Demir, Mwene und Co: So begründet Foda ÖFB-Kader

 

Stefan Lainer und Sasa Kalajdzic verletzungsbedingt, Karim Onisiwo Corona-bedingt, Valentino Lazaro aufgrund von Problemen bei Inter, Pavao Pervan und Marco Friedl aufgrund eines Trainerentscheids.

Sechs Spieler aus dem EURO-Aufgebot fehlen ÖFB-Teamchef Franco Foda - teils freiwillig, teils unfreiwillig - bei der Fortsetzung der WM-Qualifikation in der Republik Moldau, in Israel und gegen Schottland.

Dafür stehen Yusuf Demir, Phillipp Mwene, Florian Kainz, Ercan Kara und Heinz Lindner neu im rot-weiß-roten Aufgebot.

So begründet Foda seine Personalentscheidungen:

Foda: "Extreme Entwicklung von Demir"

Einst rückte David Alaba noch sehr früh in seiner Bayern-Karriere ins A-Nationalteam auf, nun bekommt Demir nach seinen ersten, durchaus gelungenen Gehversuchen beim FC Barcelona seine nächste A-Team-Chance.

"Auch am Telefon wirkt Yusuf Demir viel aufgeschlossener. Man sieht also, was so ein Wechsel bei einem Spieler bewirken kann. Das ist gerade für die Persönlichkeitsentwicklung ganz wichtig."

Franco Foda

Für eine EM-Teilnahme hat es noch nicht gereicht, nachdem der Teenager im März sein Länderspiel-Debüt gefeiert hat. Diese Nominierung ist jedoch wohl als Signal zu interpretieren, dass der 18-Jährige fix "oben" aufgenommen werden und nicht zur U21 pendeln soll.

Foda betont jedoch, dass dies an Demir selbst liegt: "Er muss einfach seine Leistung abrufen und das hat er jetzt getan. Ich habe einige Spiele in der Vorbereitung verfolgt. Mein Co-Trainer war in Salzburg vor Ort, ich habe mir das Spiel in Stuttgart angeschaut. Er hat in diesen paar Wochen eine extreme Entwicklung genommen."

Demir jetzt viel aufgeschlossener

Demir legt - durchaus üblich in seinem Alter - auf und abseits des Platzes einen Reifeprozess hin. Foda hat in den vergangenen Tagen mit ihm telefoniert und zeigt sich angetan:

"Auch am Telefon wirkt er viel aufgeschlossener. Man sieht also, was so ein Wechsel bei einem Spieler bewirken kann. Das ist gerade für die Persönlichkeitsentwicklung ganz wichtig, mittlerweile lernt er auch Spanisch."

Der ÖFB-Coach wiederholt seine Einschätzung, dass Demir "außergewöhnliche Qualitäten" habe: "Er ist ein Spieler, der in Eins-gegen-Eins-Situationen immer wieder Lösungen findet. Bei Barcelona hat er jetzt auch am Flügel gespielt, also auf einer anderen Position. Ich denke, dass er ein Riesen-Talent ist. Jetzt hat er die Möglichkeit, sich bei uns zu präsentieren. Dann liegt es letztendlich an ihm, ob er bei den nächsten Lehrgängen wieder dabei sein wird."

Mwene profitiert vom Lainer-Pech

Mwene überzeigt bei PSV Eindhoven
Foto: © GEPA

Mit Ercan Kara trifft Demir im neuen Kader auf einen alten Rapid-Kumpel. Neu kennenlernen wird er, wie viele Kadermitglieder, Phillipp Mwene.

Noch als Mainz-Legionär stand der Außenverteidiger im erweiterten EURO-Kader, wurde jedoch im letzten Moment aus dem Aufgebot gestrichen. Diesmal profitiert der inzwischen zur PSV Eindhoven übersiedelte Wiener vom Lainer-Ausfall.

"Wenn Stefan fit gewesen wäre, wäre er wahrscheinlich auf Abruf gewesen", verrät Foda, dass es für den 27-Jährigen ansonsten wahrscheinlich wieder nicht gereicht hätte.

Großes Lob von Roger Schmidt

So sei die Nominierung jedoch logisch gewesen: "Wir haben ihn schon länger beobachtet. Mainz hat oft mit einer Dreierkette gespielt. Deswegen war es für uns sehr spannend, wie er bei Eindhoven in der Viererkette agieren wird. Er spielt dort rechts und links, ist also universell einsetzbar."

Mwenes Trainer beim niederländischen Traditionsverein ist mit Ex-Salzburg-Coach Roger Schmidt ein alter Bekannter, bei dem sich Foda auch erkundigte:

"Er hat ihn über den grünen Klee gelobt, wie er sich in den letzten Wochen und Monaten entwickelt hat. Er ist ein Spieler, der sehr verlässlich ist auf dem Platz und sehr viel Dynamik im Spiel nach vorne ausstrahlt. Insofern hat er sich die Einberufung verdient."

Darum kommt Kainz wieder zum Zug

Erstmals seit Oktober 2019 hat Florian Kainz den Sprung ins ÖFB-Aufgebot geschafft. Nachdem ihn vergangene Saison lange eine Verletzung zum Zuschauen gezwungen hat, hat der Steirer beim 1. FC Köln einen starken Start in die Saison erwischt.

"In den ersten Spielen hatte man auch unabhängig von seinen Toren einfach das Gefühl, Florian Kainz ist wieder in Schwung und kann wieder seine Leistungen abrufen."

Franco Foda

Foda: "Flo hatte im letzten Jahr das Pech, dass er leider Gottes verletzt war und dann nicht regelmäßig gespielt hat. Unter dem neuen Trainer hat er eine gute Vorbereitung absolviert. In den ersten Spielen hatte man auch unabhängig von seinen Toren einfach das Gefühl, er ist wieder in Schwung und kann wieder seine Leistungen abrufen."

Vor allem habe er sich im System von Steffen Baumgart gut eingefunden: "Sie spielen 4-4-2, er spielt in der Raute auf der Acht. Ich kenne Flo ja schon sehr lange aus meinen Zeiten bei Sturm Graz, kenne seine Qualitäten. Ihn haben leider immer wieder Verletzungen zurückgeworfen. Ich hoffe, dass er jetzt einfach seine Leistung kontinuierlich abrufen kann."

Für den 28-Jährigen würde zudem die personelle Lage auf den Flügeln sprechen: "Da haben wir Ausfälle, er kann am Flügel spielen, kann auch im Zentrum spielen, ist flexibel einsetzbar. Deswegen haben wir uns für ihn entschieden."

Warum Lindner Pervan ersetzt

"Für Pervan spricht einfach seine Menschlichkeit. Er hat auch jetzt sofort gesagt, dass es sich Heinz Lindner oder Jörg Siebenhandl auch verdient hätten, ins Nationalteam einberufen zu werden."

Franco Foda

Ein spannendes Detail am Kader ist, dass sich Foda in Rücksprache mit Tormann-Trainer Robert Almer dafür entschieden hat, das Goalie-Trio zu verändern. Statt Pavao Pervan kehrt Heinz Lindner zurück, auch Sturm-Keeper Jörg Siebenhandl war ein konkretes Thema:

"Eigentlich war die Überlegung, ob wir überhaupt etwas verändern. Lindner und Siebenhandl bringen bei ihren Vereinen aber sehr gute Leistungen, sind in einem guten Rhythmus, spielen regelmäßig", kommentiert Foda.

Bei Pervan sei es indes so, dass er beim VfL Wolfsburg weiter nicht zum Zug kommt: "Wir haben uns jetzt entschieden, auf dieser Position etwas zu verändern. Aber bei Pavao wissen wir, das wir ihn immer bedenkenlos nominieren können. Wir wissen, was wir an ihm haben. Klar, es war kein einfaches Telefonat mit ihm, aber er hat es irgendwo eingesehen."

Neben dem sportlichen Blickwinkel gibt es für den ÖFB-Coach hier auch den menschlichen, schließlich habe sich Pervan auch diesbezüglich als wertvolles Kadermitglied erwiesen:

"Für Pervan spricht einfach seine Menschlichkeit. Er hat auch jetzt sofort gesagt, dass es sich Heinz Lindner oder Jörg Siebenhandl auch verdient hätten, ins Nationalteam einberufen zu werden."

DER ÖFB-KADER FÜR DIE WM-QUALI-SPIELE GEGEN MOLDAU, ISRAEL UND SCHOTTLAND:

Spieler Verein
TOR:
Daniel Bachmann FC Watford (ENG)
Heinz Lindner FC Basel (SUI)
Alexander Schlager LASK (AUT)
ABWEHR:
David Alaba Real Madrid (ESP)
Aleksandar Dragovic Roter Stern Belgrad (SRB)
Martin Hinteregger Eintracht Frankfurt (GER)
Philipp Lienhart SC Freiburg (GER)
Phillipp Mwene PSV Eindhoven (NED)
Stefan Posch TSG Hoffenheim (GER)
Christopher Trimmel Union Berlin (GER)
Andreas Ulmer Red Bull Salzburg (AUT)
MITTELFELD:
Julian Baumgartlinger Bayer Leverkusen (GER)
Christoph Baumgartner TSG Hoffenheim (GER)
Florian Grillitsch TSG Hoffenheim (GER)
Stefan Ilsanker Eintracht Frankfurt (GER)
Florian Kainz Köln (GER)
Konrad Laimer RB Leipzig (GER)
Marcel Sabitzer RB Leipzig (GER)
Louis Schaub Köln (GER)
Xaver Schlager VfL Wolfsburg (GER)
Alessandro Schöpf Arminia Bielefeld (GER)
ANGRIFF:
Marko Arnautovic FC Bologna (ITA)
Yusuf Demir FC Barcelona (ESP)
Michael Gregoritsch FC Augsburg (GER)
Ercan Kara SK Rapid (AUT)

Auf Abruf: Pavao PERVAN (VfL Wolfsburg/GER), Jörg SIEBENHANDL (SK Sturm Graz), Cican STANKOVIC (AEK Athen/GRE), Richard STREBINGER (SK Rapid); Kevin DANSO (RC Lens/FRA), Marco FRIEDL (SV Werder Bremen/GER), Gernot TRAUNER (Feyenoord Rotterdam/NED), Maximilian ULLMANN (SK Rapid), Maximilian WÖBER (FC Red Bull Salzburg); Husein BALIC (LASK), Thomas GOIGINGER (LASK), Raphael HOLZHAUSER (Beerschot V. A./BEL), Jakob JANTSCHER (SK Sturm Graz), Valentino LAZARO (Inter Mailand/ITA), Dejan LJUBICIC (1. FC Köln/GER), Reinhold RANFTL (FC Schalke 04/GER), Stefan SCHWAB (PAOK Saloniki/GRE), Hannes WOLF (Borussia Mönchengladbach/GER); Adrian GRBIC (FC Lorient/FRA), Marco GRÜLL (SK Rapid), Karim ONISIWO (1. FSV Mainz 05/GER)


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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