Alternativlos

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Franco Foda bleibt für die nächsten zwei Jahre Trainer in Graz. Angesichts der Umstände und der Rahmenbedingungen an der Mur eine derzeit alternativlose Entscheidung.

Letztes Mal ging es hier ja um Schoko Schachner und seine Sehnsucht danach, Trainer des SK Sturm zu werden. Das war natürlich alles ganz lustig, diese Woche geht es aber um die Realität im Profi-Fußball. Und die heißt: Der längstdienende Übungsleiter der Grazer wird seinen Vorsprung an Spielen als Verantwortlicher an der Linie noch ausbauen. Franco Foda bleibt der Chefcoach der Schwarz-Weißen und das, laut Vertrag, zumindest noch die nächsten zwei Jahre. Das gaben Sportdirektor Günter Kreissl und Foda am Freitag gemeinsam am Podium bekannt.

"Qualität vor Druck", heißt nun der offizielle Vereinssprech dafür, warum sich die Verhandlungen dann doch länger gezogen haben. Foda nennt es, den Weg zu einem Ergebnis , bei dem am Ende beide Seiten zufrieden sein müssen. Abgesehen von der Aussage des Trainers, er würde jetzt beim neuen Vertrag sogar weniger verdienen als vorher, wurde aus Graz sonst wenig Überraschendes vermeldet. Fodas treuer Assistent Thomas Kristl hat ebenso einen neuen Vertrag bis 2019 erhalten und ob er nun eine Ausstiegsklausel hat oder nicht, wollte der Mainzer wie zu erwarten nicht verraten.

Alles in allem war diese Verlängerung am Ende die logische Konsequenz der letzten Monate. Als Günter Kreissl seinen Dienst in Graz angetreten und Franco Foda als Trainer "übernommen" hat, hat er sich zu diesem Thema bedeckt gehalten und recht flott haben die Spekulationen begonnen, ob die beiden miteinander können. Es ist nun sicher so, dass die zwei Herren von ihrem Naturell unterschiedlicher nicht sein könnten. Auch hinsichtlich dessen, wie man an die Dinge herangeht, hat man sich anfangs bestimmt ab und an gegenseitig irritiert.

"Kreissl und Foda haben sich klassisch zusammengerauft."

Ich meine aber, das dringt jetzt auch mehr und mehr nach außen durch, Kreissl und Foda haben sich klassisch zusammengerauft. Bei allen Unterschieden wuchs die Wertschätzung für die jeweils fachliche Arbeit und der Erfolg der Herbstsaison tat ein Übriges. Foda war wohl zunächst noch ein wenig nervös und sich seiner Sache nicht ganz sicher, drängte er doch auf eine Entscheidung noch im Dezember 2016. Im Laufe der Verhandlungen wurde ihm aber von Kreissl die Angst genommen, indem er ihm zusicherte, die erste Wahl zu sein. Von da an ging es tatsächlich nur noch um die Details.

"Bemerkenswert: Keinerlei Störfeuer von amtierenden Funktionären, Ehrenpräsidenten oder sonstigen Würdenträgern im Steirerjanker während der Verhandlungsperiode."

Bemerkenswert, speziell für langjährige Beobachter des SK Sturm: Keinerlei Störfeuer von amtierenden Funktionären, Ehrenpräsidenten oder sonstigen Würdenträgern im Steirerjanker während der doch länger andauernden Verhandlungsperiode. Normalerweise äußern sich diese sonst in solchen Fällen nur allzu gerne mit wenig fundierter Meinung zu jeweiligen schwarz-weißen Causa Prima. Gefragt oder Ungefragt. Auch die mediale Begleitung von Seiten der Haus – und Hofberichterstatter war sehr zurückhaltend ohne eindeutige Tendenz zu einem Verhandlungspartner. Ein paar vorsichtige pro Franco-Untergriffe gegen Kreissl seien ihnen (fast) verziehen, man kann sich ja nicht gar so schnell ganz umgewöhnen. Weht da vielleicht sogar eine erste leichte Brise eines neuen Stils durch Graz und Messendorf? Da darf man sich wohl nicht zu früh freuen, aber immerhin.

Die absolute Rückendeckung für Günter Kreissl vom Präsidenten abwärts hat das Ihrige dazu beigetragen. Kreissl war, nachdem er dem Vorstand seine Vorstellungen für die nächsten Jahre präsentiert hat und diese einstimmig angenommen wurden, mit dem alleinigen Mandat für die Verhandlungen ausgestattet worden. Das wurde auch eingehalten und deshalb konnte die ganze Angelegenheit trotz ihres durchaus vorhandenen Eskalationspotenzials einigermaßen ruhig über die Bühne gebracht werden. Diese Vorstellungen im Kreissl-Konzept waren wohl auch einer der wesentlichsten Verhandlungsgegenstände. Da es offensichtlich geschafft worden ist, das unter einen Hut zu bringen, war die Verlängerung der Ära Franco Foda angesichts der auch sonst grundsätzlich positiven Entwicklung tatsächlich alternativlos.

Jürgen Pucher war Gründungsmitglied der Plattform „Sturm12.at“ und hat dort über Jahre hinweg mit seiner Kolumne „12 Meter“ die Diskussionen rund um den Grazer Verein und den österreichischen Fußball extrem bereichert. Nun beschäftigt er sich als Betreiber der Podcast-Plattform "blackfm.at" mit den Geschehnissen bei den Schwarz-Weißen. Bei LAOLA1 verfasst er in regelmäßigen Abständen Gastkommentare zum Geschehen im heimischen Kick.

Kontakt: blackfm1909@gmail.com

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Textquelle: © LAOLA1.at

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