Peter Schöttel: Alles begann mit Selbstkritik

 

Vor der EURO war viel von der Gefahr einer "Explosion" im ÖFB-Team die Rede.

Nach dem 1:0-Sieg gegen die Ukraine und dem damit verbundenen Einzug ins Achtelfinale gab es tatsächlich eine Art Explosion, und zwar jene der Emotionen.

"Die Hoffnung ist natürlich, dass es generell eine Initialzündung für den Fußball in Österreich ist", betont Sportdirektor Peter Schöttel, "da reden wir auch vom Amateurbereich und Nachwuchsfußball. Denn es war eine schwierige Zeit für den gesamten Fußball. Wir hoffen natürlich, dass wir unseren Teil beitragen, dass es jetzt wieder richtig los geht."

Diese Initialzündung wäre kaum möglich gewesen, hätte man im ÖFB aus dem verkorksten Auftakt in die WM-Qualifikation nicht die offenkundig richtigen Lehren gezogen.

"Dieser Lehrgang war sehr schwierig. Nach dem 0:4 gegen Dänemark waren wir alle miteinander sehr unzufrieden und selbstkritisch", erklärt der 54-Jährige und erzählt von der intensiven Aufarbeitung.

Maßnahmen haben gefruchtet

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

"In der Zeit zwischen März-Lehrgang und Europameisterschafts-Vorbereitung haben wir sehr viel gesprochen, Kleinigkeiten im Betreuerteam verändert, hatten viele Gespräche mit den Spielern. Diese Maßnahmen haben offenbar gefruchtet, weil wir gegen die Ukraine, als es notwendig war, eine Topleistung abgeliefert haben", so Schöttel.

Dies betrifft nicht nur, aber wohl auch die Herangehensweise von Teamchef Franco Foda. ÖFB-Boss Leo Windtner spricht recht offen von Schritten des Deutschen zur Förderung des Teamspirits.

Auf den Umstand, ob sich der ÖFB in der Phase zwischen März und Beginn des EM-Camps Ende Mai in Bad Tatzmannsdorf externe Hilfe geholt hat, um gewisse Probleme aufzuarbeiten, möchte der Sportchef nicht konkret eingehen.

"Aber wir haben natürlich erkannt, dass es definitiv suboptimal war, wie es gelaufen ist - aus den unterschiedlichsten Gründen", verdeutlicht Schöttel.

Immer noch gute Stimmung

Jetzt sei die Situation eine ganz andere, und das schon seit Beginn der Vorbereitung. Vor allem in Sachen Stimmung.

"Diese Gruppe umfasst ja nicht nur die Spieler, sondern es sind über 50 Personen zusammen. Es ist sehr ungewöhnlich, dass sich alle immer noch so gut verstehen, immer noch eine Freude haben und immer noch hungrig sind, dass wir den nächsten Schritt machen."

Peter Schöttel

"Mittlerweile sind wir seit vier Wochen zusammen, also schon wirklich lange. Wenn die Ergebnisse gut sind und der Erfolg da ist, sagt man ja gerne, dass die Gruppe gut harmoniert und funktioniert. Aber das ist hier defintiv der Fall. Diese Gruppe umfasst ja nicht nur die Spieler, sondern es sind über 50 Personen zusammen. Es ist sehr ungewöhnlich, dass sich alle immer noch so gut verstehen, immer noch eine Freude haben und immer noch hungrig sind, dass wir den nächsten Schritt machen. Das ist aber sehr wichtig", bekräftigt der Sportdirektor.

Ebenso freut sich Schöttel, dass bei aller Kritik an den Reisestrapazen die Maßnahme, das Basecamp in der Heimat in Seefeld zu beziehen, gefruchtet habe:

"Genau diese Wohlfühloase, in der wir uns befinden, ist ein Schlüssel, dass es intern so gut läuft und wirklich alle auch runterkommen können."

Shevchenko überrascht

Auch nach der enttäuschenden Darbietung in den Niederlanden herrschte spürbar bald wieder Aufbruchstimmung. Eine Trotzreaktion sei die Performance gegen die Ukraine jedoch nicht gewesen:

"So würde ich es nicht bezeichnen. Es war so, dass wir auf den Punkt da waren. Wir waren frischer im Kopf und in den Beinen, haben in der Analyse im Vorfeld offenbar einiges richtig gemacht. Dass die Spieler sofort im Spiel drinnen waren und wir relativ bald ein Tor erzielt haben, hilft natürlich noch mehr."

Bei der Ukraine seien indes relativ bald Probleme festzustellen gewesen: "Du hast gemerkt, dass sich der Gegner rasch in diesem Spiel nicht ausgekannt hat. Sie waren unzufrieden miteinander, haben sehr viel untereinander gesprochen. Ich habe auch Teamchef Andriy Shevchenko beobachtet, der von Start weg definitiv überrascht war, wie dominant wir waren."

Die ganz große Sensation?

Mit Italien wartet nun in der Runde der letzten 16 natürlich ein anderes Kaliber, vielleicht sogar das derzeit schwerste in diesem Turnier.

"Dass wir Außenseiter sind, ist uns klar. Es ist ein ganz besonderes Spiel, im Wembley-Stadion gegen die vermutlich beste Mannschaft bis jetzt im Turnier zu spielen und möglicherweise die ganz große Sensation zu schaffen. Das treibt uns natürlich schon an", zeigt sich wie Teamchef Foda auch Schöttel optimistisch.

Im Vorfeld habe man sich mit diversen potenziellen Achtelfinal-Gegnern beschäftigt. Die Variante, als Gruppen-Zweiter auf Italien als Gruppen-Sieger zu treffen, sei ohnehin eine der wahrscheinlicheren gewesen.

Warum Schöttel Italiens Abwehr gefällt

"Aus meiner Sicht ist die Abwehr mit den alten Recken da hinten drinnen das Prunkstück. Das hat schon etwas, was mir persönlich auch sehr gut gefällt."

Peter Schöttel

Bei den Partien der "Squadra Azzurra" gegen die Schweiz und Wales habe man einen Scout in Rom im Stadion gehabt. "Der hat heute auch schon eine Nachtschicht gemacht und geliefert", erzählt Schöttel und meint weiter:

"Generell wissen wir, dass das eine Mannschaft ist, die nicht nur über diese tolle Statistik - 30 Spiele ungeschlagen, die letzten 11 Spiele zu null gewonnen - verfügt. Das ist beeindruckend. Sie spielen einfach auch richtig guten Fußball - in jeder Phase, in der ganzen Bandbreite des Fußballs."

So würde Italien guten Ballbesitzfußball spielen, bei Ballverlust jedoch die Bälle schnell wieder zurückerobern und gut umschalten.

Als ehemaliger Verteidiger findet Schöttel naturgemäß die Abwehrarbeit um Oldie Giorgio Chiellini spannend: "Aus meiner Sicht ist die Abwehr mit den alten Recken da hinten drinnen das Prunkstück. Das hat schon etwas, was mir persönlich auch sehr gut gefällt. Nach vorne haben sie Kreativität, sie haben Teamspirit, sie brennen darauf."

Der Wiener verweist darauf, dass nach drei Heimspielen in Rom nun auch Italien erstmals reisen muss: "Aber dennoch, dass wir Außenseiter sind, steht außer Frage. Aber wir werden ein Außenseiter sein, der nach dem Ukraine-Spiel selbstbewusst auftritt."



Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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