Das bröckelnde Ramos-Denkmal bei Real und Spanien

Das bröckelnde Ramos-Denkmal bei Real und Spanien Foto: © getty
 

Wenn man an Real Madrid denkt, fiel einem bis vor kurzem wohl als Erster Cristiano Ronaldo ein. Doch spätestens danach kommt man nicht an Sergio Ramos vorbei.

Der vor wenigen Tagen 35 Jahre alt gewordene Routinier ist mittlerweile seit fast 16 Jahren, seit August 2005, ein absoluter Leader bei den Königlichen, mittlerweile seit vielen Jahren Kapitän. Bei den Merengues ist der gebürtige Sevillianer der Inbegriff für Vereinstreue, Einsatz und Kampfgeist.

Bei den Königlichen geliebt, von den Gegnern gefürchtet. Doch aktuell macht der Abwehrchef keine einfachen Zeiten durch, immer wieder werfen ihn Verletzungen aus der Bahn, immer wieder fehlt er in entscheidenden Spielen, was jahrelang nicht der Fall war.

Das Alter hinterlässt auch bei Ramos seine Spuren, deshalb stellt sich die Zukunftsfrage. Sein Vertrag in der spanischen Metropole läuft aus, im spanischen Nationalteam wurde er zuletzt unter Luis Enrique mit einer völlig ungewohnten Situation konfrontiert und eine Wadenverletzung könnte ihm nun die letzten Chancen für eine Vertragsverlängerung sowie die EURO nehmen.

Das über Jahre errichtete Denkmal im weißen Trikot Reals und dem roten der Furia Roja droht zu bröckeln. Quo vadis, Sergio Ramos?

Neuerliche Verletzung verschärft Ramos' Situation

Der Ausflug zur Nationalmannschaft machte sich für den Innenverteidiger nicht bezahlt. Der Captain kam beim Länderspiel-Triple in der WM-Quali nur 45 Minuten gegen Griechenland zum Zug, setzte gegen Georgien aus und wurde gegen Kosovo für vier Minuten eingewechselt.

Obendrein verletzte sich Ramos danach noch am Spielfeld beim Dehnen. Die nächste Zwangspause für jenen Mann, der 180 Länderspiele für Spanien und 670 Pflichtspiele für Real sowie 45 für den FC Sevilla in den Beinen hat. Die nächste Hiobsbotschaft für Real.

Denn Ramos war erst kürzlich von einer langwierigen Oberschenkel-Verletzung und anschließender Knie-Operation zurückgekehrt, absolvierte in dieser Saison nur 20 von 38 möglichen Einsätzen und fehlte Real an allen Ecken und Enden. Vor der Länderspielpause wurde Ramos gegen Celta Vigo erneut geschont, wollte angeschlagen aber unbedingt zum Nationalteam reisen, um dem Weltrekord von 184 Länderspielen näher zu kommen und kam verletzt zurück.

Eine Muskelverletzung in der linken Wade soll mehrere Wochen beanspruchen, just in jener Phase, in der für Real und auch den Kapitän persönlich viel auf dem Spiel steht. Auch wenn es unterschiedliche Berichte über die Dauer der Zwangspause gibt, scheinen große Highlights wie El Clasico gegen den FC Barcelona (10. April) sowie die beiden Duelle mit dem FC Liverpool um den Aufstieg ins CL-Semifinale (6./14. April) ohne den Führungsspieler stattzufinden.

Real ziert sich (noch) mit Vertragsverlängerung

Nicht gerade förderlich für die weitere Karriereplanung des Familienvaters, dessen im Sommer auslaufender Vertrag von den Verantwortlichen bei den Königlichen noch immer nicht verlängert wurde, obwohl sich viele Experten Real in dieser Form ohne Ramos nicht vorstellen können.

Auch der gut vernetzte Spieler selbst tappt offiziell noch im Dunkeln: "Es stimmt, dass viel Ungewissheit herrscht und viele Fragen aufkommen bei all den Informationen, die im Umlauf sind. Ich habe keine Neuigkeiten, alles ist unverändert. Ich würde gerne etwas sagen. Ich garantiere, dass ich der Erste bin, der Neuigkeiten kommunizieren wird, wenn es welche gibt."

Laut "Marca" soll es nach zwischenzeitlichen Hürden wieder eine Annäherung mit den Entscheidungsträgern gegeben haben, ohne dass jedoch schon etwas unterschrifts- oder spruchreif wäre.

Trotz Knie-OP und verletzungsbedingt gebremster Saison ist Ramos aber überzeugt, Real nicht nur kurz- sondern noch längerfristig helfen zu können. "Ich kann noch drei, vier oder fünf Jahre meine Leistungen bringen, wenn mein Körper mitmacht und ich von Verletzungen verschont bleibe." Letzteres ist aktuell jedoch der springende Punkt.

Viele Fragezeichen: Wie sieht Ramos' Zukunft aus?

Denn in Europa zählt Ramos zweifelsfrei zu den wertvollsten Spielern am Markt. Nicht umsonst heizte der Defensivspieler selbst auch die Gerüchteküche an, da er von Real ein klares Treuebekenntnis zu ihm erwartet hatte. Das kam bisher noch nicht, Interessenten gibt es genügend. Zudem werden mögliche Nachfolger wie ÖFB-Teamspieler David Alaba oder David Carmo vom SC Braga gehandelt.

Doch die aktuelle Situation und das Verletzungspech könnten hier ins Gewicht fallen und Auswirkungen auf die Zukunft haben. Möglicherweise sind die vielen verpassten Spiele bereits der Anfang vom Ende einer eindrucksvollen Karriere samt unter anderem Welt-, zwei Europameister-, vier Champions-League- und fünf Meistertiteln.

Das Denkmal bröckelt deshalb, weil Ramos über eineinhalb Jahrzehnte kaum etwas erschüttern konnte. Plötzlich stellten sich Fragen, wie es mit ihm weitergeht, ob seine Glanzzeit vorbei ist, ob das Verletzungspech noch ein Ende nimmt.

Bezüglich Real-Verbleib äußerten sich zuletzt sogar Ramos' Eltern im TV-Format "El Chiringuito de Jugones". "Er ist überhaupt nicht besorgt, sondern wie immer entspannt. Er hofft absolut darauf, bei Real Madrid zu bleiben. Es bleibt für alles noch Zeit", erklärte sein Vater Jose Maria Ramos und auch seine Mutter Paqui Garcia stellte klar: "Er soll bei Real Madrid bleiben."

Hat Luis Enrique neue EM-Pläne - ohne Ramos?

Ein Poker bis zuletzt bahnt sich an, Teams wie Paris St. Germain scharren bereits in den Startlöchern. Bis zum Sommer bleibt aber nicht mehr viel Zeit, ebenso wenig, wie bis zum Jahreshighlight, der Europameisterschaft.

Für Ramos ein absoluter Pflichttermin. Seit er 18 Jahre alt ist, steht er im Aufgebot der Iberer, 16 Jahre war er fast durchgehend gesetzt, viele Jahre als Kapitän - ähnlich wie bei Real. Doch plötzlich ist auch an dieser Front vieles anders.

Denn unter Teamchef Luis Enrique, kommt Ramos nicht mehr zum Dauereinsatz, wie er das bisher gewohnt war, der Ausflug zum vergangenen Länderspiel-Triple stieß aufgrund der wenigen Spielzeit vor allem auch Real sauer auf.

Seit September 2020 absolvierte Ramos nur vier von elf Länderspielen über 90 Minuten. Natürlich spielten auch seine Verletzungen mit hinein, aber trotzdem dürfte die Barcelona-Legende auf der Trainerbank andere, neue Pläne mit dem Real-Urgestein haben. Auch wenn Luis Enrique nach dem Kosovo-Spiel besänftigte: "Es ist viel einfacher, als Sie denken. Die Einstellung von Ramos ist wie immer lobenswert. Leader sind in der Lage, in jeder Situation ins Spiel zu kommen. Sergio geht es gut, er kommt von einer Verletzung und hat sich sehr schnell erholt."

Ramos ließ Spekulationsspielraum, da er sich kryptisch gab: "Alles, was mir passiert, wird aus dem Zusammenhang gerissen. Die Realität ist eine andere und der Trainer hat es bereits erklärt." Medien wie die "Marca" spekulieren hingegen damit, dass Luis Enrique mehr Bilbaos Inigo Martinez forciert und mit dem 29-Jährigen einen Neustrukturierung einleiten will.

Für Zündstoff in der Causa Ramos ist gesorgt

Das löst Diskussionen aus, auf Nationalmannschafts-Ebene, bei Real und allen Beteiligten, da er möglicherweise bei seinem achten Großereignis nicht mehr die erste Geige spielen könnte.

Mit Argusaugen werden somit die Entwicklungen der nächsten Wochen und Monate beobachtet, wann Ramos wieder fit wird und wie es bei Real und Spanien weitergeht. Nach seiner neuerlichen Verletzung meldete sich der Abwehrrecke über Social Media zu Wort, wie es mit ihm weitergeht:

"Die Wahrheit ist, dass ich ein paar harte Wochen hinter mir habe. Ein Eingriff ist immer eine sportliche und emotionale Pause. Zum Glück geht es mir seit ein paar Tagen wieder besser, aber wie im Leben spielt auch im Fußball das Pech eine Rolle", schreibt er über seine neuerliche Zwangspause aufgrund der Wadenverletzung.

Daran, dass Ramos trotzdem noch imstande ist, Top-Leistungen auf höchstem Niveau zu bringen, zweifeln die wenigsten. Entscheidend ist jedoch wie Real und Spanien zu ihrem Kapitän stehen. Für Zündstoff ist gesorgt.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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