Auer: "Es wird drunter und drüber gehen!"

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Jahr drei für Lucas Auer in der DTM!

Der 22-Jährige Kufsteiner hat im vergangenen Jahr als erster Österreicher ein Rennen in der deutschen Tourenwagen-Serie gewinnen können und gilt wohl als das heißeste Eisen auf eine rot-weiß-rote Fahrerzukunft in der Königsklasse.

Pikant: Mit Gerhard Berger ist sein Onkel neuer Chef der DTM, die sich für die Saison 2017 ein Beispiel an der Königsklasse genommen hat und mit einem neuen Reglement für Spannung sorgen will.

Vor dem Start hat Lucas Auer der LAOLA1-Redaktion einen Besuch abgestattet und über die neuen Rahmenbedingungen, die härtere Konkurrenz, seinen Onkel als "Big Boss" und vieles mehr im Interview gesprochen.

LAOLA1: Dein drittes Jahr in der DTM steht an – hat sich da in der Winter-Vorbereitung etwas geändert?

Lucas Auer: Ich bin relativ viel im Auto gesessen. Und im Kart, was ein gutes Training ist. Wir haben Anfang des Jahres eine Winter-Tour in Florida gemacht, das war ein relativ großer Aufwand. Ich bin ein bisschen mehr ins Detail gegangen, was ich für die DTM brauche, was ich dort im Auto abliefern muss, habe nicht nur allgemein trainiert. Da wird man jedes Jahr besser und feiner. Und natürlich: Dass es viel Fitness braucht, ist kein Geheimnis mehr.

LAOLA1: Du warst bislang in jedem Jahr mit neuen Rahmenbedingungen konfrontiert.

Auer: Dadurch, dass du in der DTM auf so hohem Niveau tanzt, ist es ein Wahnsinn, wie viel da in deinen Kopf reinkommt. Auf einmal verstehst du das System, weißt ganz genau, worauf es ankommt und was du vergessen kannst. Ich habe ein besseres Paket als in den vorigen zwei Jahren.


Lucas Auer hat sich dem LAOLA1-Wordrap gestellt:

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LAOLA1: Bei den ersten Tests in Hockenheim warst du zweimal Vierter, zweimal zweitbester Mercedes-Pilot. Das spricht für eine gute Form?

Auer: Ich war eigentlich ganz happy, durch die lange Winterpause ist die Rückkehr immer etwas Spezielles. Besonders die Reglement-Änderungen hatten mich etwas ins Grübeln gebracht. Die Zeit war jetzt gar nicht so ausschlaggebend, da weiß man eh, dass jeder blufft.

LAOLA1: Hast du in den ersten Runden schon abstecken können, wo die Herausforderungen mit dem neuen Auto liegen?

Auer: Wir sind schon bei den Tests 2,5 Sekunden schneller gefahren, als bei der letzten Pole Position. Der größte Unterschied liegt in den Reifen, die sind viel weicher. In einer Runde kannst du brutal andrücken, aber im Long Run musst du schauen, dass du den Reifen nicht nach zehn Runden zerstörst. Wir haben zwar ein bisschen mehr PS und weniger Abtrieb. Aber die Reifen sind der einzige Kontakt zum Boden. Speziell in den ersten zwei Rennen wird es drunter und drüber gehen.

LAOLA1: Auch in der Formel 1 hat man schon versucht, über die Reifen Spannung hineinzubekommen. Hältst du das für den richtigen Weg?

Auer: Ich weiß nicht, ob mir ein Urteil zusteht. Aber es sieht vielversprechend aus. Was man auch erwähnen muss: Wir haben keine Heizdecken mehr. Das ist für uns eine große Sache und wird für die Zuschauer cool, weil die Autos aus der Box heraus auf den ersten hundert Metern nicht geradeaus fahren. Das ist spektakulär. In der ersten Runde wird es rund gehen, wenn du da einen Blödsinn machst, fahren dir gleich zehn Autos rein.

LAOLA1: Das Feld wurde auf 18 Autos reduziert, war das ein sinnvoller Schritt?

Auer: Ich bin ein Fan von großen Starterfeldern, wie im Kart. Da würde ich absurde Nummern sagen, die nicht umsetzbar sind. Aber ich finde nicht, dass 18 Autos viel zu wenig sind.

LAOLA1: Von acht Fahrern pro Hersteller auf sechs – da mussten zwangsläufig einige ihr Cockpit räumen. Gab es einen ausgeprägten Konkurrenzkampf?

Auer: Den gibt es eigentlich immer, aber in diesem Fall ganz besonders. Generell ist der Motorsport so schnelllebig, denn es stehen viele gut ausgebildete Fahrer vor der Tür. Du fährst in jedem Rennen um deinen Platz. Natürlich, wenn du einmal Champion bist, macht es das leichter. Für mich war es der Sieg und der paar Pole Positions, die den Unterschied gemacht haben. Leistung steht bei uns im Vordergrund. Ich habe abliefern müssen.

LAOLA1: Mercedes hat auf die Reduktion damit reagiert, nur mehr ein großes Betreuerteam einzusetzen – HWA. Was hat sich geändert?

Auer: Für mich ist alles neu. Alleine schon, dass man nicht mehr nach Berlin fliegt, sondern für die Meetings nach Stuttgart fährt. Es ist alles riesig bei HWA. Man schmunzelt, wenn ich mit 22 Jahren in dieser riesigen Firma herumgehe und alles suchen muss. Ich habe meinen Renningenieur von Mücke mitgenommen, das hilft.

LAOLA1: Mit dem ersten Sieg, den du letztes Jahr eingefahren hast, sind die Erwartungshaltungen gestiegen.

Auer: Es ist ganz lustig mit Erwartungshaltungen, weil du am Anfang immer von Pole Positions und den ersten Siegen träumst. Dann hast du das und im gleichen Moment heißt es: Na, jetzt musst du aber wieder gewinnen. Was ich mir dieses Jahr erwarte? Der nächste Schritt muss kommen. Wie groß oder klein der dann sein muss, keine Ahnung. Das kann man nach drei Rennen besser einschätzen. Die DTM ist unberechenbar.

LAOLA1: Als Titelkandidaten würdest du dich nicht sehen?

Auer: Da würde ich mich nie hinbringen. Es kann ganz schnell sein, dass du in den ersten zwei Rennen irgendeinen Unfug machst, dann bist du nicht mehr relevant. Die Highlights, die ich bisher setzen konnte, haben gepasst. Ich muss schauen, dass es jetzt mal konstanter wird.

LAOLA1: Du hast mit Mercedes-Neuzugang Edoardo Mortara, der 2016 mit Audi Vize-Champion wurde, einen starken neuen Teamkollegen bekommen.

Auer: Ich bin dankbar, dass er neben mir sitzt. Ich finde, dass er vom reinen Grundspeed her einer der schnellsten Fahrer in der DTM ist – wenn nicht der schnellste. Im Fahrerkopf macht es schon etwas aus, wer dein Teamkollege ist. Du musst alle schlagen, aber dieser eine steht halt immer neben dir.

LAOLA1: Wie ist dein Zugang zur Tatsache, dass dein Onkel Gerhard Berger jetzt neuer ITR-Vorsitzender und damit DTM-Boss ist?

Auer: Ich bin positiv gestimmt. Der Gerhard bringt sehr viel Erfahrung mit, er kennt die Fahrer- und die Teamchefseite und war bei der FIA aktiv. Jemanden, der so viel abdeckt, muss man erstmal finden. Ich bin gespannt, was er alles bewegen kann. Unser persönlicher Kontakt ändert sich nicht. Wir tauschen uns immer noch viel miteinander aus, es ist jetzt nur der gleiche Ort, an dem wir arbeiten.


Lucas Auer zu Gast in der LAOLA1-Redaktion:

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LAOLA1: Hat er durch dich so viel Kontakt zur Serie bekommen?

Auer: Der Gerhard hat sich schon immer nicht nur für die Formel 1 interessiert und alles geschaut, etwa auch MotoGP. Er hat überall ein Auge drauf. Durch mich hat er dieses Auge auf die DTM vielleicht geschärft.

LAOLA1: Weißt du schon über seine Pläne Bescheid?

Auer: Nein, da reden wir eher über anderes. Aber mit einer Forderung kann ich mich voll identifizieren: Man muss die Serie so nah wie möglich an den Fan heranbringen.

LAOLA1: Was bräuchte die DTM, um in Österreich an Beliebtheit zu gewinnen?

Auer: Ich muss schauen, dass ich so schnell wie möglich oben ankomme. Die Serie selbst ist schon super. Aber je mehr Fahrer du hättest, umso mehr würde es ein Land mitreißen. Ich bin ja aktuell der einzige Österreicher.

LAOLA1: In deinem ersten DTM-Jahr 2015 hat Pascal Wehrlein, der einen Monat jünger ist als du, den Titel gewonnen. Was kann man sich von einem Gleichaltrigen abschauen?

Auer: Der Pascal war schon ein paar Schritte weiter, als ich gekommen bin. Das war bereits sein drittes Jahr in der DTM. Ich habe mir irrsinnig viel abgeschaut. Ich habe ihn ausgesaugt wie ein Schwamm, damit ich selbst möglichst schnell weiterkomme. Wenn du nicht bald auf ein ähnliches Niveau kommst, bist du sowieso wieder weg.

LAOLA1: Bei Mercedes hat man gewisse Aufstiegschancen: Denkst du daran?

Auer: Gedanken mache ich mir keine. Ich weiß, was ich zu tun habe: In der DTM möglichst schnell oben anzukommen. Wenn ich hier ein Prozent weniger gebe, bin ich nicht mehr vorn dabei. Das Träumen bringt nichts. Ich versuche, in der Gegenwart zu leben. Man hat seine Träume, jeder, auch ich. Ich bekomme die Frage häufig, aber das finde ich okay. Trotzdem ist das meine ehrliche Antwort: Es gibt keinen Plan für die Zukunft. Ich versuche, jetzt in der DTM abzuliefern. Wo ich im dritten Jahr lande, ist spannend genug.

LAOLA1: Du wirst für den altes Team, Mücke Motorsport, auch einzelne Rennen in der ADAC GT Masters bestreiten. Ist das eine Art Freundschaftsdienst?

Auer: Ich würde es nicht so nennen, aber es ist cool, dass wir in einer kleineren Form immer noch zusammenarbeiten. Es werden meine ersten Erfahrungen im GT-Sport. Aber wir müssen erst schauen, was ich fahren kann, was realistisch ist, aber mit dem einen oder anderen Einsatz kann man schon rechnen.

LAOLA1: Also ist es nicht als Doppelbelastung zu betrachten?

Auer: Nein, im Gegenteil, ich würde es als zusätzliches Training sehen. Um Kilometer zu bekommen. Wenn man von Erfahrung spricht, ist gerne die Rede davon, dass ein Fahrer noch zu wenige Kilometer am Rücken hat. So verkürze ich mir den Weg.

LAOLA1: Gerade in der DTM ist ein „Seitenprogramm“ nichts ungewöhnliches, wie etwa Mathias Ekström in der Rallycross-WM zeigt.

Auer: Das ist sowieso ein Wahnsinn. Aber man muss aufpassen. Er hat in der DTM alles erreicht, und er ist überall schnell. Man darf nicht so viel machen, dass man seine Leistung in der DTM nicht mehr abrufen kann. Solange das nicht der Fall ist, wäre ich für alles offen. Bei den Klassikern wäre ich überall dabei. Ich habe jetzt übrigens die Lizenz gemacht, die es etwa für das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring braucht.

Textquelle: © LAOLA1.at

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