Film-Kritik: Borg/McEnroe

Aufmacherbild Foto: © NEON
 

Auch Dominic Thiem weiß, dass viele Kinder und Jugendliche den Namen “Björn Borg” nur mehr aus der Unterhosen-Abteilung kennen. Erst vor zwei Wochen zeigte sich Österreichs Tennis-Ass von diesem Umstand wenig überrascht.

Es ist also wahrlich an der Zeit, der heutigen Jugend ein bisschen dringend benötigten sportlichen Geschichts-Unterricht nachzuliefern. Mit diesem Anspruch startete die schwedische Film-Produktion „Borg/McEnroe“ ihr Unterfangen, eines der legendärsten Tennis-Matches aller Zeiten auf die Leinwand zu bringen.

Der dänische Regisseur Janus Metz, der sich dem Stoff bereits vor über 20 Jahren in einer britischen Dokumentar-Serie annahm und über Hollywood-Erfahrung (True Detective) verfügt, konzentriert sich in seiner 107 Minuten dauernden Sport-Biographie auf ein einzelnes Turnier: Wimbledon 1980.

Björn Borg steuerte damals seinem historischen fünften Triumph im Rasen-Mekka in Folge entgegen, das aufstrebende „Enfant Terrible“ John McEnroe wollte dem großen Favoriten in die Suppe spucken und nach seinem überraschenden US-Open-Titel im Vorjahr den zweiten Grand-Slam-Titel seiner noch jungen Karriere holen.



In Rückblenden erzählt der Film die Werdegänge der beiden auf den ersten Blick so konträr wirkenden Kontrahenten, die vom hierzulande eher unbekannten Schweden Sverrir Gudnason und Hollywood-Star Shia La Beouf verkörpert werden.

Borg-Karriere steht im Mittelpunkt

Dabei erfahren wir, dass Borg in seiner Kindheit alles andere als ruhig und kühl galt und McEnroe in seinem sehr disziplinierten Elternhaus zu einem der erfolgreichsten, aber auch rüpelhaftesten amerikanischen Tennis-Spieler aller Zeiten heranwuchs.

Der schwedischen Produktion ist es wohl geschuldet, dass es im Story-Verlauf zu einem leichten Ungleichgewicht kommt und der Lebenslauf von Borg eindeutig intensiver durchleuchtet wird als jener von McEnroe. Das ist doppelt schade, weil mit La Beouf, der in Hollywood selbst als Bad Boy gilt und schon mit einigen Skandalen die Klatschblätter füllte, der ideale Mann für diese emotional aufgeladene Rolle gefunden wurde.

Das weltberühmte „You cannot be serious!“ nimmt man dem ehemaligen Transformers-Aushängeschild durchaus ab und es ist interessant zu sehen, wie emotional ein Profi damals noch auf dem Court agieren konnte, ohne mit zahlreichen Verwarnungen und Strafpunkten abgemahnt zu werden.

Borg kritisiert einzelne Szenen

Das Hauptaugenmerk legt der Film allerdings auf die eher betulichen Momente, in denen der junge Borg mit seinen inneren Dämonen kämpft, um auf dem Tennisplatz zu seiner stoischen Ruhe zu finden, für die er zeit seiner aktiven Karriere bekannt war. Durchaus glaubwürdig, aber auch etwas übertrieben, wie Björn Borg selbst am Rande des Laver Cups kritisierte.

So soll eine zwischen ihm und seinem damaligen Coach Lennart Bergelin (im Film von Stellan Skarsgard dargestellt) gezeigte Schlägerei im wahren Leben nicht stattgefunden haben. Wobei gerade diese Szene etwas Schwung in die teilweise zu langatmig vorgebrachte Erzählung bringt, der durchaus einige mutigere Schnitte gut getan hätten, um sie etwas flotter zu gestalten.

Unter dem Strich bleibt ein immer noch überdurchschnittlicher Sportfilm, der eine der größten Rivalitäten des Tennis-Zirkus trotz kleinerer künstlerischer Freiheiten korrekt und unterhaltsam auf die große Leinwand bringt.

Borg/McEnroe startet am 13. Oktober in den österreichischen Kinos. LAOLA1 konnte ihn in der LAOLA1-Special Preview im Wiener Gartenbaukino vorab sehen.

Textquelle: © LAOLA1.at

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