Hütter: "Wir haben es absolut verdient geschafft"

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Das Wort "veryoungboysen" war in den letzten Jahren in der Schweiz und teilweise darüber hinaus zum geflügelten Wort geworden.

Die Kunst große Chancen auf große Erfolge noch zu vergeben hatte den BSC Young Boys verfolgt.

Mal verlor man ein Pokalfinale trotz zweimaliger Führung, dann schied man gegen einen Fünftliga-Klub aus und in den vergangenen Spielzeiten wurde man in der Meisterschaft nur deshalb Zweiter oder Dritter, weil der Klub die Punkte gegen vermeintlich einfache Gegner liegen ließ.

Am 28. April 2018 spricht niemand vom "veryoungboysen", sondern nur vom ersten Meistertitel nach 32 Jahren.

"Ich freue mich, dass wir den Fluch und dieses Wort speziell in diesem Jahr hinter uns gelassen haben. Ich denke nicht nur, ich weiß, dass wir absolut verdient Schweizer Meister geworden sind", sagt ein bereits bierdurchtränkter YB-Trainer nach dem Schlusspfiff im Spiel gegen Luzern im SRF-Interview.

So dramatisch die Berner es in der Vergangenheit oft vergeigt hatten, so kitschig haben sie an diesem Abend gewonnen und sich verdient zum zwölften Mal die Meisterkrone aufgesetzt.

Leidgeprüfter Keeper rettet Meisterparty

Trotz drückender Überlegenheit gingen die Gäste in Führung, ehe Guillaume Horeau per Elfmeter ausgleichen konnte (52.). In Minute 76 stand die Meisterfeier kurz vor der Absage, doch Marco Wölfli parierte in überragender Manier einen Luzern-Strafstoß von Valeriane Gvilia.

Jener Wölfli, der seit 2003 beim Verein spielt und alle bitteren Niederlagen in den vergangenen Jahren mitmachen musste, ebnete den Weg zur Erfüllung des großen Traums an diesem Abend. "Er hat uns die letzte Kraft gegeben", sagt Hütter.

Danach war es einem Einwechselspieler vorbehalten, das Stade de Suisse an diesem Abend in totale Ekstase zu versetzen. Jean Pierre Nsame knallte den Ball in der 89. Minute nach Horeau-Vorlage ins Netz. 15 Minuten davor war er von Hütter eingewechselt worden.

Noch in der Hinrunde traf er nach Belieben, im Frühjahr musste der Kameruner aber mit der Rolle auf der Ersatzbank vorlieb nehmen. Er steht stellvertretend für die Stärke des gesamten Teams und die Fähigkeiten des Cheftrainers, den gesamten Kader bei Laune zu halten.

Schick: "Haben gesagt: Wer sich nicht arrangiert, soll weg"

"Wir haben von Anfang an gesagt: Wer den Weg mitgehen will, der soll bleiben. Wenn sich jemand nicht damit abfinden kann, dass er vielleicht nicht viel spielt, der soll weg. Es geht nur über das Kollektiv und Jean Pierre ist das beste Beispiel dafür", sagt Thorsten Schick, der nach den Stationen Gratkorn, Admira, Altach und Sturm über seinen ersten Titel jubeln darf.

Auch der Grazer hat sich mit der Jokerrolle bestens arrangieren können. Obwohl er zu Beginn seiner Zeit in Bern kritisiert wurde, war immer dann zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. Adi Hütter, der ihn aus der gemeinsamen Zeit in Altach kennt, weiß, was er am rechten Mittelfeldspieler hat.

Für Hütter ist es nach den Meisterschaften in Grödig und Salzburg der dritte Triumph in seiner Trainerhistorie, aber mit Sicherheit der bedeutendste. "Es ist etwas ganz Besonderes und hat einen unglaublich schönen Platz in meinem Herzen", sagt Hütter, der nach seinem Amtsantritt im September 2015 wusste, woran es bei seinem neuen Arbeitgeber mangelt.

"YB ist ein wunderbarer Verein, aber als ich begonnen habe, war der fehlende Hunger auf Erfolg das, was mich am meisten gestört hat", sagte er einmal. Er hat diesen Hunger nach Bern gebracht.

Vielleicht wird ja irgendwann auch einmal "hüttern" in den Schweizer Sprachgebrauch aufgenommen.


Textquelle: © LAOLA1.at

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