Verletzung: Hirscher kann "unsterblich" werden

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Schwups! Eine kleine Unachtsamkeit, da ist es passiert.

Ausgerechnet bei seinem ersten Training auf Schnee in diesem Sommer zog sich Marcel Hirscher eine schwere Verletzung zu. Diagnose: Fraktur des Außenknöchels im linken Bein.

Ein operativer Eingriff ist nicht nötig, sechs Wochen Gips sind jedoch Realität. Unterkriegen lässt sich der Annaberger von dem Verletzungspech nicht. Wie alle großen Champions blickt er selbst in einer für den objektiven Betrachter harten Zeit nach vorne.

Er sagt, er hat noch Glück im Unglück gehabt. Es hätte eine schwerere Verletzung passieren können. Marcel schaut positiv in die Zukunft“, lässt ÖSV-Cheftrainer Andreas Puelacher wissen.

Verletzung als Chance

Dazu hat der Ski-Star auch guten Grund, denn wie alles im Leben bietet auch dieses negative Erlebnis eine Chance: Hirscher kann sich jetzt „unsterblich“ machen.

Die Profi-Karriere des 28-Jährigen verlief bislang nahezu reibungslos. Die einzige gröbere Verletzung zog er sich im Februar 2011 (Kahnbeinbruch) zu, wodurch er die WM in Garmisch verpasste.

VIDEO - So feierte Hirscher nach der letzten Saison mit seinen Fans:
(Artikel wird unterhalb fortgesetzt)

Danach setzte Hirscher zu einer zuvor nie da gewesenen Erfolgsserie an, gewann sechs Mal in Serie den Gesamtweltcup und bei drei Weltmeisterschaften immer jeweils zweimal Gold sowie einmal Silber.

Rekorde gebrochen. Leistungen erbracht, die als unmöglich angesehen wurden. Eigentlich nicht in Worte zu fassen. Von einem anderen Stern. Und trotz dieser grandiosen Erfolge scheint es so, als würde Hirscher in der öffentlichen Wahrnehmung hinter einem gewissen Hermann Maier angesiedelt sein.

Hirscher fehlt(e) emotionale Story

Der Grund: Maiers „Rocky“-Story. Vom Maurer zum Ski-Star, vom Jahrhundertsturz in Nagano zu Olympia-Doppelgold und von einer nur um ein Haar verhinderten Bein-Amputation zurück an die Spitze der Ski-Welt.

Diese bewegende Story, die damit verbundene Emotionalität fehlt Hirscher. Entschuldigung – fehlte Hirscher. Denn genau jetzt kann er selbst diese Geschichte schreiben.

Natürlich bewegt sich das alles bei ihm in anderen Dimensionen. Ein Knöchelbruch ist kein offener Unterschenkelbruch - und doch darf man die Verletzung nicht unterschätzen.

Hirschers Erfolgsrezept bestand zu wesentlichen Teilen aus körperlicher Fitness und kontinuierlicher, guter Arbeit. Auch über den Sommer drehten er und sein Team stets an den richtigen Schrauben, das Material wurde weiterentwickelt, Umstellungen erfolgreich gemeistert.

Genau dieser Part wird nun zur großen Herausforderung. Körperlich muss man sich um den Salzburger wohl kaum Sorgen machen – in ein paar Wochen baut der Körper eines Ausnahmeathlets nicht dramatisch viel ab, zudem Hirscher über eine exorbitant gute Grundphysis verfügt und seinen Körper trotz Gipsfuß weiterhin stählen wird.

Dann verstummen auch die letzten Kritiker

Vielmehr ist es die fehlende Arbeit auf Schnee in der Vorbereitung, die schwer aufzuholen wird. Der Plan sah vor, dass Hirscher nach einer ohnehin schon außergewöhnlich langen Ski-Pause in diesen Tagen und Wochen auf Österreichs Gletschern intensiv Material testet. Vor allem aufgrund der Materialumstellung im Riesentorlauf (kürzere Ski) ist es ein riesiger Nachteil, dass er nun nicht auf der Piste stehen kann. Außerdem bleibt abzuwarten, wie der Knöchel nach der Reha auf die Belastung im Ski-Schuh reagiert.

Alles in allem darf man die Verletzung und die dadurch entstehenden Konsequenzen keinesfalls kleinreden. Es ist ein gewaltiger Rückschlag in der Vorbereitung auf die Olympia-Saison. Das (ohnehin fragwürdige) Argument „Der Hirscher profitiert ja nur von den Verletzungen der anderen und fährt eben jahrelang konstant ohne Probleme“ mancher Kritiker ist jetzt auch hinfällig.

Hirscher kann sich nun zurückkämpfen und seine persönliche, emotionale Story schreiben. Vielleicht mit einem Blitz-Comeback beim Weltcup-Auftakt in Sölden Ende Oktober. Womöglich auch mit einem siebten Gewinn des Gesamtweltcups. Oder sogar mit einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Südkorea - das wäre ohne Zweifel die Krönung.

Spätestens dann würde Hirscher als „unsterblich“ in die Ski-Geschichte eingehen. Für mich ist er es bereits jetzt (sechs Mal in Folge Gesamtweltcup ist fast nicht nachzumachen), aber dann würden es wohl auch die allerletzten Kritiker einsehen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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