Armin Mujakic: Weltenbummler ist nichts Schlechtes

 

Der Fußball in aller Welt leidet unter der Corona-Krise.

In Südkorea musste der Saison-Auftakt schon vor einigen Wochen verschoben werden. Davon betroffen war und ist mit Armin Mujakic auch ein ÖFB-Legionär, der erst im Jänner den Sprung nach Asien gewagt und beim Zweitligisten Chungnam Asan unterschrieben hat.

2018 verließ der Stürmer nach fünf Bundesliga-Einsätzen den SK Rapid Wien und durfte sich bei Atromitos Athen unter dem früheren Hütteldorfer Trainer Damir Canadi beweisen. Nach einem unglücklichen Zwischenstopp in Belgien folgte der Schritt nach Südkorea.

Im LAOLA1-Interview gibt Mujakic ein Corona-Update, erzählt jedoch vor allem aus seinem Leben als Weltenbummler und freut sich über einen in Österreich gut bekannten Weggefährten in Asan, nämlich den schwedischen Stürmer Philip Hellqvist.

In diesem Text finden sich auch zwei Videos - in einem spricht der 25-Jährige über die aktuelle Corona-Situation, im anderen über sein Südkorea-Abenteuer.

Darin finden sich auch jeweils Bewegtbilder, die uns freundlicherweise seine Freundin Antonia zur Verfügung gestellt hat - ihren kompletten, sehenwerten Beitrag über die ersten Südkorea-Eindrücke findet ihr hier.

LAOLA1: Das Thema Coronavirus hält die Welt in Atem. In Südkorea war man schon eine Spur früher damit konfrontiert, im Fußball musste der Saisonauftakt verschoben werden. Wie ist die aktuelle Lage?

Armin Mujakic: In Südkorea ist es nach wie vor Thema, bei uns gibt es mittlerweile rund 8000 Infizierte. Zu Beginn meiner Zeit hier habe ich nicht viel mitbekommen, es wurde sehr wenig Wirbel um den Virus gemacht. Wir waren für zwei Monate auf Trainingslager im Süden von Südkorea – in den kleinen Dörfern und Städten, in denen wir uns aufgehalten haben, haben die Menschen nicht einmal Masken getragen. Die Situation hat sich dann Ende Februar zugespitzt.

LAOLA1: Inwiefern?

Mujakic: Die Zahl der Infizierten ist sehr stark angestiegen. Das war auch in der Stadt Cheonan, wo ich meine Wohnung bezogen habe, zu merken. Die Cafes und Restaurants hatten ganz komische Öffnungszeiten. Eine Stadt mit 600.000 Einwohnern hat sehr verlassen gewirkt.

LAOLA1: Wie ist der Verein damit umgegangen?

Mujakic: Als in Asan der erste Infizierte vermeldet wurde, hat auch der Verein Vorkehrungen getroffen. Wir haben die Sportstätte gewechselt. Wir sind dann immer vom Stadion mit dem Bus in ein Dorf gefahren, um dem Virus aus dem Weg zu gehen.

"An und für sich habe ich in den letzten Tagen hier eine Besserung bemerkt. Ich habe das Gefühl, dass sich das Ganze jetzt etwas normalisiert."

Mujakic zur Corona-Situation

LAOLA1: Ortest du eine Besserung der Lage?

Mujakic: An und für sich habe ich in den letzten Tagen hier eine Besserung bemerkt. Ich habe das Gefühl, dass sich das Ganze jetzt etwas normalisiert. Die Menschen sind sehr vorsichtig, alle tragen Masken – mich inkludiert. An jeder Ecke, in jedem Lokal oder Restaurant, gibt es Desinfektionsmittel.

LAOLA1: Logisch, dass du dir die Anfangszeit in Südkorea anders vorgestellt hast. Generell ist es ja ein sehr spannender Transfer. Wie ist er überhaupt zustande gekommen?

Mujakic: Der Manager, der mich zu Chungnam Asan gebracht hat, und ein Scout von Ulsan Hyundai waren im Stadion, als ich mit Atromitos gegen PAS Giannina gespielt habe. Das war mein erster Startelfeinsatz für Atromitos. Für meine Begriffe habe ich sehr gut gespielt, was den beiden auch aufgefallen ist. Das ist mittlerweile eineinhalb Jahre her. Seither haben der Manager und ich Kontakt. Er hat mich immer wieder gefragt, ob ich mir einen Wechsel nach Südkorea vorstellen kann. Das habe ich bejaht, aber gleichzeitig immer wieder klar gemacht, dass ich den damaligen Zeitpunkt nicht gut finde.

LAOLA1: Warum nicht?

Mujakic: Weil ich 23 Jahre alt und bei Atromitos sehr glücklich war. Danach verging die Zeit. Nach dem Trainerwechsel bei Atromitos weg von Damir Canadi habe ich den Vertrag in Athen aufgelöst und bin in Belgien bei Lommel gelandet. Dort hatte ich eine sehr schwere Zeit. Der Manager hat gesehen, dass ich nicht zum Einsatz komme und hat mich gefragt, wie es in der Wintertransferperiode ausschaut, ob ich nach Südkorea kommen würde? Ich habe mir mit meiner Familie und meiner Freundin intensive Gedanken darüber gemacht und mich dann im Endeffekt dafür entschieden.

"Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass ich der erste ausländische Spieler von Chungnam Asan bin, was mich sehr, sehr glücklich macht. Der zweite ist mit Philip Hellqvist übrigens ein alter Bekannter aus Österreich."

LAOLA1: Was gibt es über den Verein Chungnam Asan zu berichten?

Mujakic: Chungnam Asan befindet sich im Umbruch. Seit diesem Jahr ist es ein eigenständiger Verein, der Spieler kaufen und verkaufen darf, so wie es der Präsident oder Sportdirektor des Vereins eben wollen. Bis zu diesem Jahr war es ein Kooperationsverein für das Militär, in dem nur südkoreanische Profis spielen konnten, die gerade beim Heer sind. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass ich der erste ausländische Spieler von Chungnam Asan bin, was mich sehr, sehr glücklich macht. Der zweite ist mit Philip Hellqvist übrigens ein alter Bekannter aus Österreich, der in Wiener Neustadt und beim WAC gespielt hat.

LAOLA1: Es ist anzunehmen, dass es für dich nicht schlecht ist, mit Hellqvist einen zweiten Legionär im Kader zu haben.

Mujakic: Ich bin sehr froh. Er ist ein lässiger Typ, der immer einen Schmäh drauf hat und mich immer wieder zum Lachen bringt. Diese Worte könnten jetzt aus einer Liebeskomödie sein (lacht). Nein, Spaß beiseite: Er hat seine Qualitäten, die dem Verein sicher weiterhelfen werden. Und mir tut er im Verein wirklich gut, da die Sprachbarriere mit den Koreanern immens ist. Keiner meiner koreanischen Teammitglieder kann Englisch. Deswegen bin ich sehr froh, dass ich neben meinem Dolmetscher auch mit Philip ab und zu ein Wort wechseln kann.

LAOLA1: Deine erste Station als Legionär war in Griechenland. Wie würdest du die Zeit bei Atromitos einschätzen?

Mujakic: Als sehr schön und sehr lehrreich. Bei Atromitos unter Damir Canadi bin ich als Mensch und Spieler gewachsen. Ich finde, dass ich mich sehr weiterentwickelt habe. Ich habe auch viele Spiele gemacht. Im zweiten Jahr wollte ich alles, was ich im ersten gelernt habe, umsetzen und absoluter Stammspieler werden. Das wurde mir durch den Trainerwechsel verwehrt. Der neue Trainer hat meinen Spielertyp nicht gebraucht. Das habe ich angenommen und akzeptiert, da ich finde, dass so etwas im Fußballgeschäft absolut normal ist und immer wieder passiert. Also bin ich auf Vereinssuche gegangen und schließlich bei Lommel in der zweiten belgischen Liga gelandet. Diese Entscheidung bereue ich im Nachhinein.

"Als Kind hätte ich es nicht angestrebt, Weltenbummler zu sein. So ist das Leben, man weiß nie, wo es einen hinverschlägt."

LAOLA1: Was ist schiefgelaufen?

Mujakic: Viele Entscheidungen waren sehr politisch. Außerdem war ich noch nicht in der besten körperlichen Verfassung, als ich hingekommen bin. Ich hatte erst wenige Trainings absolviert und wurde dann gegen Beerschot gleich 90 Minuten lang eingesetzt. Wir haben 0:2 verloren, und nach dieser Partie war für den Verein irgendwie schon klar, dass ich als Spieler nicht gut genug für Lommel und für die Liga sei, was ich absolut nicht verstehen kann. Schließlich wussten sie, dass ich körperlich noch Aufholbedarf hatte. Aber okay, schlussendlich hat es den Wechsel nach Südkorea ermöglicht.

LAOLA1: Griechenland, Belgien, Südkorea – darf man dich schon als Weltenbummler bezeichnen?

Mujakic: Als Kind hätte ich es nicht angestrebt, Weltenbummler zu sein. So ist das Leben, man weiß nie, wo es einen hinverschlägt. Meine Karriere führt gerade in diese Richtung, und ich bin auch sehr zufrieden und glücklich damit, wie es gerade verläuft. Ich bin bei einem Verein mit einem super Umfeld, der sehr, sehr gut geführt ist und unbedingt in die erste Spielklasse kommen will. Wenn mich die Leute Weltenbummler nennen, finde ich nichts Schlechtes daran. Ich habe in Griechenland genau so viel Griechisch mitbekommen, dass ich mir im Urlaub dort einen Cafe bestellen kann – und vermutlich werde ich nach meiner Zeit in Südkorea in asiatischen Restaurants nie wieder nach einer Gabel fragen (lacht).

Textquelle: © LAOLA1.at

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