Lazios Goldjunge Milinkovic-Savic mit GAK-Wurzeln

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Claudio Lotito hat ein Grinsen im Gesicht, wenn er an den 13. April 2017 denkt. An diesem Tag hat Sergej Milinkovic-Savic seinen neuen Vertrag bei Lazio Rom unterschrieben.

Das mag auf den ersten Blick nicht weiter spektakulär klingen. In diesem konkreten Fall wird das Kleingedruckte bzw. das, was dort nicht steht, dem Römer Verein wohl viel mehr Geld bringen, als es sich der Lazio-Boss vor rund einem Jahr zu erträumen gewagt hat.

Das bis Sommer 2022 gültige Arbeitspapier des Serben beinhaltet nämlich keine Ausstiegsklausel und keine festgeschriebene Ablösesumme. In den vergangenen zwölf Monaten haben sich zweierlei Dinge sehr zum Wohlgefallen Lotitos entwickelt: Die Ablösesummen sind explodiert und Milinkovic-Savic ist gleichzeitig zu einer der heißesten Transferaktien geworden.

Die Top-Klubs stehen Schlange

„Wenn ich der Sportdirektor irgendeines europäischen Top-Klubs wäre, wäre Sergej Milinkovic-Savic der erste Spieler, den ich verpflichten würde“, sagte Leonardo, ehemaliger Sportlicher Leiter von PSG und Milan, im Sommer.

Diesen Gedanken haben mittlerweile so ziemlich alle Entscheidungsträger von München über Madrid bis Manchester aufgegriffen. Der FC Bayern, Real Madrid, Manchester United, Liverpool, Paris St. Germain, Juventus Turin, Manchester City,… - die Liste der Vereine, die angeblich um die Dienste des 23-Jährigen buhlen, liest sich wie der Lostopf eines Champions-League-Viertelfinals.

"Wenn er gesund bleibt, kann er der kompletteste Spieler auf diesem Planeten werden!"

Manager Mateja Kezman

In Italien gilt es praktisch als fix, dass der Mittelfeldspieler im Sommer den Transferrekord bricht. 105 Millionen Euro hat Manchester United im Sommer 2016 an Juventus Turin überwiesen, um Paul Pogba zu verpflichten. Noch nie wurde ein Serie-A-Spieler um so viel Geld verkauft.

Der französische Superstar hat mit Mino Raiola einen Manager an seiner Seite, der große Töne spuckt, sobald ein Mikrofon in seiner Nähe ist. Mateja Kezman, der Milinkovic-Savic betreut, tut es dem in den Niederlanden aufgewachsenen Schwergewicht gleich, sobald es um seinen wertvollsten Schützling geht.

„Ich respektiere Pogba wirklich, aber ich denke, Sergej hat andere und bessere Qualitäten als Pogba. Sergej hat in den letzten sechs Monaten eine enorme Entwicklung genommen. Wenn er gesund bleibt, kann er der kompletteste Spieler auf diesem Planeten werden. Er hat das Ballgefühl eines Brasilianers und einige Dinge, die mich an Zinedine Zidane erinnern. Er könnte schon bald ein Kandidat für den Weltfußballer-Titel werden“, tönt der Ex-Profi.

Was auf den ersten Blick nach maßlosen Übertreibungen klingt, hat einen wahren Kern. Der serbische Internationale, der kurioserweise erst zwei Länderspiele auf dem Buckel hat, hat sich in dieser Saison tatsächlich zum dominierenden Box-to-Box-Spieler der Serie A entwickelt.

VIDEO: Milinkovic-Savic mit Doppelpack gegen Chievo:

(Artikel wird unter dem Video fortgesetzt)


Der „Sergente“ ist eine Erscheinung. Mit einer Körpergröße von 1,91 Metern überragt der Blondschopf seine Konkurrenten und ist dennoch so weit davon entfernt, am Ball nur irgendwie hüftsteif zu wirken, wie Rom von geordneten politischen Verhältnissen.

Milinkovic-Savic ist technisch hochbegabt, gewinnt dank seiner Körpergröße praktisch jedes Kopfballduell, trifft im finalen Drittel des Spielfeldes zumeist die richtige Entscheidung, stellt seine Schusskraft mit regelmäßigen Weitschusstoren unter Beweis und erobert in der Defensive zahlreiche Bälle.

Schwächen? Keine!

So sehr die Experten des Calcio über „SMS“ schwärmen, bei einem Thema verstummen sie alle – wenn es um die Schwächen des Shootingstars geht. Er hat nämlich trotz seines jungen Alters keine nennenswerten Defizite. Einzig die Passquote des Serben ist noch ein wenig ausbaufähig. „Ich bin noch jung, ich darf Fehler machen“, entgegnet er.

Bei Lazio hat Trainer Simone Inzaghi – abhängig vom System – zwei Positionen für seinen Schlüsselspieler vorgesehen. Im 4-3-3 spielt Milinkovic-Savic neben Lucas Leiva und Marco Parolo auf der rechten Position der zentralen Dreierkette, im 3-5-2 gegen vornehmlich schwächere Gegner spielt er als Zehner hinter den beiden Spitzen.

Sergej mit Papa Nikola Milinkovic
Foto: © GEPA

Der Umstand, dass der 23-Jährige schon so früh ein dermaßen kompletter Kicker ist, hat nicht zuletzt mit den verschiedenen Schulen, die der Serbe schon durchlaufen hat, zu tun.

Seine ersten fußballerischen Gehversuche unternahm der Mann, der mit Serbien U19-Europameister und U20-Weltmeister wurde, in der Steiermark. Sein Vater Nikola spielte nämlich von 2001 bis 2004 beim GAK, also schnürte sein Sohnemann ebenfalls im Nachwuchs der „Rotjacken“ die Schuhe. Sein um zwei Jahre jüngerer Bruder Vanja, aktuell Ersatztormann beim FC Torino, übrigens ebenfalls.

„Sobald ich meine ersten Schritte gemacht habe, habe ich gegen den Ball getreten. Ich habe gesehen, was mein Vater getan hat, und wollte so wie er sein“, sagt der Sohn des ehemaligen Spanien-, Portugal- und Österreich-Legionärs. Mama Milana Savic war zu ihrer Zeit übrigens eine der besten Basketballerinnen Jugoslawiens.

Nach der Zeit beim GAK wechselte Milinkovic-Savic in den Nachwuchs des FK Vojvodina Novi Sad. Der Legende nach sah sich Mateja Kezman nur zehn Minuten eines Trainings an, um den Entschluss zu fassen, der Manager des Talents werden zu wollen. Nach nur einem Halbjahr bei den Profis in der serbischen SuperLiga verließ das Talent den Klub und wechselte nach Belgien.

Kurios: Bereits im Sommer davor war Rapid drauf und dran, den Youngster für nur 100.000 Euro zu kaufen, 2.400 Euro wären als monatliches Gehalt fällig gewesen. Der damalige Amateure-Trainer Zoran Barisic war sich mit dem Spieler bereits einig, der Wechsel scheiterte aber am Okay der SCR-Führungsriege, das Investment zu tätigen.

"Es tut mir leid, aber ich kann nicht. Ich kann wirklich nicht!"

Milinkovic-Savic vor dem Med-Check in Florenz

Beim KRC Genk benötigte der Youngster ein halbes Jahr, um Stammspieler zu werden. Ein halbes Jahr später kehrte er dem Verein schon wieder den Rücken. Dennoch möchte er die Zeit in der belgischen Liga nicht missen: „Es war ein Schlüsseljahr in meiner Entwicklung. Der Fußball in Belgien ist hart und körperlich anspruchsvoll. Die Aggressivität, die Luftduelle,… Es gibt eine Menge starker Spieler dort, deshalb ist die Liga perfekt, um als junger Spieler härter zu werden und sich zu verbessern.“

Keinesfalls friktionsfrei lief anschließend der Wechsel nach Italien ab. Milinkovic-Savic war im Sommer 2015 bereits in Florenz, um bei der Fiorentina zu unterschreiben, ehe er Sportdirektor Daniele Prade unmittelbar vor dem Medizin-Check mit Tränen in den Augen gestand: „Es tut mir leid, aber ich kann nicht. Ich kann wirklich nicht.“ Der Fiorentina-Manager blies den Wechsel mit folgenden Worten ab: „Wir werden niemanden anbetteln, zu uns zu kommen.“

Die Taktik der Italiener

Am nächsten Tag unterzeichnete der Mittelfeldspieler einen Vertrag bei Lazio. Unter Stefano Pioli wurde er prompt zum Stammspieler. Dennoch wähnte er sich zu anfangs in einer anderen Fußball-Welt: „Es ist unwirklich, wie sehr sich die Italiener auf Taktik fokussieren. Ich habe schon im Vorfeld einige Dinge gehört, aber ich konnte es nicht glauben, bevor ich es selbst gesehen habe. Taktik, Taktik, Taktik! Es ist gut, dass ich so jung hierhergekommen bin, weil ich eine Menge gelernt habe“, sagte er einmal.

Der serbische Fokus auf Technik, die harte belgische Schule und die taktische Finesse der Italiener haben Milinkovic-Savic schon in jungen Jahren zu einem der komplettesten zentralen Mittelfeldspieler Europas gemacht.

Im Sommer wird der Serbe Lazio mindestens 100 Millionen Euro Ablöse einbringen. Klub-Boss Claudio Lotito reibt sich schon die Hände.


Textquelle: © LAOLA1.at

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