Windtner: "Wir haben noch Luft nach oben"

Windtner: Foto: © GEPA
 

Das Ziel war sehr klar formuliert.

Freude und Erleichterung, dieses mit dem erstmaligen Achtelfinal-Einzug bei einer Fußball-EM erreicht zu haben, waren ÖFB-Präsident Leo Windtner am Dienstag nach der Rückkehr aus Bukarest vom 1:0 gegen die Ukraine anzumerken.

Im Interview mit der APA sprach der 70-jährige Oberösterreicher über die Rolle von Teamchef Franco Foda bei der jüngsten Trendwende und mögliche Außenseiterchancen im Achtelfinale gegen Italien.

(Artikel wird unter dem Video fortgesetzt)

Frage: Lassen Sie uns an Ihrer Gefühlswelt teilhaben: Welche Bedeutung hat dieser Erfolg für den ÖFB?

Leo Windtner: Es ist wirklich ein historischer Meilenstein. Wir haben damit auch ein neues Kapitel aufgeschlagen für den österreichischen Fußball, nachdem die Erfolgskapitel ja schon relativ weit zurück liegen. Wir haben uns das Ziel ganz klar gesetzt - und wir haben es mit unbändigem Willen und einem wirklich starken Kollektiv geschafft, umzusetzen. Wir haben nie einen Zweifel aufkommen lassen, dass wir die Ziellinie überschreiten wollen - mit vereinten Kräften. Dieser kollektive Wille, dieser unbändige, hat sich durch das gesamte Teamcamp bisher durchgezogen.

Frage: Wie bewerten Sie die sportliche Leistung, die das Team gegen die Ukraine gezeigt hat?

Windtner: Die sportliche Leistung war eine gute - wahrscheinlich die beste bisher bei dieser EURO. Wir hätten es uns leichter machen können, wenn vor der Pause das 2:0 gelungen wäre. So haben wir bis zur 93. Minute stark dagegenhalten müssen. Aber ich kann der Mannschaft nur gratulieren - auch der gesamten Gruppe inklusive dem Staff.

"Hier ist ein Zusammenhalt und ein Teamspirit spürbar, wie wir ihn selten gehabt haben"

Frage: Am Samstag wartet Italien. Wie schätzen Sie seriöserweise die Chancen ein?

Windtner: Die Statistik sagt alles. Italien hat derzeit eine sensationelle Bilanz. Wir sind hier in der Außenseiterrolle, aber wir werden diese Außenseiterrolle gerne annehmen und alles tun, um vielleicht auch hier Unmögliches zu schaffen.

Frage: Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass aller Voraussicht nach keine Fans aus Österreich nach London reisen können. Wie sehen Sie das?

Windtner: Das ist natürlich das wirklich Bedauernswerte, dass wahrscheinlich kaum Fans aus Österreich dabei sein werden können. Das geht den Italienern gleich. Man hat schon gesehen, dass die Fans letztlich wirklich die Würze für so ein Match abgeben. Das war in Bukarest klar erkennbar.

Frage: Sie haben nach dem Spiel ausgelassen gejubelt, auch mit dem Teamchef. Hat Sie das auch in gewisser Weise zusammengeschweißt?

Windtner: Wir haben in den letzten Wochen auch alle miteinander gearbeitet im Team - das schweißt natürlich zusammen. Es ist eine verschworene Einheit entstanden, auch im Staff. Das hat sich gut auf das Team reflektiert. Hier ist ein Zusammenhalt und ein Teamspirit spürbar, wie wir ihn selten gehabt haben.

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Frage: Was macht dieses Team aus - auch im Vergleich mit 2016, als das Ziel Achtelfinal-Einzug nicht erreicht wurde?

Windtner: Man sieht, dass vom Zeugwart bis zum Teamchef alle ein Rollenverständnis einbringen, dass man für das Team alles einbringt an Power, was man hat. Auch bei der Mannschaft weiß von der Nummer 1 bis zur Nummer 26 jeder, er muss alle Energie hineinlegen für das Gesamtziel. Der Slogan ist in etwa in diese Richtung: Ohne mein Team bin ich eigentlich nichts, aber ich muss meinem Team alles geben, dann sind wir gemeinsam stark.

Frage: Wie groß ist der Anteil des Teamchefs an dieser Situation?

Windtner: Ich glaube, da haben alle zusammengewirkt. Man hat auch erkennen können, dass der Teamchef gerade in diesem EURO-Camp Schritte vollzogen hat, die wirklich in die Richtung Förderung des Teamspirits, Förderung der Begeisterung gegangen sind.

Frage: Dennoch: War die Leistungssteigerung nach dem Fehlstart in die WM-Qualifikation für Sie irgendwie absehbar?

Windtner: Wir haben gesagt, dass wir nach dem letzten Lehrgang und der Niederlage gegen Dänemark (0:4 in Wien/Anm.) nicht zur Tagesordnung übergehen können. Dass wir das professionell und mit externem Support auch aufgearbeitet haben, war richtig und wichtig. Eine Lernkurve war da klar erkennbar. Was hier im Vorfeld geschehen ist, hat wirklich geholfen.

"Wenn wir dieses Potenzial noch konsequenter nutzen können, können wir auch Gegner wie Italien mehr als ärgern"

Frage: Der Sieg gegen die Ukraine war alleine 2,5 Mio. Euro an Prämien wert (1 Mio. für den Sieg, 1,5 für den Achtelfinal-Einzug). Was erwarten Sie für eine Langzeitwirkung?

Windtner: Ja, mit diesem Aufstieg in die K.o.-Phase ist auch ein finanzieller Vorteil verbunden. Das wird dem Fußball in Österreich als Ganzem zu Gute kommen (u.a. den Landesverbänden und der Bundesliga/Anm.). Das ist alles ausverhandelt. Alle freuen sich über den sportlichen Erfolg - und über den positiven finanziellen Nebeneffekt selbstverständlich auch.

Frage: Kann das auch ein Anschub für Projekte im ÖFB sein, zum Beispiel für die Schaffung eines nationalen Trainingszentrum in Wien-Aspern?

Windtner: Ich glaube, dass dieser Erfolg bei der EURO ein passender Rückenwind zum richtigen Zeitpunkt ist, um den Restart nach dem Corona-Loch im Amateurfußball - und im gesamten Fußball - einen Anschub zu geben. Natürlich ist ein finanzielles Backup des ÖFB auch zur Realisierung von Investitionen absolut positiv. Das ist für den ÖFB und für Fußball-Österreich sicherlich auch ein wirtschaftlicher Zusatzschub.

Frage: Das große Ziel ist mit dem Achtelfinale erreicht. Wie geht es mit den sportlichen Erwartungen im Turnier weiter?

Windtner: Ich kann nur Christoph Baumgartner zitieren: 'Wir haben das Ziel erreicht, aber wir wollen noch nicht am Ende sein.'

Frage: Warum ist dem Team auch gegen Italien eine Überraschung zuzutrauen?

Windtner: Weil wir - und das war auch gegen die Ukraine erkennbar - durchaus noch Luft nach oben haben. Und wenn wir dieses Potenzial noch konsequenter nutzen können, können wir auch Gegner wie Italien mehr als ärgern.

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