Marktwert gesteigert: Zulj hofft auf Transfer

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Mitte letzter Woche legte Günter Kreissl die Latte für einen Transfer von Peter Zulj weg vom SK Sturm Graz sehr hoch:

"Bei Peter Zulj ist es so, dass der Spieler darüber informiert ist, dass ein Mega-Angebot kommen müsste. Peter Zulj ist sehr wichtig für unsere Mannschaft, daher habe ich ihm gleich gesagt, dass ich unter einem gewissen Betrag gar nicht angerufen werden brauche. Bei diesem Spieler muss sich ein Verein wirklich strecken."

Zu diesem Zeitpunkt wusste der Geschäftsführer Sport des Cupsiegers allerdings noch nicht, dass sein Schlüsselspieler in den Länderspielen gegen Russland und Deutschland erstmals für Österreich in der Startelf stehen und dabei absolute Top-Leistungen bringen würde.

Leistungen, die definitiv auch potenziellen Interessenten aufgefallen sind. Wie soll es da dem SK Sturm noch gelingen, den Oberösterreicher zu halten? "Ich glaube, das wird schwierig sein", gibt Zulj selbst zu Protokoll und bestätigt, auf einen Transfer ins Ausland zu hoffen.



Sechs bis acht Millionen Euro Ablöse?

"Es freut mich, wenn Günter das so sagt. Ich weiß nicht, wo die Grenze liegt. Ich habe gelesen, bei sechs bis acht Millionen Euro. Wir werden sehen, ob ein Verein kommt, der bereit ist, diese Millionen zu bezahlen."

Peter Zulj

"Wenn Günter noch mehr Millionen verlangt, wird es für mich ein bisschen schwieriger", lacht der 24-Jährige, "nein, Spaß beiseite. Nach dem Brasilien-Match fahre ich einmal auf Urlaub. Dann werden wir sehen, was kommt. Dann müssen wir uns zusammensetzen und sehen, was die beste Lösung für mich und für Sturm ist. Bis dahin haben wir noch ein paar Wochen."

Das von Kreissl geforderte "Mega-Angebot" erscheint derzeit alles andere als außer Reichweite. Die Festlegung, dass ein Interessent nur unter dieser Bedingung anzurufen brauche, betrachtet Zulj als Ehre:

"Das ist eine Auszeichnung für mich. Es freut mich, wenn Günter das so sagt. Ich weiß nicht, wo die Grenze liegt. Ich habe gelesen, bei sechs bis acht Millionen Euro. Wir werden sehen, ob ein Verein kommt, der bereit ist, diese Millionen zu bezahlen."

Zulj: "Hoffe, dass irgendwer anklopft"

Angesichts seiner jüngsten Leistungen doch sicher, oder? "Wenn ich so weiterspiele, dann glaube ich, steht nichts mehr im Wege. Aber man braucht im Fußball auch Glück für einen Transfer. Es kommt nicht einfach so daher. Deshalb hoffe ich, dass irgendwer anklopft, wir uns zusammensetzen können und dass es für Sturm und mich richtig gut passen könnte."

Somit stellt sich die Frage, ob Kreissl beim Schauen der jüngsten beiden Länderspiele mehr das Lachen oder mehr das Weinen gekommen ist? Letzteres, weil gute Darbietungen auf dieser internationalen Bühne die Chance, den Mittelfeldspieler zu halten, wohl verringert haben.

Lachen, weil der Marktwert wohl nochmals gesteigert wurde. Wenn Zulj verkauft werden sollte, wäre es sehr verwunderlich, wenn er nicht zum Rekordtransfer der "Blackies" aufsteigt. Sein Vertrag bei Sturm ist noch bis Sommer 2020 datiert und beinhaltet keine Ausstiegsklausel. Bei einer für die Grazer zufriedenstellenden Ablöse könnte man wohl einen nicht unerheblichen Teil des Jahresbudgets von rund 13 Milllionen Euro lukrieren.

Am liebsten nach Deutschland zu Bruder Robert

In welcher Liga er am liebsten anheuern möchte, hat der Oberösterreicher bereits entschieden: "Mein Ziel ist Deutschland. Ich möchte zu meinem Bruder in die deutsche Bundesliga. Für mich ist es eine der besten Ligen. Natürlich, wenn eine Mannschaft aus Italien, England oder Spanien kommt, sage ich auch nicht Nein. Das sind die vier Topligen. Aber wir werden sehen, was für ein Angebot kommt. Dann lasst euch überraschen, was dann passiert."

"Ich habe gegen Deutschland auf links gegen Kimmich gespielt, auch gegen Süle hatte ich viele Zweikämpfe. Das ist schon eine andere Liga, eine andere Qualität, viel mehr Robustheit. Ich glaube, wenn ich in diese Liga komme, werde ich mich auch körperlich weiterbilden."

Peter Zulj

Bruder Robert steht bei Hoffenheim unter Vertrag. Der jüngere Zulj drückte der österreichischen Bundesliga in der abgelaufenen Spielzeit mit acht Toren und 17 Assists seinen Stempel auf, weshalb er zum Spieler der Saison gewählt wurde.

Mit Kontrahenten von internationalem Format ist er in Österreich jedoch eher selten konfrontiert, schon gar nicht mit Kalibern wie etwa deutschen Teamspielern. Diese "Wissenslücke" durfte er im ÖFB-Dress schließen, was die Lust auf einen Transfer in eine Liga, in der er solche Duelle regelmäßig erleben darf, nicht gerade verringert:

"Ich habe gegen Deutschland auf links gegen Kimmich gespielt, auch gegen Süle hatte ich viele Zweikämpfe. Das ist schon eine andere Liga, eine andere Qualität, viel mehr Robustheit. Ich glaube, wenn ich in diese Liga komme, werde ich mich auch körperlich weiterbilden. Ich hoffe, dass mir der Schritt gelingt und ich dann auch auf Dauer auf so einem Niveau spielen kann."

Zulj: "Ich habe vor nichts Angst"

Das Niveau, das der Linksfuß gegen Russland und Deutschland erreicht hat, überraschte ob seiner zuvor geringen Länderspiel-Erfahrung. Sein ÖFB-Debüt feierte er erst im März als Joker gegen Luxemburg.

Zwar gab Zulj zu, gegen Russland im Vorfeld etwas nervös gewesen zu sein, doch dass er wie ein Routinier spielte, überrascht ihn selbst weniger: "Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich vor nichts Angst habe. Ich habe Spaß am Platz und schaue, dass ich einfach 100 Prozent gebe, laufe und kämpfe. Dazu versuche ich, meine technischen Qualitäten einzusetzen. Aber Angst habe ich keine, und das ist auch gut, wenn man das nicht hat."

Aus diesem Blickwinkel ist natürlich auch Furcht vor einer eher ungewohnten Position nicht angesagt. Gegen Deutschland rückte Zulj auf die linke Seite: "Bei Sturm habe ich immer Sechser oder Achter gespielt. Diesmal hat mich der Trainer auf links aufgestellt. Ich glaube, ich habe es für einen linken Mittelfeldspieler richtig gut gemacht, auch wenn es ein bisschen ungewohnt war. Aber wenn mich der Trainer irgendwo braucht, schaue ich, dass ich auf dieser Position 100 Prozent gebe. Wenn es unterm Strich gut ausschaut, freut mich das."

Pflichtspiel-Sieg gegen Deutschland wäre Zulj lieber gewesen

Ebenso, wie ihn der Sieg gegen Deutschland freut: "Es freut sich die ganze Mannschaft. Wir haben schon 32 Jahre nicht mehr gegen Deutschland gewonnen. Es ist ein richtig geiles Gefühl, wenn du gegen Deutschland gewinnst. Aber es war nur ein Testspiel. Wenn es ein Wettbewerbsspiel gewesen wäre, wäre es mir lieber gewesen. Dennoch, wir haben es souverän gemacht, haben eine richtig starke zweite Halbzeit gespielt, richtig aggressiv nach vorne gepresst und auch gute Chancen herausgespielt. Ich glaube nicht, dass der Sieg unverdient ist."

Sollte Österreich in näherer Zukunft in einem Pflichtspiel auf Deutschland treffen, dann vielleicht schon mit Zulj als Deutschland-Legionär.


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