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Der stille Abschied: Ein letztes Mal Linzer Gugl

Heute Abend gehen fast 70 Jahre Sportgeschichte zu Ende:

Der stille Abschied: Ein letztes Mal Linzer Gugl Foto: © GEPA

Nach dem Cup-Achtelfinal-Duell zwischen dem LASK und dem Wiener Stadtligisten ASK Elektra (ab 18:00 Uhr im LIVE-Ticker) gehen auf der Linzer Gugl die Lichter endgültig aus.

Bis Juni 2022 wird an selber Stelle eine neue, moderne Arena errichtet.

Das altehrwürdige Stadion inmitten der Stadt Linz erlebte dank der Renaissance des LASK zuletzt sogar noch ein letztes internationales Hurra. Europäische Kapazunder wie Manchester United oder dessen Premier-League-Rivale aus dem Norden Londons, Tottenham Hotspur um Star-Trainer Jose Mourinho, waren im Jahr 2020 - aufgrund der Corona-Pandemie leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit - zu Gast in Linz und verabschiedeten die jahrelange Heimstätte des LASK und des SK VÖEST Linz beziehungsweise dessen Nachfolge-Klub FC Blau-Weiß Linz gebührend.

Nur der "King of Pop" schlägt den LASK

Schnell nach dem Ende des 2. Weltkriegs werden die Pläne nach einem neuen Stadion in Linz konkret. Am 28. Juni 1952 wird das Linzer Stadion auf der Gugl, so heißt die dortige Anhöhe, eröffnet.

Der LASK trägt seine Spiele nur zum Teil auf der neuen Gugl aus, falls doch, sind Spiele vor mehr als 20.000 Zusehern gegen die Wiener Austria oder Rapid keine Seltenheit.

Die absolute Rekordkulisse gibt es dann am 31. März 1962: 33.000 Fans pilgern zum Spiel gegen den Wiener Sportklub. Mehr schafft nur der "King of Pop". Beim Konzert von Michael Jackson 1988 sind 40.000 Menschen im Stadion.

Auch der ewige Rivale des LASK, der SK VÖEST, sorgt für glorreiche Stunden, so wird 1974 etwa dem großen FC Barcelona - vor 26.000 Fans - im damaligen Europapokal der Landesmeister ein 0:0 abgetrotzt.

Leichtathletik-Elite gibt Linz die Ehre

Foto: © GEPA

Unvergessen bleibt freilich auch das 1988 ins Leben gerufene Gugl-Meeting. Top-Stars wie der Amerikaner Carl Lewis mit seinem unerreichten Santa Monica Track Club oder Marlene Ottey beehrten die legendäre Laufbahn im Linzer Stadion, die so manchen Fußballfan im Laufe der Jahrzehnte zu Weißglut brachte.

Jahresweltbestleistungen wie vom Amerikaner Dwight Phillips konnte man beim Gugl-Meeting, das vor allem für die schnelle Bahn und die gute Weitsprunganlage bekannt war, genauso bewundern, wie Sprint-Bestleistungen unter zehn Sekunden – der Gugl-Rekord, aufgestellt vom Nigerianer Davidson Ezinwa 1994, liegt bei 9,94 Sekunden.

Umbauarbeiten sind ständiger Begleiter

Umbauarbeiten sind ständiger Begleiter
Foto: © GEPA

Zur Begleiterscheinung werden ständige Umbau- und Erweiterungs-Arbeiten im und um das Stdion. Die Errichtung von Flutlichtmasten 1967 oder die Überdachung der Sitzplätze 1971 seien hier exemplarisch zu erwähnen.

Die letzte und im Nachhinein durchaus fragwürde "Modernisierung" ging von 2010 bis 2012 übe die Bühne. Wer die Gugl schon zuvor kannte, wird sich wohl immer gefragt haben, wofür die 32 Millionen Euro - der damalige Kostenpunkt - genau verwendet wurden.

Zur Eröffnung des "neuen" Stadions war die ÖFB-Nationalmannschaft zum bisher letzten Mal in Oberösterreichs Landeshauptstadt zu Gast. Nur eingefleischten Fans wird die trostlose 0:3-Niederlage gegen die Elfenbeinküste vor ausverkauftem Haus - nach dem Umbau waren dies 13.300 Zuseher - in Erinnerung geblieben sein.

Sternstunden in der Europa League

Mit deutliche größerer Wehmut dürften da die Anhänger des LASK auf die erfolgreichen Jahre nach dem Wiederaufstieg 2016/17 zurückblicken. Das Europacup-Comeback gegen Besiktas Istanbul oder die Glanzstunden gegen PSV Eindhoven und Sporting Lissabon werden den Anhängern der Schwarz-Weißen noch lange Zeit in Erinnerung bleiben.

Genau wie die Tatsache, dass sie nicht im Stadion sein können, wenn um etwa 19:45 Uhr - keine Verlängerung vorausgesetzt - die Lichter der alten Linzer Gugl ein letztes Mal ausgehen. Und nach der Elektra vorerst die Elektriker zum Zug kommen.

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