Wöber: "Sind keine Waschlappen in Österreich"

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Für Maximilian Wöber ist es alles andere als eine Abstufung, vom A-Team in die U21 zu übersiedeln, um dieser beim EM-Quali-"Endspiel" gegen Russland (Dienstag, ab 18 Uhr im LIVE-Ticker) beim Aufstieg ins Playoff zu helfen.

Dafür ist der 20-jährige Ajax-Legionär zu geerdet, zu motiviert, alles für Rot-Weiß-Rot in die Waagschale zu werfen. Vor allem soll Österreichs historische erste Qualifikation für eine U21-EM-Endrunde ein Signal für die Zukunft werden.

"Bei der Hymne wird es ein Gänsehautmoment und jedem wird klar sein, worum es geht. Es geht nicht nur für uns um viel, sondern es wäre auch ein Zeichen für den österreichischen Fußball, um aufzuzeigen, dass wir Österreicher doch nicht solche Waschlappen sind, wie wir oft im internationalen Fußballgeschäft dargestellt werden", lässt Wöber im LAOLA1-Interview aufhorchen.

Der Defensivspieler und Ex-Rapidler spricht über seine Situation als "Potenzialspieler" zwischen A-Team und U21, Qualität, die nicht nur fürs Playoff reichen sollte, das bisher größte Spiel seiner Karriere gegen Kindheitsidole und Bayern München sowie die durchtauchte persönliche Krise bei Ajax.

LAOLA1: Max, die U21 ruft und braucht dich. Ist das für dich nach wie vor eine besondere Wertschätzung trotz A-Team-Erfahrungen?

Maximilian Wöber: Auf alle Fälle! Ich habe schon vor dem Lehrgang mit dem Trainer telefoniert und ihm gesagt: Wenn er mich braucht, dann möchte ich spielen. Ich freue mich auch riesig, dass ich jetzt helfen kann, um das Playoff zu erreichen. Natürlich bin ich auch gerne beim A-Team, aber ich denke, dass meine Chancen zu spielen im Moment beim U21-Team größer sind. Deswegen freue mich auch, dass ich wieder Minuten machen kann.

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LAOLA1: Im A-Team bist du gegen Nordirland nicht zum Einsatz gekommen, aber im Test gegen Dänemark wäre vielleicht mehr probiert worden. Wie gehst du mit der Situation um? Was hat für dich momentan Priorität?

Wöber: Wenn es so ein wichtiges Spiel wie jetzt das entscheidende in der EM-Qualifikation ist, dann hat natürlich die Russland-Partie für mich Priorität. Natürlich war die Freude riesig, dass ich wieder beim A-Team dabei war. Die Chance wäre wahrscheinlich groß gewesen, dass ich wieder einen Einsatz bekomme. Aber ich bin jetzt 20 Jahre alt und hoffe, dass ich noch genug Einsätze im A-Team erhalte.

LAOLA1: Xaver Schlager hat ganz deutlich festgehalten, dass er der U21 helfen wollte, er wurde jedoch nicht vom A-Team freigestellt. Wie ist das bei dir abgelaufen? Hast du das auch so klar mitgeteilt oder wie kann man sich diese Entscheidungsfindung vorstellen?

Wöber: Es war bei Konrad Laimer und mir so, dass wir am ersten Tag beim A-Team ein Gespräch mit dem Teamchef darüber gehabt haben, wie er uns im Nationalteam sieht und wie unsere Position ausschaut. Schon da hat er uns gesagt, dass es sein kann, dass wir abgestellt werden. Konny und ich haben auch klar gesagt, dass wir uns auf die Aufgabe freuen und da auch auf alle Fälle dabei sein wollen und dann nicht angefressen sein werden, dass wir gegen Dänemark nicht dabei sind und wieder in ein anderes Hotel reisen müssen.

LAOLA1: Welche Vorstellungen hat Teamchef Franco Foda denn bezüglich deiner Position gehabt? Wie sieht er dich und deine Zukunft?

Wöber: Er hat gemeint, dass ich wie etwa auch Xaver Schlager, Konrad Laimer oder Kevin Danso zu den Potenzialspielern gehöre, zur "Next Generation", die er langsam immer näher an das A-Team heranführen möchte. Der Teamchef hat uns verdeutlicht, dass wir das Rundherum kennenlernen, die ersten Einsätze sammeln und dann immer mehr zum Stamm dazugehören sollen. Und, dass er auf uns setzt und wir immer im Fokus sind, auch wenn wir mal „nur“ bei der U21 sind. Das ist für uns auch sehr positiv zu wissen, dass wir uns auch mit guten Leistungen bei der U21 wieder eine größere Chance erkämpfen können.

Ich glaube, dass sich jeder freut, wenn wir dabei sind. Jeder möchte unbedingt aufsteigen und weiß, dass jemand vom A-Team zusätzliche Qualität in die Mannschaft einbringt. Es gibt jetzt niemanden, der irgendwie angefressen ist, sondern das ist wirklich eine Einheit.

Wöber über Konkurrenzdenken A-Team/U21

LAOLA1: Bei dir war es ohnehin eine gute Mischung in letzter Zeit. Du warst öfters beim A-Team dabei, hattest drei Einsätze, hast aber von den letzten neun U21-Spielen fünf gespielt.

Wöber: Für mich hat das bisher ganz gut gepasst, dass ich einerseits beim A-Team mittrainieren, mich zeigen kann und für die Zukunft, und auch jetzt schon, eine Option bin. Andererseits kann ich in der U21 90 Minuten spielen und den Jungs helfen.

LAOLA1: Wie reagieren die U21-Kollegen, wenn dann von oben Spieler für die „wichtigen“ Spiele zur Unterstützung kommen? Ist das so eine eingeschworene Truppe, dass ihr da mit offenen Armen empfangen werdet? Schließlich werden einige dadurch auf die Bank müssen.

Wöber: Ich glaube, dass sich jeder freut, wenn wir dabei sind. Jeder möchte unbedingt aufsteigen und weiß, dass jemand vom A-Team zusätzliche Qualität in die Mannschaft einbringt. Es gibt jetzt niemanden, der irgendwie angefressen ist, sondern das ist wirklich eine Einheit. Bei uns geht es nur darum, dass wir uns jetzt qualifizieren. Und da machen alle mit, egal, ob sie wegen dieser Entscheidung dann auf der Bank sitzen. Die Stimmung ist extrem positiv. Da wird jeder die Mannschaft zu 100 Prozent unterstützen.

LAOLA1: Wie schnell kannst du dich den Gegebenheiten, den taktischen Vorgaben bei der U21 wieder anpassen? Wie groß ist die Umstellung? Franco Foda und Werner Gregoritsch sind doch sehr unterschiedliche Trainer.

Wöber: Es sind jetzt nicht zwei unterschiedliche Philosophien, aber man spielt verschiedene Systeme. Aber ich bin jetzt das dritte Jahr bei Gregoritsch dabei und weiß genau, was gefordert ist. Beim Verein spielt man sowieso ein anderes System, hat auch vielleicht eine andere Philosophie. Die Umstellung ist nicht so riesig, man weiß, was auf einen zukommt und was der jeweilige Trainer von einem fordert. Das Adaptieren ist nicht so schwierig.

LAOLA1: Fakt ist: Es geht für die U21 um sehr viel! Ein Sieg gegen Russland würde den Sprung ins Playoff bedeuten. Wie zuversichtlich bist du, dass das gelingt?

Wöber: Extrem! Wir haben unglaublich viel Qualität in der Mannschaft. Sicher sogar so viel Qualität, dass wir es nicht nur ins Playoff schaffen können sondern auch zur EM. Das heißt aber, dass wir das gegen Russland zeigen müssen. Wenn wir das auf den Platz kriegen, werden wir uns auch qualifizieren.

LAOLA1: Worauf wird es deiner Meinung nach ankommen? Wie sind die Russen verwundbar?

Wöber: Die Russen brauchen auch noch einen Sieg, damit sie unter die besten Gruppenzweiten kommen. Von dem her wird es auf alle Fälle ein harter Fight, bei dem man dagegenhalten muss. Das erste Tor könnte schon entscheidend sein. Die Russen haben auch den einen oder anderen Spieler vom A-Team runtergezogen und auch beim letzten Jahrgang hatten die Russen eine starke und fußballerisch gute Truppe. Ich glaube, dass es ein sehr offenes Spiel wird. Aber wir müssen einfach alles reinhauen, unser Spiel durchziehen und dann wird es mit einem positiven Ende für uns ausgehen.

LAOLA1: Die historische erste EURO-Teilnahme ist das erklärte Ziel. In den vergangenen Vorrunden wurde oft gemeint, mit dieser Mannschaft wird es der ÖFB endlich schaffen, es klappte jedoch nicht. Was spricht für dich dafür, dass ausgerechnet diese Auswahl erstmals zur EURO nach Italien fährt?

Wöber: Sehr viel, vor allem die individuelle Qualität. Wenn man sich anschaut, welche Spieler dabei sind – da sind fast alle Stammspieler in der österreichischen Bundesliga bzw. in Deutschland, in Holland oder bei anderen großen Teams untergebracht. Außerdem sind wir eine irrsinnig eingeschworene Partie - bei jedem Lehrgang, auch wenn wir einmal eine draufgekriegt haben, wie beim 0:5 gegen Dänemark, da haben wir dann 2:0 gegen Mazedonien gewonnen. Wir haben immer mit einem positiven Gefühl abgeschlossen, zusammen gefeiert und uns aus der Scheiße herausgekämpft. Es ist ein irrsinniger Teamspirit, es kämpft jeder für jeden, das sieht man auch in jedem Training, dass jeder unbedingt spielen will. Das war beim letzten Jahrgang genauso der Fall. Wenn man da die Leistungen im Playoff gegen Spanien gesehen hat, war es auch unglaublich. Wäre es nicht Spanien sondern irgendeine andere Mannschaft gewesen, dann hätten wir es wahrscheinlich schon vor zwei Jahren geschafft. Ich glaube auch, dass es der Verdienst des Teamchefs und des Betreuerstabs ist, dass sie immer gute Stimmung reinbringen und jeder Spieler eine Aufgabe bekommt und sich wertgeschätzt fühlt.

LAOLA1: Du hast angesprochen, dass für ihr Alter erfahrene Profis dabei sind, die entweder in Österreich oder im Ausland schon ihre Duftmarken hinterlassen haben. Herrscht dadurch eine ganz andere Selbstverständlichkeit vor so einem wichtigen Endspiel?

Wöber: Natürlich ist es ein Vorteil, wenn man schon Erfahrung in internationalen oder A-Team-Spielen hat. Aber solche Spiele sind immer etwas Besonderes. Es geht um alles und wir können den nächsten Schritt in die Geschichtsbücher machen, weil es unser großes Ziel ist, dass wir uns als erstes U21-Nationalteam für die EM qualifizieren. Deswegen wird es - egal, wie viel Erfahrung man hat oder bei welchem Verein man spielt – bei der Hymne ein Gänsehautmoment und jedem wird klar sein, worum es geht. Es geht nicht nur für uns um viel, sondern es wäre auch ein Zeichen für den österreichischen Fußball, um aufzuzeigen, dass wir Österreicher doch nicht solche Waschlappen sind, wie wir oft im internationalen Fußballgeschäft dargestellt werden. Wir haben super junge Talente, die auch wirklich den Sprung nach ganz oben schaffen und auch mit den großen Nationen mitspielen können.

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LAOLA1: Ein Gänsehautmoment war für dich sicher auch der Auftritt mit Ajax Amsterdam in der Champions League beim 1:1 in der Allianz-Arena bei Bayern München, wo du 90 Minuten gespielt hast. War das für dich das bisherige Highlight, gegen solche Kindheitsidole zu spielen? Es werden ja immer mehr von diesen Spielen kommen.

Wöber: Das war natürlich das größte Spiel in meiner bisherigen Karriere. Davon träumt man und bis jetzt hat man diese großen Spiele zwischen Bayern und Real Madrid nur im Fernsehen gesehen. Dann selber in der Allianz-Arena aufzulaufen vor so einer Kulisse in der Champions League, noch dazu mit so einem Ergebnis und so einer tollen Leistung, wo wir uns sogar den Sieg verdient hätten, war natürlich ein super Gefühl. Das war wirklich unglaublich.

LAOLA1: In diesem Top-Spiel hast du 90 Minuten gespielt, aber sonst hat sich jedoch vorerst nicht viel an deiner Situation bei Ajax geändert, oder siehst du das anders? Du bekommst zwar deine Einsätze, jedoch sporadisch, mit längeren Pausen dazwischen.

Wöber: Ich habe nach Bayern auch im Liga-Spiel von Anfang an gespielt und jetzt zwei Mal gezeigt, dass ich die Qualität habe, Stammspieler bei Ajax zu sein. Jetzt werden wir dann sehen, wie es nach meiner Rückkehr weitergeht. Ich habe lange warten und hart arbeiten müssen, dass ich jetzt wieder meine Einsätze kriege. Bei einem Verein wie Ajax geht es natürlich relativ schnell, da wird dann einfach mal viel Geld in die Hand genommen und dir ein Spieler vorgesetzt. Damit muss man umgehen können, daraus lernt man als junger Spieler. Aber ich glaube, ich habe es dem Trainer nicht so leicht gemacht, dass er mich am Sonntag gegen Heerenveen wieder auf die Bank setzt.

Ich glaube, das muss jeder junge Spieler einmal durchmachen – egal bei welchem Verein. Manche zerbrechen daran, weil es einen mental fertig macht und auch irgendwie das Privatleben beeinflusst. Und manche kommen gestärkt heraus und können dann auch den nächsten Schritt in der Entwicklung machen. Ich glaube, den habe ich jetzt geschafft.

Wöber über Rückschlage in der Karriere

LAOLA1: Du hast ja auch gewusst, worauf du dich bei Ajax einlässt. Macht es aber der Fakt, dass mit Matthijs de Ligt eines der größten niederländischen Talente gesetzt und Routinier Daley Blind zurückgekehrt ist, noch schwieriger?

Wöber: Ja, wenn in Österreich ein junges Talent gesetzt ist, dann ist es – außer vielleicht bei RB Salzburg – nicht möglich, dass man noch einmal einen Spieler um drei Mal so viel Geld verpflichtet. Bei einem internationalen Top-Verein ist das einfach das Tagesgeschäft. Es ist natürlich keine einfache Situation, aber wie man sieht, habe ich mich da jetzt einmal sehr stark rausgekämpft und auch einiges daraus mitgenommen.

LAOLA1: Wie wichtig sind trotzdem diese Erfahrungen und dieser Karriereschritt für deine Entwicklung? Kannst du das schon abschätzen? Die positiven Aspekte werden ja trotzdem noch überwiegen, auch wenn du gerne öfter spielen würdest.

Wöber: Auf alle Fälle. In der Zeit, wo man keine Einsätze hat, nur auf der Bank sitzt oder ein paar Mal eingewechselt wird, ist es natürlich scheiße. Ich war es zumindest bisher nicht so gewöhnt. Ich habe bei Rapid relativ schnell Fuß gefasst, habe auch bei Ajax am Anfang gleich alles gespielt. Jetzt war es das erste Mal, dass ich mich wirklich über einen längeren Zeitraum durchbeißen musste. Ich glaube, das muss jeder junge Spieler einmal durchmachen – egal bei welchem Verein. Manche zerbrechen daran, weil es einen mental fertig macht und auch irgendwie das Privatleben beeinflusst. Und manche kommen gestärkt heraus und können dann auch den nächsten Schritt in der Entwicklung machen. Ich glaube, den habe ich jetzt geschafft.

LAOLA1: Abschließende Frage: Stell dir vor, Österreich qualifiziert sich erstmals für die U21-EM. Wirst du alles daran setzen, dabei zu sein? Im Juni 2019 sollte es sonst zu keinen großen Termin-Kollisionen kommen.

Wöber: Also wenn wir es zur U21-EM schaffen, dann kann ich versichern, dass ich zu hundert Prozent auflaufen werde.

Textquelle: © LAOLA1.at

ÖFB-U21 vor Alles-oder-Nichts-Spiel gegen Russland

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