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Estrada: Meister nach Premier-League-Abschied

Um im Erwachsenenfußball Fuß zu fassen, ging ÖFB-U21-Teamspieler Pascal Estrada von Wolverhampton zu Olimpija Ljubljana. Eine meisterliche Entscheidung.

Estrada: Meister nach Premier-League-Abschied Foto: © NK Olimpija Ljubljana

Pascal Estrada muss man derzeit nicht fragen, wie es ihm geht.

"Diese Frage erübrigt sich tatsächlich", grinst der ÖFB-U21-Teamspieler im Gespräch mit LAOLA1, "vermutlich kann man sich denken, dass ich derzeit jeden Tag mit guter Laune aufstehe."

Dafür gibt es auch guten Grund.

Schließlich kürte sich der Oberösterreicher mit Olimpija Ljubljana unlängst zum slowenischen Meister, die Chance aufs Double lebt, und am vergangenen Sonntag gelang ihm auch noch sein erstes Liga-Tor.

Kurzum: Der Entschluss, Premier-League-Verein Wolverhampton im vergangenen Sommer zu verlassen, hat sich bezahlt gemacht.

Estradas erstes Saison-Tor beim 2:2 auswärts bei ND Gorica:

Traum-Szenario: Meister im Gipfel-Treffen

Das Meisterstück in der Prva Liga gelang bereits Mitte April fünf Runden vor Schluss im Gipfel mit Verfolger Maribor.

"Das war für uns ein Traum-Szenario, zu Hause gegen den von den Städten her größten Rivalen und Titelverteidiger Meister zu werden. Das war unglaublich", freut sich Estrada.

Wie man sich eine Meisterfeier in Sloweniens Hauptstadt vorstellen kann?

"Es war ein bisschen ruhiger, als man sich das erwarten würde, weil ja doch noch fünf Runden zu spielen waren", erzählt der 21-Jährige, "wir haben am Mittwoch noch das Cup-Halbfinale. Wir sind also noch nicht ganz fertig. Dementsprechend war die Meisterfeier zwar schon ausgiebig, hat sich aber noch in Grenzen gehalten. Die großen Emotionen kommen noch, nach der letzten Partie gibt es die richtige Feier."

Im Idealfall darf man sich dann Double-Gewinner nennen: "Wenn du die Chance auf zwei Titel hast, ist der Cup schon etwas Wichtiges und Großes für uns."

Zeit für Erwachsenenfußball

Es ist anzunehmen, dass vergangenen Sommer nicht jeder verstanden hat, warum der Innenverteidiger aus England nach Slowenien gewechselt ist.

Aus heutigem Blickwinkel habe er mit diesem Schritt jedoch "sehr, sehr viel richtig" gemacht: "Es ist leicht zu argumentieren, warum es der richtige Schritt war. Es ist Zeit geworden, in den Erwachsenenfußball einzusteigen."

Mit Wolverhampton im Duell mit Armando Broja von Chelsea
Foto: © getty

Im Jänner 2022 erläuterte Estrada im LAOLA1-Interview, dass Plan A natürlich sei, sich bei Wolverhampton durchzusetzen, es aber eventuell Plan B brauchen würde, um sich auf Profi-Ebene zu etablieren.

"In Wolverhampton war ich an der Grenze zum Erwachsenenfußball. Ich habe bei den Profis trainiert, aber es wäre ganz schwer gewesen, dort Spielpraxis zu sammeln."

Klare Meister-Ambitionen mitentscheidend

Im Training mit der ersten Mannschaft würde man ein Gefühl entwickeln, "ob es Thema sein wird, dass du wirklich Spiele machst. Das war für mich vorerst ein zu großer Sprung. Es ist natürlich schön und gut, dass ich im Training dabei war und es hat auch Spaß gemacht, aber ich habe in Wolverhampton keine realistische Möglichkeit gesehen, in einer Saison um die 30, 35 Spiele zu absolvieren, was in meinem Alter aber extrem wichtig ist."

Mit Olimpija Ljubljana habe sich eine super Möglichkeit ergeben: "Dass es im Nachhinein so gut aufgeht, konnte ich mir damals jedoch nur wünschen. Aber umso besser, dass die erste Saison so gut verlaufen ist."

Estrada hält bei 34 Pflichtspielen und führt die Ambitionen des Vereins als einen wichtigen Grund an, warum er sich für diesen Wechsel entschieden habe:

"Es ist von Anfang an klar kommuniziert worden, dass man in dieser Saison Meister werden möchte. Das entspricht auch meinem Charakter."

Ein spanischer Trainer mit England-Erfahrung

Ein weiterer ausschlaggebender Punkt sei Trainer Albert Riera gewesen.

Der Spanier kickte einst in der Premier League bei Manchester City und dem FC Liverpool, später ließ er seine Karriere in Slowenien ausklingen.

"Es ist natürlich schön, dass wir viele Spiele gewinnen, aber die Art und Weise spricht noch einmal für sich. Die Dominanz, die wir ausstrahlen, und sein Plan vom Fußball waren entscheidend."

Pascal Estrada

"Wir haben uns nicht persönlich gekannt, aber er kennt natürlich die englische Spielkultur, dadurch hatten wir einen guten Zugang zueinander. Er ist ein paar Tage vor mir nach Ljubljana gekommen und hat mir das Gefühl gegeben, dass er mich unbedingt will. Das war ebenso ausschlaggebend wie die Art und Weise, wie er Fußball spielen lässt."

Estrada konkretisiert: "Man hat die ganze Saison über gesehen, dass wir eine unglaubliche Entwicklung genommen haben und die Gegner auch dominieren. Es ist natürlich schön, dass wir viele Spiele gewinnen, aber die Art und Weise spricht noch einmal für sich. Die Dominanz, die wir ausstrahlen, und sein Plan vom Fußball waren entscheidend."

Zeit fürs erste Vereins-Tor

Eingangs erwähnter Treffer rundet auch die persönliche Entwicklung im ersten Jahr Erwachsenenfußball ab.

Denn der Abwehrspieler hat nicht nur das Thema Toreverhindern auf der Agenda. Zuletzt schrieb er schon im U21-Nationalteam mit einem Doppelpack gegen Moldawien an.

"Im Nationalteam habe ich Gott sei Dank schon getroffen, jetzt ist es auch echt Zeit geworden für mein erstes Saison-Tor", schmunzelt Estrada und verdeutlicht, dass dies ein konkretes Ziel war:

"Das Wichtigste ist natürlich, defensiv die Standardsituationen wegzuköpfeln. Ich denke, das mache ich schon richtig gut. Für mich war der nächste Schritt, in dieser Saison offensiv gefährlich zu werden. Ich merke, es wird immer besser, aber natürlich habe ich noch Luft nach oben."

Zwei ÖFB-Innenverteidiger bei Olimpija

Estrada ist übrigens nicht der einzige Österreicher, der mit Ljubljana Meister wurde. Genau gesagt ist er nicht einmal der einzige rot-weiß-rote Innenverteidiger im Kader.

Mateo Karamatic, der einst in der Akademie des FC Red Bull Salzburg tätig war, schaffte im Sommer via NK Osijek den Sprung zu Olimpija und stand am Weg zum Meistertitel in 19 Liga-Spielen auf dem Platz.

"Wir verstehen uns extrem gut. Wir haben uns vorher nicht gekannt, da er ein Jahr älter ist und wir in der Akademie nie gegeneinander gespielt haben. Er hat mir gerade am Anfang viel geholfen, auch wegen der Sprach-Barriere."

Obwohl beide Innenverteidiger sind, sieht Estrada nicht den klassischen Konkurrenzkampf: "Er ist ein Linksfuß, ich bin ein Rechtsfuß, also ergänzen wir uns sehr gut und kommen uns Gott sei Dank nicht so in die Quere. Wir sind sehr stolz, dass wir gemeinsam als Österreicher im Ausland etwas bewirken und Meister werden konnten."

Die aktuelle Saison vergolden

Wie geht es nach der Saison für Estrada weiter? Der Vertrag des Sohns des früheren Profi-Fußballers Mario Mühlbauer läuft bis Sommer 2024, ein Jahr vor Vertragsende wäre ein klassischer Verkaufs-Zeitpunkt.

Aktuell geht die Tendenz zum Verbleib: "Meine Gedanken drehen sich um die Champions-League-Qualifikation. Das ist extrem reizvoll und genau das, wo jeder Fußballer hin will. Ich möchte diese Saison vergolden."

"Natürlich hoffe ich, dass es nicht die Endstation ist, sondern weiter nach oben geht."

Pascal Estrada

Dass Olimpija Ljubljana jedoch mittelfristig ein Sprungbrett für Estrada sein soll, haben Verein und Spieler schon bei der Verpflichtung so kommuniziert.

"Natürlich hoffe ich, dass es nicht die Endstation ist, sondern weiter nach oben geht. Wohin, muss man dann schauen. Was jetzt zählt, ist, dass sich dieser Schritt positiv bewährt hat. Es war richtig, nach der Zeit in England ins Ausland zu gehen und im Profi-Fußball Fuß zu fassen."

FIFA mit Elias Scherf

Der Sprung ins U21-Nationalteam gelang nach dem Wechsel zu Olimpija. In der Elf von Teamchef Werner Gregoritsch glänzte Estrada zuletzt nicht nur als Torschütze, sondern auch als Protagonist einer Doku über den letzten Lehrgang.

Dabei lieferte er sich unter anderem ein FIFA-Duell mit Torhüter Elias Scherf, das er letztlich für sich entschied.

Estrada ist wahrlich niemand, der diesen Triumph sehr auskostet, aber auf die Frage, ob er bei Olimpija härtere FIFA-Konkurrenz als den Amstetten-Goalie vorgefunden habe, gibt es nur eine Antwort:

"Wahrscheinlich spielt ganz Ljubljana besser als er. Es dürfte nicht schwer sein, jemanden zu finden, da kannst du vermutlich jeden nehmen. Aber gut, er kann ja jetzt bis zum nächsten im Juni üben. Dann wird es spannend."

Grinsender Nachsatz: "Wobei, nein, spannend wird es bestimmt nicht."

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