Foda will Teamchef bleiben: "Ich gebe nie auf"

 

Franco Foda wirft seinen Spielern nicht vor, dass sie beim 0:1 gegen Schottland (Spielbericht>>>) nicht alles gegeben hätten.

Foda wiederum kann man nicht vorwerfen, dass er nicht alles geben würde, um seinen Job zu behalten.

Dass der ÖFB-Teamchef nach diesem Horror-Lehrgang angezählt ist, ist kein Geheimnis. Wie schon beim Auftakt in die WM-Qualifikation im März präsentierte sich das Nationalteam nicht auf der Höhe des eigentlichen Könnens.

Dass sieben Punkte aus sechs Spielen "natürlich zu wenig" sind, weiß auch Foda. Sich selbst stellt er jedoch nicht in Frage. Im Gegenteil.

"Das tue ich nicht. Denn ich bin jetzt insgesamt knapp vier Jahre hier. Wir haben gemeinsam extrem viel erreicht. Wir haben uns für die EM qualifiziert, sind dort ins Achtelfinale gekommen, sind in die Gruppe A der Nations League aufgestiegen", streicht der Deutsche hervor.

Franco Foda, der Kämpfer

Natürlich würde er sich intensiv darüber Gedanken machen, was beim 2:5 in Israel und nun gegen Schottland schief gelaufen sei.

"Auch ansonsten macht man sich viele Gedanken. Aber: Ich bin ein Typ, der in seinem Leben schon immer gekämpft hat, sich alles hart erarbeitet hat. Ich bin auch jemand, der nie aufgibt. Insofern haben wir noch vier Spiele, es gibt noch zwölf Punkte zu vergeben. Sollten wir zwölf Punkte holen, hätten wir 19 Punkte - und dann schauen wir einmal, wo wir am Ende des Tages stehen."

Diese Implosion samt Trainer-Debatte kommt zu einem Zeitpunkt, an dem im ÖFB vieles in der Schwebe ist. Noch-Präsident Leo Windtner wird wohl keine Teamchef-Entscheidung mehr treffen.

Mit Gerhard Milletich und Roland Schmid stehen die beiden Kandidaten auf die Nachfolge des Oberösterreichers fest. Wie die beiden die Personalie Teamchef sehen, bleibt abzuwarten.

Foda kennt Milletich, aber nicht Schmid

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Eine Entscheidung zwischen Milletich und Schmid soll am kommenden Samstag fallen. Ob er angesichts dieser ungewissen Situation überhaupt sicher sein könne, im Oktober noch auf der ÖFB-Bank zu sitzen?

"Das kann ich nicht sagen, das müssen andere entscheiden. Ich kann nur sagen, dass ich jetzt schon einige Zeit und gerne Trainer beim Nationalteam bin und immer alles, was möglich ist, zur Verfügung stelle. Mein Vertrag läuft noch bis zum nächsten Jahr, falls wir die Playoffs erreichen. Sollten wir uns über die Playoffs für die WM qualifizieren, dann läuft er noch bis zur WM 2022 in Katar. Alles andere kann ich nicht beantworten, da bin ich der falsche Ansprechpartner."

Die große Unbekannte für Foda ist im Präsidenten-Duell Schmid. "Ihn kenne ich persönlich nicht", so der Teamchef.

Mit Milletich, der als langjähriger Landespräsident des Burgenlands ein bekanntes Gesicht im Führungsgremium des ÖFB ist, gab es naturgemäß schon Berührungspunkte: "Ja, wir haben uns schon gesehen und kennen uns, das ist richtig."

Foda-raus-Rufe "teilweise mitbekommen"

Auch die beiden potenziellen ÖFB-Bosse werden registriert haben, dass es im Laufe der zweiten Halbzeit immer wieder zu "Foda-raus"-Chören im Happel-Stadion gekommen ist.

"Natürlich hat man es teilweise mitbekommen. Aber das darf mich in meiner Arbeit und Tätigkeit nicht beeinflussen", betont Foda, dass er weiter den Fokus auf die Mannschaft gewahrt hat: "Du musst immer im Spiel bleiben und dir Gedanken machen, was du während des Spiels verändern kannst und wie man als Trainer eingreifen kann, um durch Veränderungen auch neue Impulse zu geben."

Dass die Fankurve ihn persönlich angreift, kann emotional nach dem EURO-Abschneiden, für das Foda weitestgehend gefeiert wurde, nicht leicht zu verdauen sein.

Selbst wenn er im Amt bleiben darf, wird es keine einfache Aufgabe, das zu kitten, was durch diesen Lehrgang kaputt gegangen ist.

Foda: "Da müssen wir jetzt einfach durch"

"Klar sieht es im Moment so aus, als ob es wieder einen Rückschritt gibt. Aber da müssen wir jetzt einfach durch. Wir müssen einen klaren Kopf bewahren."

Franco Foda

Ob er sich diesbezüglich auch als Reibebaum empfinde? Foda nutzt diese Frage zu einer Rückschau samt Plädoyer in eigener Sache:

"Wenn es im Sport nicht läuft, sucht man immer einen Schuldigen. Das ist einfach so. Das ist unser Trainerjob. Damit musst du umgehen und leben können. Das ist einfach jetzt im Moment die Situation."

Nur habe man eben jetzt schon knapp vier Jahre miteinander verbracht: "Da haben wir schon einiges auf die Beine gestellt. Ich weiß noch, als ich angetreten bin, gab es Rücktritte. Wir mussten die Mannschaft verändern, umstrukturieren, wir haben viele junge Spieler miteingebaut. Also es gab schon einen Prozess, eine Entwicklung."

Foda weiter: "Klar sieht es im Moment so aus, als ob es wieder einen Rückschritt gibt. Aber da müssen wir jetzt einfach durch. Wir müssen einen klaren Kopf bewahren. Wir müssen uns über den Lehrgang viele Gedanken machen und dann für den Oktober-Lehrgang die richtigen Maßnahmen treffen, um wieder besser in die Spur zu kommen. Dazu sind wir in der Lage. Die Qualität haben wir, da sind wir auch alle gefordert."

Am Kader wird sich nicht sehr viel ändern

Nach dem verkorksten März-Camp kündigte Foda an, dass er bis zur EURO definitiv einige Dinge ändern werde. An welche Konsequenzen er jetzt denken würde?

Darüber müsse er sich erst in Ruhe Gedanken machen. "Aber das machen wir nach jedem Lehrgang. Das haben wir auch nach der EM gemacht, also auch als es gut lief. Man muss sich immer Gedanken machen, was man wieder besser machen kann. Wir werden versuchen, die richtigen Maßnahmen zu treffen, um in den letzten vier Spielen die optimale Punktzahl zu holen."

Beim Personal wird sich jedenfalls wenig tun: "Der Kader wird sich bis zum nächsten Lehrgang nicht sehr viel ändern, weil die Ausfälle fast alle längerfristig sind. Der einzige Spieler, der wahrscheinlich zurückkehren wird, ist Marcel Sabitzer."

Selbstkritik?

Man darf gespannt sein, wie die Resultate der Überlegungen aller (auch zukünftiger) ÖFB-Verantwortungsträger aussehen, nachdem sie nun einige Tage in sich gehen.

Für Foda wird auch Zeit für Selbstkritik bleiben. Ob er sich selbst nach diesem Lehrgang etwas vorwerfen würde?

"Man muss sich in erster Linie immer selbst Gedanken machen, was man richtig oder weniger gut gemacht hat. Das werden wir natürlich auch tun im Trainerteam."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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