ÖFB-Personalpoker vor Wales: Erneutes Verwirrspiel

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Rückblende zum letzten WM-Qualifikations-Spiel des ÖFB-Teams in Irland.

Damals trieben die ÖFB-Verantwortlichen das Verwirrspiel bezüglich System auf die Spitze, indem sie nach der Bekanntgabe der Aufstellung sowohl eine Variante mit Dreier- als auch mit Viererkette offiziell aufzeichneten.

Das Ziel: Die Iren solten bis zum Spielbeginn rätseln müssen, mit welcher Vorgabe Österreich ins Spiel geht - letztlich wurde es eine Viererkette mit dem standardmäßigen Innenverteidiger Martin Hinteregger als Linksverteidiger.

Ein ähnliches Verwirrspiel könnte es auch vor dem so wichtigen Gastspiel in Wales (Samstag, 20:45 Uhr im LIVE-Ticker) geben.

Rätselraten

Teamchef Marcel Koller ließ sich im Verlauf der Vorbereitungs-Woche naturgemäß nicht in die Karten blicken, welchen Schlachtplan er für den Showdown in Cardiff ausgeheckt hat.

Möglicherweise wird die Öffentlichkeit nach der Bekanntgabe der Startelf schlauer sein. Nicht auszuschließen jedoch, dass man wieder bis zum Spielbeginn warten wird müssen, um endgültige Gewissheit zu haben.

Denn wie die beiden Grafiken belegen, lassen sich die elf wahrscheinlichsten Namen für die Startelf ohne allzu viel Fantasie sowohl in einem 3-4-3, als auch im gewohnten 4-2-3-1-System anordnen - zumindest sofern alle Stammkräfte fit sind (Koller deutete bei der Abschluss-PK zwei Spieler mit Muskelproblemen an, beim Abschlusstraining waren jedoch alle Kadermitglieder an Bord).

Während in Dublin letztlich einiges für eine Viererkette mit Hinteregger als Aushilfe auf der Problem-Position Linksverteidiger gesprochen hat, könnte diesmal durchaus die Dreierkette die favorisierte Lösung sein - auch wenn der Augsburg-Legionär seine Aufgabe in Irland brav gelöst hat.

Einige Details und Beobachtungen, die für eine Dreierabwehr sprechen:

  • Koller sprach bei der Kaderbekanntgabe von einer Idee, die er im Laufe der Trainingswoche einüben wolle. Wenn dies nicht klappen würde, könne man immer noch zum Altbewährten zurückkehren - das Altbewährte ist das 4-2-3-1.

  • Anders als beim Irland-Spiel, wo pro forma zumindest Stefan Stangl mit dabei war, verzichtete Koller diesmal komplett auf die Nominierung eines etatmäßigen Linksverteidigers (natürlich immer mit dem Hinweis versehen: Sofern man Weltklasse-Linksverteidiger David Alaba im Nationalteam nicht als solchen betrachtet). So gesehen ist Hinteregger der einzige Linksverteidiger im Kader, und der ist kein echter. Das eine oder andere Kadermitglied wie Stefan Lainer, Moritz Bauer oder Maximilian Wöber hat ein wenig Erfahrung auf dieser Position, aber es ist zumindest untypisch für Koller, keine Absicherung im Aufgebot zu haben.

  • Für Guido Burgstaller wurde mit Stefan Hierländer ein Akteur nachnominiert, der derzeit beim SK Sturm Graz in einem System mit Dreierkette reüssiert und rechts beide Positionen bekleiden kann. Wobei dies natürlich in erster Linie die Reaktion darauf ist, dass Koller Marcel Sabitzer oder Martin Harnik ins Angriffszentrum ziehen dürfte und somit der Backup-Job rechts neu zu besetzen war.

  • Mit Zlatko Junuzovic fehlt der etatmäßige Zehner im 4-2-3-1-System, mit Alessandro Schöpf weiterhin auch sein Stellvertreter. Natürlich gibt es denkbare Optionen - so bekleidet etwa Michael Gregoritsch diese Rolle in Augsburg. Aber ob Koller in solch einem Showdown eine ungeprüfte Variante wagt? Vom zu erwartenden Personal wäre Alaba die wahrscheinlichste Option, wenngleich der Bayern-Star im ÖFB-Team als Zehner bisweilen keine glückliche Figur abgeliefert hat - man denke an die EURO.

  • Alaba ist jedoch ein gutes Stichwort: Marko Arnautovic ist nach seiner Sperre zurück. Würde Koller den Bayern-Star wie gegen Moldawien in einem 3-4-3 nach links ziehen, könnten Alaba und Arnautovic auf der linken Seite doppeln und gemeinsam für Druck sorgen. Durchs Zentrum könnte es gegen die zu erwartetende Dreier-Abwehr der Waliser ohnehin schwierig werden.

  • Zu guter Letzt agiert Wales zu Hause gerne mit zwei Stürmern. Österreich darf keinesfalls verlieren, dafür schadet eine kompakte Defensive keinesfalls - vor allem wenn es gegen robuste Stürmer wie Sam Vokes oder Hal Robson-Kanu plus einem Weltstar wie Gareth Bale geht.

Auf verschiedene Szenarien eingestellt

Man sollte jedoch nicht verschweigen, dass die ÖFB-Elf im gewohnten 4-2-3-1 tendenziell sattelfester ist. Wie die Dreierkette bei der EURO gegen Island funktionierte, ist in schlechter Erinnerung. Gegen Moldawien brauchte man Anlaufzeit. Und beim Test gegen Finnland klappte es (allerdings ohne Arnautovic) gar nicht, sodass in der Halbzeit der Switch zurück zur Viererabwehr erfolgen musste.

Verkompliziert wird die Angelegenheit durch den Umstand, dass man nur raten kann, wie Wales diese Partie anlegen wird. "Wir stellen uns auf verschiedene Szenarien ein. Sie werden auf jeden fall einen Matchplan haben und den werden wir spätestens nach ein paar Minuten wissen", betont Stefan Ilsanker, dass Flexibilität gefordert sein könnte.

Der Leipzig-Legionär ist übrigens ein weiteres Argument dafür, Alaba nach links (oder auf die Zehner-Position) zu ziehen. Die Hereinnahme eines kopfballstarken "Kampfschweins" wie Ilsanker wäre gerade gegen die Standards von Wales tendenziell kein Fehler.

Die Personalien

Womit wir bei den (offenen) Personalien sind. Heinz Lindner ist derzeit im Tor ebenso gesetzt wie in der Abwehr Aleksandar Dragovic, Sebastian Prödl und Martin Hinteregger - in welcher Anordnung auch immer. Sollte einer aus diesem Trio die Bank drücken, wäre Koller eine große Überraschung gelungen. Selbiges gilt für Alaba, Arnautovic und Kapitän Julian Baumgartlinger. Eine Nominierung Ilsankers wäre wie beschrieben ebenfalls alles andere als eine Sensation.

Die offenen Fragen: Wer ersetzt Burgstaller als Solo-Spitze? Marc Janko ist immer ein Kandidat, seine aktuelle Verfassung jedoch ein Fragezeichen. Gut vorstellbar ist, dass Koller Martin Harnik oder Marcel Sabitzer in die Mitte zieht und den anderen am rechten Flügel nominiert. Harnik ist in Form und Sabitzer war zuletzt beim Teamchef, wenn nicht gerade verletzt, auf der rechten Seite gesetzt.

Bleibt die defensivere Rolle auf der rechten Seite. Favorit ist Stefan Lainer, der sich bei seinem Startelf-Debüt in Dublin gut verkauft hat. Koller denkt oftmals in Hackordnungen und in dieser dürfte der Salzburg-Kicker die Nase vorne haben. Die große Unbekannte ist sein Herausforderer Moritz Bauer. Sollte der "Schweizer" Debütant seinen Landsmann im Training überzeugt haben, ist eine Überraschung nicht gänzlich auszuschließen.

Das Gute ist: Ob System oder Personalien - es darf wieder bis zuletzt gerätselt werden. Erwartbare Elf oder hat Koller eine große Überraschung ausgeheckt? Der Personalpoker bleibt bis zum Schluss spannend.




Textquelle: © LAOLA1.at

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