Nur elf von 23 EURO-Teilnehmern reisen nach Dublin

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Es ist ein Kennzeichen von Nationalmannschaften, dass sie einem ständigen Wandel unterzogen sind - aller Vor- und Nachteile inklusive.

ÖFB-Teamchef Marcel Koller versuchte zeit seiner Amtszeit dieses Charakteristikum möglichst schonend zur Anwendung zu bringen, Kontinuität war lange Zeit sein größter Trumpf.

Das Aufgebot, mit dem Österreich in Irland bestehen muss, ist so gesehen ein Ausreißer.

Sperren, Verletzungen, Rücktritte, freiwilliger Verzicht auf Akteure - und plötzlich sind vom 23-Mann-Kader des ÖFB für die EURO 2016 nur noch elf Spieler übrig, quasi ein "Soft-Relaunch".

Das sagt Kevin Danso zu seinem ÖFB-Debüt:

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)


In einem Jahr kann im Fußball viel passieren, rund um das ÖFB-Team ist seit dem verkorksten Auftritt in Frankreich besonders viel passiert - speziell den Showdown in Dublin betreffend.

Marko Arnautovic und Stefan Ilsanker fehlen gesperrt, Robert Almer, Alessandro Schöpf und Marcel Sabitzer verletzungsbedingt - sie alle wären unter normalen Umständen gegen Irland wohl dabei gewesen.

Vor allem der unfreiwillige Verzicht auf Arnautovic, der sich seit der EM noch mehr als Führungsspieler und Leistungsträger in Szene gesetzt hat, schmerzt.

"Es ist natürlich schwer, Arnutovic zu ersetzen, aber man kann nicht davon ausgehen, dass immer alle Spieler mit dabei sind. Wir werden sicher eine gute Truppe auf den Platz kriegen, die voll dagegen halten kann", verspricht Koller.

Ein detaillierter Blick auf die aktuelle Personalsituation im Vergleich mit der EURO:

DIESE EURO-TEILNEHMER SIND IN IRLAND DABEI:

Position

Name Alter Länderspiel-Statistik
Tor Heinz Lindner 26 10/0
Abwehr Aleksandar Dragovic 26 56/1
Abwehr Martin Hinteregger 24 24/1
Abwehr Florian Klein 30 45/0
Abwehr Sebastian Prödl 29 62/4
Abwehr Kevin Wimmer 24 8/0
Mittelfeld David Alaba 24 56/11
Mittelfeld Julian Baumgartlinger 29 53/1
Mittelfeld Martin Harnik 29 65/15
Mittelfeld Zlatko Junuzovic 29 54/7
Angriff Marc Janko 33 63/28

Elf von 23 Kadermitgliedern der EURO sind auch diesmal mit dabei. Dass die Quote derart niedrig ausfallen würde, hätte vor einem Jahr wohl niemand gedacht, ist aber eben vor allem den Umständen geschuldet.

Auffällig ist, dass sich unter diesen elf Akteuren mit Heinz Lindner und Florian Klein ein Duo befindet, das nach der EM eigentlich bereits ausgemustert war.

Lindner, der bei Eintracht Frankfurt nie über die Reservisten-Rolle hinausgekommen ist, verbannte Koller ursprünglich auf die Abrufliste, an seiner Stelle rückte Andreas Lukse in den Kader auf.

Mit Robert Almer ist die eigentliche Nummer eins seit vergangenen Herbst wegen eines Kreuzbandrisses rekonvaleszent, sein Backup Ramazan Özcan trat aus dem Nationalteam zurück, Lukse kämpfte im Frühjahr immer wieder mit Verletzungen und liegt nun nach einer Schulter-OP bis Jahresende flach - und so steht in Dublin wie schon zuletzt gegen Moldawien die eigentliche Nummer vier im Tor, wenngleich Sportdirektor Willi Ruttensteiner in Bezug auf Lindner von "europäischer Weltklasse" spricht.

Lindner stand auch schon vor vier Jahren im Aviva Stadium zwischen den Pfosten und verfügt natürlich über viel mehr Erfahrung als seine aktuellen Konkurrenten Daniel Bachmann und Markus Kuster.

Klein wiederum wurde nach fehlender Einsatzzeit beim VfB Stuttgart nicht mehr für die März-Länderspiele eingeladen und war auch diesmal ursprüngich nicht nominiert. Die jahrelange Stammkraft rückte erst nach der Absage von Sabitzer ins Aufgebot.

DIESE EURO-TEILNEHMER SIND IN IRLAND NICHT DABEI:

Position Name Alter Länderspiel-Statistik
Tor Robert Almer 33 33/0
Tor Ramazan Özcan 32 10/0
Abwehr Christian Fuchs 31 78/1
Abwehr György Garics 33 41/2
Abwehr Markus Suttner 30 20/0
Mittelfeld Marko Arnautovic 28 62/15
Mittelfeld Stefan Ilsanker 28 23/0
Mittelfeld Jakob Jantscher 28 23/1
Mittelfeld Marcel Sabitzer 23 27/4
Mittelfeld Alessandro Schöpf 23 12/2
Angriff Lukas Hinterseer 26 12/0
Angriff Rubin Okotie 29 18/2

Zwölf von 23 Kadermitgliedern bei der EURO sind diesmal nicht mit von der Partie.

Zu Arnautovic, Ilsanker, Almer, Schöpf und Sabitzer, die gesperrt beziehungsweise verletzt fehlen, gesellt sich mit dem ehemaligen Kapitän Christian Fuchs, Özcan und Markus Suttner ein Trio, das der ÖFB-Elf freiwillig den Rücken gekehrt und seinen Rücktritt aus dem Nationalteam erklärt hat.

Auf den vereinslosen György Garics, Jakob Jantscher, Lukas Hinterseer und Rubin Okotie verzichtet wiederum Koller freiwillig.

Schon sein erster Kader nach der EM war von einer gewissen Blutauffrischung gekennzeichnet. Damals holte er Fast-EM-Teilnehmer Valentino Lazaro, Louis Schaub, Michael Gregoritsch und Stefan Stangl neu in den Kader. Die ersteren Drei sind seither fix dabei. Stangl sah in Salzburg gegen Andreas Ulmer kein Land und flog zwischenzeitlich wieder unter dem Nationalteam-Radar - aber die Moral dieser Geschichte ist ohnehin allseits bekannt.

Nach dem Suttner-Rücktritt und wegen der Ulmer-Hochzeit ist Stangl wieder dabei. Ausgelöst wurden all diese Linksverteidiger-Rochaden durch den Abschied von Fuchs, der damit eine Problemzone aufgemacht hat, die bis dato nicht zufriedenstellend gelöst werden konnte und Koller sogar zum Plan B mit einer Dreierkette gezwungen hat.

DIESE EURO-ZUSCHAUER SIND IN IRLAND DABEI:

Position Name Alter Länderspiel-Statistik
Tor Daniel Bachmann 22 0/0
Tor Markus Kuster 23 0/0
Abwehr Kevin Danso 18 0/0
Abwehr Stefan Lainer 24 1/0
Abwehr Valentino Lazaro 21 7/0
Abwehr Stefan Stangl 25 1/0
Mittelfeld Florian Grillitsch 21 1/0
Mittelfeld Florian Kainz 24 1/0
Mittelfeld Konrad Laimer 20 0/0
Mittelfeld Louis Schaub 22 2/0
Angriff Guido Burgstaller 28 10/0
Angriff Michael Gregoritsch 23 2/0

Vor Nationalteam-Erfahrung strotzen sie nicht gerade, die Alternativen zu den fehlenden EURO-Teilnehmern.

Eine zweistellige Länderspiel-Anzahl kann nur Schalke-Überflieger Guido Burgstaller vorweisen - und das mit genau zehn ÖFB-Einsätzen, auf seinen Premieren-Treffer wartet der Kärntner immer noch. Lazaro (7 Länderspiele) hat sich zuletzt als erste Wahl in der rechten Defensivrolle etabliert. Der Rest kommt über maximal zwei Länderspiele nicht hinaus.

Natürlich werden diesmal mehr Perspektivspieler als geplant im Flieger auf die Insel Platz nehmen, aber kein Nachteil ohne Vorteil: Je früher so manche Aktie für die Zukunft A-Team-Erfahrung sammelt, desto besser.

Denn von den jahrelangen ÖFB-Fixsternen haben einige den 30. Geburtstag bereits hinter sich. Als nächstes ist Martin Harnik einen Tag vor dem Irland-Match an der Reihe, Sebastian Prödl startet eineinhalb Wochen später in ein neues Lebensjahrzehnt. Zlatko Junuzovic folgt Ende September, Julian Baumgartlinger ist Anfang Jänner dran.

Das lange Zeit als "jung" verkaufte ÖFB-Team ist längst routiniert geworden beziehungsweise befindet sich im besten Fußballer-Alter.

Zwischen Gegenwart und Zukunft

Ihnen gehört die Gegenwart. Die Zukunft könnte Hoffnungsträgern wie den beiden Debütanten Konrad Laimer und Kevin Danso, Lazaro, Schaub, Gregoritsch oder Florian Grillitsch gehören. Sie allesamt sind in Dublin mit dabei. Auf der Abrufliste befinden sich mit Noch-Real-Legionär Philipp Lienhart und Rapid-Teenager Maximilian Wöber zwei weitere Youngster, die der Teamchef im Auge hat.

"Sie sollen sehen: Was geht hier ab? Wie schnell ist das Tempo? Es ist wichtig für diese Spieler, dies in ihre Klubs mitzunehmen und vielleicht auch zu spüren: Kann ich noch mehr tun? Kann ich den Ball noch schärfer spielen? Kann ich noch intensiver sprinten?"

Marcel Koller über die Nachrücker

Dass Koller bei dieser möglicherweise auch für seine eigene ÖFB-Zukunft richtungsweisenden Bewährungsprobe lieber auf mehr seiner etablierten Kräfte gebaut hätte, liegt auf der Hand. Dennoch versucht der Schweizer die Situation positiv zu betrachten:

"Vor Sperren und Verletzungen ist man nie gefeit, aber ich glaube, dass es auch gut ist, wenn wieder neue Spieler dazukommen. Das heißt nämlich, dass Spieler da sind, die auch die Qualität haben, im Nationalteam zu spielen. Es sind Junge da, es sind Hoffnungsträger da. Es ist wichtig, dass man die heranführt."

Koller: "Es ist wichtig, sie mal mitzunehmen"

Die eingespielte Startelf der vergangenen Jahre hatte natürlich mehr Vor- als Nachteile. Ein Nachteil war aber fraglos, dass es für Spieler aus der zweiten Reihe schwierig war, Pflichtspiel-Erfahrung zu sammeln. So manchen Akteur jüngeren Jahrgangs wie Sabitzer hat Koller sehr behutsam aufgebaut.

Selbiges plant er mit der neuen Generation: "Es kann sein, aber es ist eher unwahrscheinlich, dass einer aus heiterem Himmel aufsteigt und gleich eine feste Stütze sein wird. Es ist aber wichtig, sie mal mitzunehmen. Es kann sein, dass es beim nächsten oder übernächsten Mal wieder anders sein wird, aber sie sollen sehen: Was geht hier ab? Wie schnell ist das Tempo? Es ist wichtig für diese Spieler, dies in ihre Klubs mitzunehmen und vielleicht auch zu spüren: Kann ich noch mehr tun? Kann ich den Ball noch schärfer spielen? Kann ich noch intensiver sprinten? Das sind Erfahrungen, die sie sammeln und in die Waagschale werfen müssen, wenn sie wieder bei uns mit dabei sind."

Zumindest in pädagogischer Hinsicht wird Irland für so manches Kadermitglied also schon mal fix eine Reise wert sein.




Textquelle: © LAOLA1.at

Freistoß-Tore: Suttner Nummer 1 in Europas Top-Ligen

Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare