So setzte Koller ein Statement

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Kritik? Koller setzt mit Wales-Spiel Statement

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Noch vor fünf Monaten war Marcel Koller ein Gott in Österreich.

Dann kam die EURO, das verpatzte Startelf-Experiment gegen Island und ein enger Arbeitssieg in Georgien.

Aus dem unantastbaren Super-Teamchef wurde ein normalsterblicher Trainer, der sich nach langer Zeit wieder Kritik gefallen lassen musste.

Mit dem Spiel gegen Wales setzte der Schweizer jedoch ein kräftiges Statement. Taktisch stellte er sein Team ausgezeichnet auf den Gegner ein. Die Leistung der Österreicher erinnerte an die letzte Qualifikations-Runde, als Koller seinen Trainerkollegen oft einen Schritt voraus war.

Klein als Schlüsselspieler in Hälfte eins

Der Teamchef hatte sich einen klaren Plan zurechtgelegt, wie er den Walisern die Schneid abkaufen wollte. Bei eigenem Ballbesitz rückten Marko Arnautovic und Marcel Sabitzer weit auf. Sie standen auf einer Linie mit Stürmer Marc Janko.

Dafür gab es zwei Gründe. Erstens wurden die walisischen Außenverteidiger der Fünferkette damit automatisch nach hinten gedrängt, wodurch sich für Österreich hinter Arnautovic und Sabitzer viel Platz ergab.

Diesen nutzte Florian Klein in der ersten Hälfte für gefährliche Vorstöße. Da sich kein Gegenspieler für ihn zuständig fühlte, konnte der Stuttgart-Legionär zwei Mal bis in den Strafraum ziehen. Unter anderem entstand dadurch eine gute Chance kurz vor der Pause, als eine Klein-Hereingabe gefährlich abgefälscht wurde.

Der Spielzug vor dem Tor war geplant

Mit einem offensiveren Linksverteidiger hätte derselbe Spielzug auch über die Gegenseite funktionieren können, doch Koller hatte sowieso noch eine andere, gezielte Angriffsvariante in petto – der zweite Grund für die hoch stehenden Flügelspieler.

Julian Baumgartlinger und David Alaba hielten sich mit Vorstößen zurück. Die Aufgabe der beiden war es, auf andere Art für Gefahr zu sorgen.

Koller wollte mit hohen Bällen hinter die Abwehr kommen. Deswegen starteten Arnautovic und Sabitzer in vorderster Front immer wieder Diagonalläufe zur Mitte. Einer davon führte sogar zum 1:1-Ausgleich, wie ihr im Video seht.

 

Das folgende Bild zeigt die Situation unmittelbar vor Alabas Torvorlage auf Arnautovic. Hier ist gut zu sehen, wie Österreich mit vier Spielern in vorderster Linie die Waliser Fünferkette nach hinten drängt.

Dadurch ergeben sich Räume (rot markiert) für Alaba und die Außenverteidiger.

Eindeutig negativ an diesem Bildausschnitt: die Position von Kevin Wimmer (gelb) – der Tottenham-Profi könnte den Raum vor ihm noch viel besser nützen. Das sprach Koller nach dem Spiel auch an, wie hier zu lesen ist.

Was hinter Wimmers Nominierung steckte

Die Startelf-Nominierung des Oberösterreichers sorgte für viele Diskussionen. Koller wollte damit vermutlich einerseits auf die walisische Stärke bei Standardsituationen reagieren. Daneben sollte Wimmer auch die Kreise von Gareth Bale stören.

Zu Beginn des Spiels bewegte sich der Real-Star immer wieder auf die linke Seite der Österreicher zu, wo Wimmer sich defensiv jedoch nichts zu Schulden kommen ließ. Generell hatte das ÖFB-Team den walisischen Freigeist – mit Ausnahme seiner gefährlichen Einwürfe – gut im Griff.

Dafür sorgte Kollers Defensiv-Konzept. Endlich bekam seine Elf das Problem mit den großen Abständen zwischen den Mannschaftsteilen, das die letzten Länderspiele prägte, in den Griff.

Allen wurde aus dem Spiel genommen

Die beiden Viererketten standen kompakt, womit Bale im Zwischenlinienraum kaum Platz hatte, sich zu entfalten.

Davor verzichteten Zlatko Junuzovic und Marc Janko auf großes Forechecking. Stattdessen konzentrierten sie sich darauf, die Kreise von Joe Allen zu stören. Der große Taktgeber der Waliser wurde somit aus dem Spiel genommen.

Infolgedessen ließ das ÖFB-Team aus dem Spiel heraus kaum Chancen für die Gäste zu. Zudem führte das Pressing, dessen Schlagzahl nach der Pause erhöht wurde, sogar zum eigenen Torerfolg.

Es war kein Zufall, dass ausgerechnet Allen den Fehlpass auf Arnautovic vor dessen zweiten Treffer spielte. Schließlich nahm die ÖFB-Elf den ehemaligen Liverpool-Profi schon die erste Hälfte über immer ins Zielkreuz.

Die Video-Highlights des Spiels:

 

Schwäche bei Standards

Wales reagierte auf die spielerische Dominanz der Österreicher mit einer Systemumstellung in der zweiten Hälfe. Die Fünferkette wurde aufgelöst, stattdessen machten die Briten mit einem 4-4-2-System die Räume dicht.

Damit hatte Österreich an den nun auch von Wales doppelt besetzten Seiten zwar weniger Platz zur Verfügung, der spielerischen Dominanz tat dies aber keinen Abbruch.

Einen Vorwurf muss sich die ÖFB-Elf dennoch gefallen lassen. Bei Standardsituationen wirkte sie stets verwundbar. Vor allem die langen Einwürfe von Bale bekam man nicht in den Griff. Daran muss Koller im Training arbeiten.

Wer braucht einen Plan B?

Letztlich kann der Teamchef auf ein gelungenes Spiel gegen den Gruppenfavoriten zurückblicken. Ein Blick auf die Statistik (15:7 Torschüsse) verrät, dass seine Mannschaft eigentlich einen Sieg hätte einfahren müssen.

Koller selbst setzte damit indirekt ein Statement an seine Kritiker. Den von Ralph Hasenhüttl geforderten „Plan B“ hatte er zwar nicht parat, aber dem Schweizer ist es erneut gelungen, seinen Plan A so an den Gegner anzupassen, dass Österreich taktisch im Vorteil war.

Die erste Bewährungsprobe ist bestanden, nun wartet mit der Auswärtspartie in Serbien aber das nächste wichtige Spiel.

 

Jakob Faber

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Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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