Teamchef Foda: "Waren zwischen Himmel und Hölle"

Teamchef Foda: Foto: © getty
 

Genau 30 Tage sind seit dem bitteren EURO-Aus des ÖFB-Teams gegen Italien im Achtelfinale mittlerweile vergangen.

Zeit genug für Teamchef Franco Foda, um das erfolgreichste österreichische EM-Turnier aller Zeiten Revue passieren zu lassen.

"Das Spiel gegen Nordmazedonien war der Dosenöffner für die gesamte EM. Das hat die Mannschaft gebraucht, um Euphorie im gesamten Land entstehen zu lassen. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir auch gegen Italien die Chance haben, zu bestehen. Wir haben bereits mit dem Achtelfinale Geschichte geschrieben und hätten das erneut tun können", so der Deutsche in der Sendung "Talk und Tore" auf "Sky".

"Waren im Himmel und kurz darauf in der Hölle"

Das Aus gegen den späteren Europameister Italien war vor allem "enttäuschend, weil das Ziel Viertelfinale wäre möglich gewesen. Wir hatten Phasen in unserem Spiel, in denen wir Italien an den Rand der Niederlage gebracht haben. Speziell in der zweiten Halbzeit, aber auch in der Verlängerung. Kleine Details haben schlussendlich entschieden. Wir waren beim Gegentor einmal unaufmerksam und haben dann den zweiten Treffer erhalten. Trotz allem hat die Mannschaft bis zum Schluss an sich geglaubt und das Spiel fast noch gedreht."

Ein Treffer von Marko Arnautovic im zweiten Durchgang der Partie im Wembley brachte Österreich ganz nahe Richtung Viertelfinale. Am Ende waren es wenige Zentimeter und der Videobeweis, der etwas gegen den rot-weiß-roten Führungstreffer hatte. Hin und wieder träume Foda zwar noch, dass der VAR bei der EM noch nicht eingeführt worden sei. Insgesamt steht der 55-Jährige dem Videobeweis aber positiv gegenüber:

"Man muss Geduld mit dem VAR haben. Die Kommunikation benötigt Zeit. Der Fußball wird trotz allem dadurch gerechter. Aber man muss dafür sorgen, dass die Entscheidungen schneller getroffen werden, damit die Emotionen nicht verloren gehen. Wir waren gegen Italien im Himmel und kurz darauf in der Hölle. Ich würde mir in der Zukunft schnellere und klarere Entscheidungen wünschen."

Foda kann mit Kritik von außen umgehen

Nach dem Achtelfinal-Aus platzte es aus Foda heraus, dass die Kritiker an seiner Person nun mal einige Wochen Pause hätten. "Das war in diesem Moment meine ehrliche Meinung. Ich bin lange genug in Österreich, ich kann vieles gut einordnen. Es gibt oft nur schwarz oder weiß, mir fehlt der Mittelweg", sagt der gebürtige Mainzer mit einem Monat Abstand zu dieser Aussage.

Grundsätzlich könne er mit Kritik, von der es nach dem verpatzten Auftakt in die WM-Quali und vor der EM nach spielerisch dürftigen Leistungen genug gab, gut leben, so Foda:

"Kritik gehört zum Trainerbusiness dazu. Bei jedem Trainer gibt es Höhen und Tiefen. Man muss mit Kritik umgehen können. Es ist wichtig, in schwierigen Situationen die Ruhe zu bewahren und Dinge sachlich und nüchtern zu analysieren und wenn etwas nicht funktioniert, Maßnahmen zu treffen. Gleichzeitig muss man immer einen Plan verfolgen und sich nicht vom Umfeld beeinflussen lassen."

Der ehemalige Defensivspieler fügt an: "Natürlich waren wir nach dem Auftakt in die WM-Quali im März alle unzufrieden, die Stimmung war nicht gut. Aber das war ein richtig schwieriger Lehrgang. Wir wussten bis Samstag aufgrund der Coronaverordnungen in Schottland nicht, wer am Montag dabei ist. Wir mussten 40 Spieler nominieren, um planen zu können. Darüberhinaus haben mit Hinteregger, Baumgartlinger, Laimer, Arnautovic und gegen Dänemark außerdem noch Grillitsch und Lienhart wichtige Spieler gefehlt."

"Diese Themen sind einfach haltlos!"

Zeitweise soll die Stimmung im ÖFB-Team so schlecht gewesen sein, dass Ex-Nationalstürmer Marc Janko vor der EM befürchtete, die Mannschaft könnte explodieren.

"Du darfst nicht alles auf die Goldwaage legen und dir zu Herzen nehmen. Wir diskutieren intern, haben eine gute Selbstreflexion und haben dann die richtigen Maßnahmen getroffen. Das von Janko habe ich nur am Rande mitbekommen. Er war ein sehr guter Spieler und ist jetzt auch ein guter Experte, aber er kann das nicht beurteilen. Er war noch nie Trainer. Wir leben in einer Demokratie, jeder darf sich äußern, aber er hat keine Hintergrundinfos, weil er nicht dabei war", sagt Foda zu diesem Thema.

Fodas Wunsch nach dem Verstimmen der Kritik von außen nach der EURO wurde freilich nicht nachgekommen. Nur wenige Tage nach dem EURO-Aus erschien im "Profil" ein Bericht, wonach es im ÖFB-Team beinahe zu einer Spielerrevolte gekommen sei, einige Spieler Druck auf die ÖFB-Führungsriege ausgeübt hätten und Foda schlussendlich zu einer "Marionette der Spieler" verkommen sei.

"Es war so weit, dass die Spieler aufgestellt haben und irgendwann macht es dann der Präsident", reagiert Foda auf diese Gerüchte sarkastisch. Er findet: "Diese Themen sind einfach haltlos. Jeder Trainer tauscht sich mit seinen Führungsspielern aus, aber schlussendlich gebe nur ich den Spielplan vor." Das "Profil" läse er "eher weniger oder fast gar nicht".

(Text wird unter dem VIDEO fortgesetzt)

Glaube an erfolgreiche WM-Quali bleibt

Nach der EURO ist nun vor der WM - und Österreichs Chancen stehen gar nicht mal so gut, sich dafür im ersten Anlauf zu qualifizieren. "Wir sind leider Gottes nicht so gut in die WM-Quali gestartet, dennoch bleibt der Glaube, dass wir uns qualifizieren können. Der erste Platz wird schwierig, selbst wenn wir alle restlichen Spiele gewinnen. Wir müssen in erster Linie schauen, dass wir den zweiten Platz fixieren. Dann haben wir im Playoff alle Möglichkeiten, uns zu qualifizieren. Außerdem gibt es noch die Option über die Nations League", sagt Foda.

Nachdem der Deutsche nach dem März-Lehrgang durchaus als angezählt galt, sitzt er nach der EURO wieder fest im Sattel. Zumindest bis nach Ende der WM-Quali wird das wohl auch so bleiben. Dannach wird auch der Vertrag Fodas auslaufen, sich allerdings automatisch verlängern, wenn das Playoff und anschließend die WM in Katar erreicht wird.

Foda bei der EURO im Schaufenster?

Ob er, der immerhin laut Punkteschnitt erfolgreichste ÖFB-Teamchef aller Zeiten, mit einem Angebot zur vorzeitigen Verlängerung seines Arbeitspapiers spekuliere? "Ich bin da relativ entspannt. Das war ich auch nach der Niederlage gegen Dänemark. Wir sind überzeugt davon, was wir tun. Im Endeffekt muss aber auch der ÖFB von meiner Arbeit überzeugt sein, dann wird er auch auf mich zukommen", so Foda.

Grundsätzlich gilt: "Ich bin bereit, auch länger der Trainer des ÖFB zu sein. Aber wir wissen wie schnelllebig der Trainerberuf ist, ich kann nicht so weit in die Zukunft blicken. Ich hätte vor ein paar Jahren auch nie gedacht, dass ich mal ÖFB-Teamchef bin."

Eine Rückkehr in den Klubfußball, etwa in seine deutsche Heimat, schließt Foda nicht aus: "Ich versuche immer, meine Verträge zu erfüllen. Darüber hinaus wird man sehen, was die Zukunft bringt. Die EM war nicht nur für die Spieler eine Möglichkeit zu präsentieren, sondern auch für den Trainer."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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