Atleticos Minimalismo

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Minimalismo. Während der FC Barcelona und Real Madrid für Spektakel stehen, reduziert sich Atletico Madrid auf das Nötigste.

Erfolg hat die Mannschaft von Diego Simeone damit jedoch allemal. In der Champions League noch mit dabei und in La Liga zwar acht Zähler hinter Barca, dafür aber einen vor dem Stadtrivalen.

Und wie das bei Minimalisten eben so ist, gehen die „Colchoneros“ voller Stolz auf ihre defensive Stabilität ins Derbi Madrileno, blicken gleichzeitig jedoch ein wenig sorgenvoll auf ihre Offensive.

REAL MADRID GEGEN ATLETICO MADRID, SA., AB 15:30 UHR, BEI LAOLA1.tv und A1 TV

Die beste Defensive Europas

Doch zunächst das Positive. Seit 313 Pflichtspielminuten hat Atletico keinen Gegentreffer mehr kassiert. Überhaupt treffen ihre Gegner in der Meisterschaft im Durchschnitt nur 0,44 Mal pro Partie.

Mit lediglich elf Gegentreffern ist die Simeone-Truppe die defensiv beste aller Klubs der Top-Ligen Europas. Nur der FC Bayern hat genauso wenige Gegentore kassiert, allerdings drei Partien weniger bestritten.

Oblaks Verdienst

Das ist nicht zuletzt der Verdienst von Jan Oblak. 16 Mal hat der slowenische Keeper in der laufenden La-Liga-Saison zu Null gespielt. In sieben CL-Partien hielt er fünf Mal sein Tor sauber und musste nur drei Gegentreffer hinnehmen.

 

Kein Wunder, dass der 23-Jährige erst Ende Februar mit einem neuen Vertrag belohnt wurde. Sein neuer Kontrakt läuft bis Sommer 2021. Und damit auch kein Klub auf die Idee kommt, den Keeper zu verpflichten, wurde eine Ablösesumme von 100 Millionen Euro festgeschrieben.

„Er hat uns Thibaut Courtois vergessen lassen. Er ist einer der besten Tormänner der Welt“, sagt Paulo Futre, der selbst jahrelang für Atletico gespielt hat.

Zu Beginn von Oblaks Laufbahn in der Hauptstadt hätte niemand gedacht, dass solch ein Zitat einmal zu hören sein wird. Für 16 Millionen Euro wurde der Goalie im Sommer 2014 von Benfica verpflichtet.

Der schwierige Start

Anstatt den zu Chelsea zurückgekehrten Belgier Courtios zu ersetzen, gab es zunächst aber Probleme. Wegen einer Verletzung konnte der Slowene Teile der Vorbereitung nicht mitmachen, danach fand er sich auf der Ersatzbank hinter Miguel Angel Moya wieder.

 

Als Moya im CL-Achtelfinale gegen Leverkusen verletzt ausgewechselt werden musste, sprang Oblak ein und rettete im Elferschießen den Aufstieg. Danach gab es nie wieder Diskussionen um das Einserleiberl bei den „Colchoneros“. Atletico verlor in La Liga unter Oblak nur noch ein Spiel, sieben von elf Partien beendete er ohne Gegentreffer.

In der laufenden Saison darf Moya nur noch in der Copa del Rey ran, die Meisterschaft und die Königsklasse sind Oblaks Spielwiesen. Im slowenischen Nationalteam ist er trotzdem nur die Nummer zwei hinter Inters Samir Handanovic – obwohl Oblak zu Sloweniens Fußballer des Jahres 2015 gewählt wurde.

Die wankelmütige Offensive

So stark sich das Bollwerk Defensive auch präsentiert, so wankelmütig ist die Offensive. Nur 1,28 Tore gelingen im Schnitt pro Meisterschaftsspiel. Antoine Griezmann ist mit seinen zwölf Treffern der erfolgreichste Goalgetter, in der Torschützenliste von La Liga aber gerade einmal auf dem elften Rang.

 

Hinter dem Franzosen sieht es überhaupt trist aus. Fernando Torres hat vier Tore erzielt, Koke und Yannick Ferreira Carrasco halten bei drei Treffern. Folgerichtig hat Atletico in der laufenden Saison schon sechs Meisterschaftspartien 1:0 gewonnen. Klassischer Minimalismo.

"Das Tor wird schon kommen"

Zuletzt hat es aber auch mit dem einen Tor nicht mehr klappen wollen. 0:0 gegen Villarreal, 0:0 gegen PSV Eindhoven – seit 269 Minuten durften die Atletico-Fans keinen Treffer mehr bejubeln.

„Als ich meinen Lauf hatte, sind die Tore einfach so gekommen. Es gibt gute Zeiten und es gibt schlechte Zeiten. Wichtig ist, dass man dem Team dann eben auch mit anderen Dingen hilft, die vielleicht nicht so hervorstechen. Aber natürlich will ich wieder treffen, ich mache mir jedoch keinen Kopf“, sagt Griezmann, der seit einem Monat auf ein Pflichtspieltor wartet.

Simeone versucht, den Druck von den Schultern der Offensivkräfte zu nehmen: „Das Tor wird schon kommen. Wir müssen es nur weiter versuchen. Wenn es darum geht, geduldig zu sein, bin ich die Nummer eins.“

Meistens funktioniert er ja, Atleticos Minimalismo.

Harald Prantl

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Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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