Quehenbergers Erfolgsweg, "Westbahn-Rudi" wird 80!

Quehenbergers Erfolgsweg, Foto: © GEPA
 

Wenn Rudolf "Rudi" Quehenberger nicht als Unternehmer und Fußball-Funktionär erfolgreich geworden wäre, hätte er es vielleicht auch als Austropopper geschafft.

Denn der Tennengauer ist immer noch begeisterter Sänger: Keine Wirtshaus-Runde, keine Feier, kein Freundeskreis (natürlich alles in Vor-Corona-Zeiten), bei denen er nicht seine kräftige Stimme in Fahrt gebracht hatte. Und mit dem Salzburger Elvis-Imitator Rusty kam sogar eine Mini-CD mit vier Oldieschnulzen "nur für den privaten Gebrauch" zustande.

Am 17. April wird "Westbahn Rudi", wie der Chef der Salzburger Austria in deren Glanzzeit in den 1990ern tituliert wurde, 80 Jahre alt.

Aus offiziellen Funktionen sowohl in seinem Unternehmen Quehenberger Logistics, an dem er noch sieben Prozent Anteile hält, als auch aus dem Profifußball hat er sich längst zurückgezogen, ist aber beiden noch mit vollem Herzblut verbunden. Ein Leben für den Fußball, das trifft beim gebürtigen Pucher und ehemaligen Regionalliga-Kicker ("ich spielte außer Tormann alle Positionen, am liebsten aber Libero") mit Bestimmtheit zu.

Wege mit Didi Mateschitz kreuzten sich früh

Dass aus einem Schulabgänger mit 16 (wegen des frühen Tods der Mutter) und kleinem Speditionsmitarbeiter einer der erfolgreichsten Unternehmer dieser Branche würde, war in den 1960er-Jahren noch nicht vorhersehbar.

Aus dem Einstieg in die Spedition Lausenhammer wurde 1983 die Spedition Rudolf Quehenberger, und bald darauf kreuzten sich die Wege mit einem anderen Jung-Unternehmer namens Dietrich Mateschitz, der in dieser Zeit das Projekt Red Bull startete. Bis heute ist Quehenberger Logistik-Partner des Salzburger Weltkonzerns.

Weil der Fußballfan Q. etwas für die angeschlagene Salzburger Austria tun wollte, stieg er dort 1984 – zuerst widerwillig - ein, obwohl der Klub damals elf Millionen Schulden hatte – Schilling, wohlgemerkt. "Peanuts", sagt Rudi dazu heute.

Der sportliche Beginn der Ära war desaströs: Abstieg, erst 1989 wieder Aufstieg mit legendären Hans-Krankl-Festspielen. Die Geldnot blieb aber, ein Intermezzo mit dem Verkauf an den Kärntner Egon Putzi wurde nach kurzer Zeit beendet.

Die goldene Ära in den 1990er-Jahren

Quehenberger mit Trainer-Legende Otto Baric
Foto: © GEPA

"Ich nahm mir beim Einstieg vor, die Austria in zehn Jahren salonfähig und erfolgreich zu machen. Das gelang nach mühsamem Beginn auch."

Es folgte bald die "Goldene Ära" unter Trainer Otto Baric, der bis heute Quehenbergers Favorit ist und dessen Tod ihm sehr naheging: Meister 1994, 1995 und 1997, 1994 im UEFA-Cup-Finale mit dem knappen Scheitern an Inter Mailand - Hin- und Rückspiel gingen unglücklich jeweisl 0:1 verloren, 1994/95 Qualifikation für die Champions League.

"Der Zeitaufwand war für mich dann ziemlich genau 50:50 zwischen Spedition und Austria. Trainer- oder Spieler-Verträge machte ich alle selbst. Der schönste Augenblick neben dem Europacup-Lauf war der erste Meistertitel, bei dem wir endlich den Wienern die Show gestohlen haben", sagt Quehenberger.

Und die größte Enttäuschung? "Dass es gegen Inter trotz toller Leistung nicht ganz reichte."

Verhandlungen mit Red Bull waren kurz

Beckenbauer (l.), Mateschitz und Quehenberger
Foto: © GEPA

Der Gewinn aus den internationalen Erfolgen verwandelte sich bald in ein deutliches Minus, Versuche, den Klub abzustoßen und das investierte Geld zurückzubekommen, scheiterten. Als Quehenberger nach missglückten Verhandlungen mit einem kasachischen Politiker schon aufgeben will, erreicht ihn im Spätwinter 2005 ein Anruf: "Herr Mateschitz möchte sich mit Ihnen über Fußball unterhalten."

Am 6. April ging um 20:05 Uhr ein zweizeiliges Fax von Red Bull an die Sportredaktionen des Landes: Red Bull hat die Salzburger Sport AG, die "Mutter" der Austria, übernommen – nachdem Mateschitz, beeinflusst durch Berater Franz Beckenbauer und persönliche Eindrücke von der Euro 2004 in Portugal, quasi über Nacht Fußballfan geworden war.

Der Schuldenstand wurde damals mit sieben Millionen Euro beziffert, was Quehenberger relativiert: "Es war ja auch Vermögen da, vor allem im Wert vieler Spieler."

Nachsatz: "Freilich hat uns allen da das Bosman-Urteil schwer geschadet. Das war eine Riesenenttäuschung." Aber zu den Verhandlungen erklärt er heute: "Zwei, drei Gespräche, das ging dann ganz schnell."

Über Otto Baric kommt nichts und niemand

Die Verbindung zwischen Logistik-Unternehmen (2019 - 460 Mill. Euro Umsatz, 2.900 Mitarbeiter, 81 Standorte in 18 Ländern, 234 Lkw) und Fußball stellt der von Quehenberger geförderte Christian Fürstaller dar, der zum Vorstand aufgestiegen war.

Quehenberger ist auf seinen "Zögling" besonders stolz: "Er war nie Profi, spielte Klassefußball als anderweitig Berufstätiger, ist bis heute der einzige Amateur im Nationalteam. Er ist ein unheimlich fleißiger Mensch."

Über Otto Baric als Trainer lässt Quehenberger "auch wegen der persönlichen Schiene" nichts und niemanden kommen. Bei den Spielern nennt er neben der "Vertrauensperson" Fürstaller noch Heribert Weber, Mladenovic, Lainer, Garger, Pfeifenberger, Feiersinger als seine Topleute "neben vielen anderen".

Wunsch? Red Bull im Champions-League-Finale

Heute streut "Westbahn-Rudi" der Vereinsführung von Red Bull Salzburg Rosen: "Sie hat den Klub wieder zu einem Salzburger Team gemacht. Und die Arbeit ist hervorragend."

Wie auch das, was mit der Akademie aufgebaut und von den zahlreichen Scouts in aller Welt entdeckt wurde. "Die Entwicklung der Talente und welche Trainer immer wieder geholt wurden, ist für mich fast ein Wunder. Den Grundstein zu allem hat Ralf Rangnick gelegt. Mit der Akademie wurde Salzburg international ein Vorreiter."

Und was wünscht sich Rudi Quehenberger zum 80er als Fußballfreak? "Dass Red Bull Salzburg ins Finale der Champions League kommt! Und dass das Nationalteam bei der WM 2022 in Katar dabei sein wird. Was aber auch schwierig wird."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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