Melih Kirim: Der wahre Torschützenkönig

Aufmacherbild Foto: © Wild Boys 90/Jörg Ransmayr
 

27. Oktober 2018: Am 15. Spieltag der 2. Klasse Süd/West trifft der SV Lend zuhause auf den Sportklub Bischofshofen. In einer von Beginn weg einseitigen Partie feiert der Salzburger Verein SV Lend einen glatten 24:0-Heimsieg.

Spieler des Spiels ist einmal mehr Lends Star-Stürmer Melih Kirim. Der 24-Jährige erzielt an diesem Samstag im Herbst ganze 13 Tore selbst. Es sind seine Saisontreffer 34 bis 46. Es liegt also auf der Hand: Kirim ist Österreichs erfolgreichster beim ÖFB eingetragener Spieler. In der Hinrunde der 2. Klasse Süd/West gelingen dem Österreicher in 14 Einsätzen insgesamt 48 Tore.

LAOLA1 begibt sich auf die Suche nach Kirims Schlüssel zum Erfolg – denn einen Stürmer wie ihn könnte der österreichische Profifußball gut gebrauchen.

Fußball hat nicht die oberste Priorität

"Kann ich etwas später zurückrufen? Ich bin gerade mit meiner kleinen Tochter unterwegs." Unser erstes Telefonat mit Kirim dauert nur wenige Sekunden. Und auch beim Rückruf kristallisiert sich schnell heraus, dass der Fußball für Kirim, trotz der Tatsache Österreichs erfolgreichster Torschütze zu sein, nie die oberste Priorität haben wird.

"Ich spiele natürlich sehr gerne Fußball, habe aber schon von Anfang an gewusst, dass ich nicht alles dafür opfern werde. Wegen meiner Familie und der Arbeit kann ich eben nicht so viel Zeit für Fußball investieren und das will ich auch nicht. Ich will in Zukunft viel Zeit mit meiner Familie verbringen. Wir haben nämlich im März eine Tochter bekommen", erklärt Kirim.

"Ich habe in zwei Spielen 22 Tore gegen eine Mannschaft erzielt, da war es schon sehr einfach zu treffen."

Melih Kirim

Wieso ist der 24-Jährige dann aber, obwohl er verhältnismäßig nur wenig Zeit mit dem Fußballspielen verbringt, überhaupt so erfolgreich? Kirim zeigt sich bescheiden: "Ich will nicht behaupten, dass ich zu gut bin und ich will auch kein anderes Team schlechtreden, wirklich nicht. Aber ich habe in zwei Spielen 22 Tore gegen eine Mannschaft (den SK Bischofshofen, Anm.) erzielt, da war es schon sehr einfach zu treffen."

3,42 Tore pro Spiel

Außerdem schätzt Kirim sein Team generell stark ein: "Bei den restlichen Spielen ist es uns als Mannschaft gelungen, guten Offensivfußball zu spielen. Wir haben ja auch insgesamt viele Tore geschossen. Wir stehen mittlerweile bei knapp 100 Treffern, es sind also auch andere Mitspieler, die öfter treffen. Meine Mitspieler haben einen großen Anteil an meinen Toren."

In der 2. Klasse Süd/West ist Kirim mit einem Schnitt von 3,42 Toren pro Spiel klarer Topscorer. Eine Torprämie würde den Verein wohl innerhalb nur einer Saison in den Ruin treiben. Doch daran ist beim SV Lend sowieso nicht zu denken.

"Bei unserem Verein läuft alles ehrenamtlich ab. Niemand verdient hier etwas", erklärt Kirim. Einen bestimmten Torjubel, mit dem er bereits 48 Mal ein Tor zelebrieren konnte, hat der Österreicher übrigens nicht.

Begegnung Ergebnis Tore Melih Kirim
UFC Dienten vs. SV Lend 4:4 3
SV Lend vs. USV Dorfgastein 2:2 1
FC Zell am See 1b vs. SV Lend 0:4 3
SG Uttendorf vs. SV Lend 0:2 2
SV Lend vs. USV Großarl 3:8 2
SK Bischofshofen vs. SV Lend 0:14 9
SV Lend vs. SC Wald-Königsleiten 4:1 3
TSU Bramberg 1b vs. SV Lend 0:7 4
SV Lend vs. SK Bruck 3:1 2
SV Lend vs. UFC Dienten 2:2 1
USV Dorfgastein vs. SV Lend 1:5 nicht im Kader
SV Lend vs. FC Zell am See 1b 4:0 nicht im Kader
SV Lend vs. SG Uttendorf 5:2 2
USV Großarl vs. SV Lend 3:1 1
SV Lend vs. SK Bischofshofen 24:0 13
SC Wald-Königsleiten vs. SV Lend 0:2 2

Kirim spielerisch auf Landesliga-Niveau

Es ist naheliegend zu meinen, dass Kirim in einer besseren Division spielen könnte. Dass der Familienvater das Potenzial für eine weitaus höhere Liga hat, weiß auch sein Trainer Johann Buchsteiner: "Die Landesliga würde ich ihm auf jeden Fall zutrauen. Da würde er, sofern er fit bleiben würde, bestimmt Chancen haben, davon bin ich überzeugt."

Das Entscheidende ist aber: Kirim möchte nicht in einer höheren Liga spielen. Er ist glücklich beim SV Lend. Denn hier versteht man sich auf freundschaftlicher Ebene gut, trifft sich auch abseits der Trainings: "Das Tolle an den unteren Ligen ist ganz einfach: Es macht dir niemand Druck, wenn du mal keine Zeit für das Training hast. Wenn du mal im Stress bist und nicht kommen kannst, ist dir niemand böse. Bei so einem Verein zu spielen, war mir von Anfang an wichtig", erklärt der 24-Jährige.

Sehr zur Freude des Trainers. Buchsteiner beschreibt Kirim als "robusten Spieler, der aber auch schnell, technisch stark und nur sehr schwer vom Ball zu trennen ist. Noch dazu hat er einen wirklich starken Schuss, also eigentlich alles, was ein Stürmer braucht."

Fußballerisch begabte Geschwister

Kenan Kirim spielte bereits früh für die ÖFB-Youngsters
Foto: © GEPA

Angebote von Vereinen in höheren Ligen gab es viele. Doch Melih Kirim lehnte alle ab. Anders als sein Bruder. Dieser heißt Kenan Kirim und spielt seit Jänner 2018 für die zweite Mannschaft des SK Rapid Wien. Davor durchlief der 19-Jährige die Red-Bull-Akademie in Salzburg. Auch Einsätze für die Jugend-Nationalteams des ÖFB kann Kenan Kirim bereits vorweisen. Eine fußballerische Profi-Zukunft ist dementsprechend leicht möglich.

Mit den beiden Kirim-Brüdern treffen also zwei Welten aufeinander. Während sich Kenan wohl jeden Tag voll und ganz dem Fußball zuwendet, trainieren Melih und Co. beim SV Lend "zwei Mal in der Woche und am Wochenende spielen wir eben unsere Liga-Partie. Und das ist für mich auch die oberste Grenze. Ich will persönlich nicht mehr als drei Tage in der Woche für den Fußball investieren", erklärt Österreichs Goalgetter Nummer eins.

Winterpause bis Mitte April

Falls Melih Kirim seinen Torriecher behält, ist dem SV Lend jedenfalls eine gute Endplatzierung in der 2. Klasse Süd/West sicher. Jetzt ist jedoch erst einmal Winterpause angesagt. Bis zur Rückrunde dauert es noch eine Zeit - erst im April rollt in der achthöchsten Division Österreichs wieder der Ball.

Bis dahin kann sich Melih Kirim also voll und ganz seiner jungen Familie widmen und wird das bestimmt auch in der Rückrunde weiter tun. Vielleicht ist es ja auch die kleine Tochter, die dem 24-Jährigen einen so großen Motivationsschub gibt, dass Kirim scheinbar nach Belieben trifft.

Fakt ist jedenfalls: Gäbe es im österreichischen Profifußball einen annähernd so effizienten Stürmer wie Melih, wäre der Weg Österreichs zu einer absoluten Fußball-Top-Nation wohl kein weiter mehr.

Textquelle: © LAOLA1.at

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