Wer soll ins Tor: Bachmann, Pervan oder Schlager?

 

Im Endeffekt muss es der Teamchef entscheiden.

Diese Floskel war beim ÖFB-Medientermin am Montag häufig in diversen Variationen zu hören, und das wenig überraschend. Schließlich waren mit Daniel Bachmann, Pavao Pervan und Alexander Schlager die drei für die EM nominierten Torhüter zu Gast.

Wen Franco Foda bei der EURO zur Nummer eins kürt, ist nach wie vor offen.

"Bis jetzt zeichnet sich meiner Meinung nach noch gar nichts ab. Ich glaube, dass wir alle sehr gute Karten haben. Wenn man mich nach meiner ehrlichen Meinung fragt, denke ich, dass man bei keinem von uns drei einen Fehler machen würde", versichert Pervan.

Das Trio absolviert diesen öffentlichen Auftritt respektvoll und verzichtet auf allzu offensichtliche Kampfansagen. Dass alle drei aber natürlich versuchen, zumindest zwischen den Zeilen Eigenwerbung zu betreiben, liegt auf der Hand.

Wie Bachmann, Pervan und Schlager - in alphabetischer Reihenfolge - ihre Ausgangsposition im Kampf um das Einser-Leiberl einordnen:

DANIEL BACHMANN (FC WATFORD):

Foto: © getty

"Selbstvertrauen spielt bei einem Tormann eine große Rolle, das habe ich auch jeden Fall", sagt Bachmann.

Nach diesem Frühjahr ist die Brust auch völlig zurecht denkbar breit. Im Jänner eroberte er beim FC Watford das Stammleiberl und hat mit starken Leistungen seinen fairen Anteil am Aufstieg in die Premier League. In 23 Liga-Matches spielte er 13 Mal zu Null.

"Die letzten Monate hätten für mich persönlich auf Vereinsebene nicht besser laufen können mit dem Aufstieg in die Premier League und meinen persönlichen Leistungen. Zur EURO zu fahren, ist das i-Tüpfelchen einer unglaublichen Saison", jubelt der 26-Jährige.

Dass dieses i-Tüpfelchen die ersten Einsätze im Nationalteam und somit den Nummer-eins-Job bei der EURO beinhalten soll, liegt auf der Hand. Im März war Bachmann erstmals in der Amtszeit von Foda nominiert, im Kalenderjahr 2017 war er unter Marcel Koller schon einige Lehrgänge lang ÖFB-Stammgast.

"Werbung für mich selbst brauche ich nicht zu machen. Ich habe eine gute Saison gespielt, bin in die Premier League aufgestiegen - mehr brauche ich mit Worten nicht wirklich zu sagen. Ich habe meine Visitenkarte abgegeben, im Endefekt wird der Trainer entscheiden", so der Wiener, der eigentlich nicht näher auf seine Stärken und Schwächen eingehen möchte.

Aber dass er in Sachen Strafraumbeherrschung Vorzüge hat, würde sich alleine schon aufgrund seiner Wahlheimat ergeben:

"Das Spiel in der Luft kommt in England von selbst. Ich spiele seit zehn Jahren in England, habe auch in unteren Ligen und in Schottland gespielt, wo es noch extremer ist. Das ist sicher etwas, wo ich aufgrund des Landes, in dem ich spiele, ein bisschen einen Vorteil habe."

Apropos England, da war doch noch etwas. Setzt Foda auf ihn, könnte Bachmanns Debüt am Mittwoch ausgerechnet in England über die Bühne gehen.

Dies wäre logischerweise extrem emotional: "Für mich persönlich wäre es aufgrund meiner Geschichte natürlich überragend, mein Debüt für Österreich in England zu feiern. Ich bin jetzt doch schon lange in England, meine Frau ist Engländerin, meine Kinder sind dort geboren. Im Endeffekt ist es natürlich ein Vorbereitungsspiel auf die EURO wie jedes andere auch, nur ist es halt in England."

Bekommt Bachmann den Zuschlag, wäre es ein Happy End nach einigen schwierigen Jahren. Denn gerade bei Watford musste der Keeper jede Menge Geduld beweisen, bis er endlich zur Nummer eins aufgestiegen ist.

In Sachen EURO wäre es jedenfalls eine Punktlandung: "Klar, wenn die EM wie geplant 2020 stattgefunden hätte, hätte ich natürlich keine Chance gehabt, weil ich in der Saison zwei oder drei Spiele absolviert habe. Mir persönlich hat es geholfen, dass die EM verschoben wurde und ich so noch auf den Zug aufspringen konnte. Jetzt bin ich dabei und will natürlich auch spielen, ganz klar."

PAVAO PERVAN (VFL WOLFSBURG):

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Mit jeder Menge Spielpraxis im Verein kann Pavao Pervan nicht punkten, dafür aber mit guten Leistungen im vergangenen Länderspiel-Herbst. Damals bekam er sechs Länderspiele in Folge die Gelegenheit zu spielen - fünf davon wurden gewonnen, dazu kommt das Remis gegen Norwegen.

"Ich bin natürlich froh, dass es gut gelaufen ist, denn wenn die Resultate passen, wirkt alles noch einmal besser. Auch mit meiner persönlichen Leistung war ich größtenteils zufrieden. Natürlich gibt es immer wieder Sachen, die man besser machen möchte, die analysiert man dann mit Robert Almer oder dem Tormann-Trainer im Verein", erläutert Pervan und mutmaßt:

"Ich glaube schon, dass ich aufgrund dieser sechs Spiele ein besseres Standing im Nationalteam habe als vielleicht davor, als ich noch nicht so viele Spiele hatte."

Ob er damals damit gerechnet habe, dass er aufgrund dieser sechs Länderspiele in Folge in der Pole-Position im Hinblick auf die EURO stehen würde?

"Nein, das habe ich nicht, weil ich natürlich gewusst habe - und so ehrlich muss ich schon zu mir sein -, warum ich zum Spielen gekommen bin. Alex Schager und Cican Stankovic sind damals gleichzeitig ausgefallen. Daher wusste ich natürlich, dass ich die beiden nicht mit Leistungen, sondern krankheitsbedingt verdrängt habe. Aber ich habe natürlich versucht, mich mit bestmöglichen Leistungen noch besser zu positionieren, um beim Großereignis dabei sein zu dürfen, was für jeden Sportler eine außergewöhnliche Geschichte ist."

Mit 33 Jahren ist Pervan der Senior im ÖFB-Goalie-Trio. Auch er vermeidet es bewusst, verbale Eigenwerbung zu betreiben: "Ich bin generell nicht der Typ, der mit großen Worten um sich wirft und sich selber lobt. Ich möchte am Platz zeigen, warum ich womöglich die richtige Wahl bin. Ich versuche im Training aufzuzeigen. Den Rest muss der Teamchef entscheiden."

Beim VfL Wolfsburg hat sich der frühere LASK-Goalie in den vergangenen drei Jahren den Ruf als verlässlicher Backup für Koen Casteels erarbeitet. Dass er in Sachen Spielpraxis nicht viele Argumente auf seiner Seite hat, weiß der Wiener.

"Klar würde ich beim Klub lieber spielen, das brauche ich nicht totzuschweigen", gibt Pervan zu, relativiert diese Thematik jedoch zeitgleich:

"Wenn man sich genauer mit mir beschäftigt, sieht man: Ich bin seit drei Jahren in Wolfsburg und durfte in der Zeit 27 Pflichtspiele machen. Zählt man meine sieben Länderspiele dazu, kommt man auf 34 Spiele - und das ist wie eine Bundesliga-Saison. Es ist also nicht so, dass ich drei Jahre lang nur auf der Bank gesessen bin. Nichtsdestotrotz muss ich natürlich sagen, dass es für mich viel besser wäre, wenn ich das ganze Jahr über jede Woche spielen würde."

Man kann aus vielen Umständen etwas Positives ziehen, auch aus diesem. Für Pervan spielt es nämlich nicht die große Rolle, ob er ein paar Tage früher oder später den Zuschlag erhalten würde. Schließlich ist er darauf gedrillt, von einem Moment auf den anderen ready zu sein:

"Vielleicht habe ich den kleinen Vorteil, dass ich bei meinem Klub weiß, dass ich nicht als Nummer eins in die Saison gehe, aber immer abrufbereit sein muss. Aus diesem Grund habe ich möglicherweise gelernt, ein wenig entspannter mit der Situation umzugehen."

Wie sich Pervan generell nicht stressen lassen möchte: "Ich verspüre nicht den großen Druck. Es ist eher eine Vorfreude darauf, was ich alles erreichen könnte. Bei mir geht nicht die Welt unter, wenn ich nicht spiele. Aber ich möchte es natürlich unbedingt. Jeder, der mich kennt, weiß, wie ehrgeizig ich bin. Aber ich versuche, mich dadurch nicht aus der Bahn werfen zu lassen, sondern konzentriere mich auf das, was ich beeinflussen kann."

Und das sind gute Leistungen im Training: "Ich möchte nicht spielen, weil die anderen im Training so schlecht sind, sondern ich möchte spielen, weil ich im Training gute Leistungen bringe und diese hoffentlich auf das Spiel übertragen kann."

ALEXANDER SCHLAGER (LASK):

Foto: © GEPA

Foda schenkte Alexander Schlager in allen drei März-Länderspielen das Vertrauen. Dieser konnte selbiges speziell gegen Dänemark nicht wie gewünscht zurückzahlen.

Wohl auch deswegen ist der Kampf um die Nummer eins überhaupt noch offen. Sonst hätte der LASK-Keeper diese Rolle vermutlich schon gesichert.

Ob es schnell gelungen sei, das Dänemark-Spiel abzuhaken, oder ob dies länger in den Knochen gesteckt sei?

"Dass der letzte Lehrgang nicht besonders erfolgreich war, wissen wir und haben wir gut analysiert. Wenn das Spiel vorbei ist, kommst du zurück zum Klub und es geht gleich weiter in der Liga. Man hat eigentlich gar nicht so viel Zeit, darüber nachzudenken. Natürlich wäre es mir auch lieber gewesen, es wäre positiv gelaufen und hätte super gepasst. Aber das war eben nicht der Fall."

Beim 25-Jährigen ist es lange Zeit steil bergauf gegangen, nachdem er in Linz die Nummer eins wurde. In diesem Frühjahr schlichen sich jedoch auch beim Verein weniger gute Leistungen ein.

"Die letzten Jahre waren auf Klubebene sehr erfolgreich. Wir haben beim LASK sehr erfolgreichen Fußball gespielt und in Österreich viele Sympathiepunkte sammeln können. Dass das beflügelt und man weniger Kritik einstecken muss, ist logisch. Ich war mir aber immer dessen bewusst, dass es solche und solche Phasen geben wird", erklärt Schlager.

Das Um und Auf sei, auch in einer schwierigen Phase positiv zu bleiben: "Das Wichtigste ist immer, wie man mit solchen Phasen umgeht. Man muss auf seinem Weg bleiben. Ich würde auch nicht sagen, dass meine Saison komplett verkorkst war. Natürlich erwartet man sich immer mehr, aber das ist ganz normal im Profi-Fußball oder generell bei einem Tormann."

Ob er im Nationalteam mehr Druck als im Verein verspüre?

"Natürlich ist es etwas Besonderes, und ich bin mir dessen bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist, für sein Land spielen zu dürfen, aber letztendlich geht es darum, die bestmögliche Leistung abzurufen - und das ist im Verein oder beim Nationalteam der gleiche Ansatz für mich."

Auch im Hinblick auf die EM ortet Schlager einen positiven Druck. Der Konkurrenzkampf mit Bachmann und Pervan sei ein sehr konstruktiver:

"Wir unterstützen uns. Was das Tormanntraining betrifft, sind wir auch zu einem gewissen Teil voneinander abhängig. Wir sind alle drei gute Typen, kommen gut miteinander aus. Momentan gibt es auch keine Pole-Position oder zweiten oder dritten Platz, sondern jeder haut sich rein. Dann werden wir sehen, wie der Teamchef entscheidet."

Dass diese Entscheidung verhältnismäßig kurzfristig vor dem Turnier fällt, sei für Schlager kein großes Problem:

"Vom Gefühl her ist es prinzipiell immer angenehmer, wenn man es früh weiß. Die Gegebenheiten sind aber so, dass wir in den letzten ein, zwei Jahren gemerkt haben, dass das Rennen relativ eng ist. Letztendlich gewöhnt man sich dran, wenn man es erst relativ kurz vor dem Spiel erfährt."

EURO 2020 - Spielplan der Gruppe C mit Österreich>>>


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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