues Regelwerk - McLarens Renaissance

2022 kommt die lang ersehnte Regelrevolution – doch für McLaren geht es zunächst wieder bergab. Norris fährt in Imola aufs Podest, wird aber nur Gesamt-Siebenter. Ricciardo fährt dagegen nur acht Mal in die Punkte, das Team aus Woking landet hinter Alpine sogar "nur" auf Rang fünf. Seidl verabschiedet sich Richtung Sauber, Andrea Stella übernimmt als Teamchef – und mit ihm beginnt ein neues Kapitel.

Zur Saison 2023 ersetzt Oscar Piastri Landsmann Ricciardo. Es sieht zunächst nach einem weiteren ernüchternden Jahr aus – doch ab Saisonmitte platzt bei Papaya der Knoten. Norris fährt ab Silverstone regelmäßig aufs Podest. Zwar reichen die konstanten Leistungen lediglich zu Platz sechs und neun in der Fahrerwertung, doch die Formkurve zeigt klar nach oben. In der Konstrukteurswertung wird McLaren Vierter.

Auch 2024 beginnt holprig. Während Verstappen Sieg um Sieg holt, kommt das britische Traditionsteam erst mit dem Updatepaket in Miami auf Touren – zu spät, um den vierten Titel des Niederländers zu verhindern, aber genau rechtzeitig, um das Momentum ins Jahr 2025 zu tragen.

McLarens MCL39 ist 2025 nahezu unbesiegbar - Papaya ist zurück auf dem F1-Olymp.
Foto: © getty

Denn der McLaren MCL39, den das Team heuer ins Rennen schickt, ist nahezu unschlagbar. Das Papaya-Duo kann nur bei den Rennen in Suzuka, Miami und Kanada besiegt werden. In beiden Weltmeisterschaften führt McLaren souverän – die Krönung folgt beim Heim-Grand-Prix.

6. Juli 2025, Silverstone. Auf den Tag genau 17 Jahre nach Hamiltons Meisterstück jubelt wieder ein Brite im McLaren – wieder daheim, wieder im Regen, wieder dominant – wie zu den besten Zeiten. Norris gewinnt sein Heimrennen, begünstigt durch eine Strafe gegen Piastri – und doch verdient. Für McLaren schließt sich ein Kreis, der lange offen gestanden ist.

Auch wenn erst knapp die Hälfte der Saison abgeschlossen ist, so käme es dennoch einem Wunder gleich, wenn der Weltmeister nicht aus dem Hause McLaren kommen würde.

In Ungarn holt Norris den 200. Sieg des Traditionsrennstalls in der Formel 1 – und dabei wird es heuer nicht bleiben. Piastri führt die Wertung an, Norris ist neun Zähler dahinter. Weltmeister Verstappen fehlen dagegen bereits fast 100 Punkte auf den WM-Leader. WM-Stand >>>

Papaya ist nicht nur zurück, Papaya steht wieder auf dem Olymp der Königsklasse. Und wer sie schlagen will, braucht mehr als nur eine erneute Regelrevolution.

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