"Pirat" Hasenhüttl auf dem Weg nach ganz oben

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Der FC Southampton wurde 1885 im Süden Englands gegründet. Nach langen Jahren in der zweiten und dritten englischen Liga, schafften die "Saints" 1966 erstmals den Sprung in die höchste Liga des Landes.

Das Auf und Ab setzte sich auch nach der Premier-League-Gründung vor der Saison 1991/92 fort und das Team mit der berühmten Nachwuchsakademie stürzte 2009 wieder bis in die Drittklassigkeit ab.

Vor 32 Jahren stand der Klub erstmals an der Spitze der höchsten englischen Liga, am 7. November 2020 gelang dem FC Southampton das Kunststück nun auch erstmals in der Premier League. Mittendrin ein Österreicher - Ralph Hasenhüttl, der in seiner bisherigen Trainer-Karriere nicht nur mit den "Saints" für Furore gesorgt hat. LAOLA1 wirft einen Blick auf die Trainerlaufbahn des Steirers und die aktuelle Situation im Süden Englands.

Erste Station Unterhaching

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Der erfolgreiche Ex-Stürmer Hasenhüttl wechselte schon früh nach dem Ende seiner aktiven Karriere in die Trainerschiene. Bei der SpVgg Unterhaching in der bayrischen Provinz war er erst Nachwuchstrainer, übernahm 2007 kurzfristig als Interimscoach und wurde dann Co-Betreuer von Ex-1860-Trainer-Legende Werner Lorant.

Nach dessen Entlassung wurde er zum Cheftrainer befördert, verpasste im Folgejahr 2009 knapp den Aufstieg in die 2. Bundesliga und scheiterte ein Jahr später an der gestiegenen Erwartungshaltung. Hasenhüttl wurde entlassen, es sollte das einzige Mal für lange Zeit bleiben.

Es geht steil bergauf

Er übernahm im Jänner 2011 wieder eine Mannschaft in der 3. Liga. Mit dem abstiegsgefährdeten VfR Aalen hielt er im ersten Jahr die Klasse und stieg mit der No-Name-Truppe eine Saison später auf. Weiter ging es 2013 nach Ingolstadt, auch dort gelang der sensationelle Aufstieg, aber dieses Mal in die höchste Liga Deutschlands. Hasenhüttl am Ziel seiner Träume? Mitnichten!

Er schaffte mit den "Schanzern" den Klassenerhalt, strebte dann aber erneut nach Veränderung. Der ambitionierte Aufsteiger aus Leipzig klopfte an, perfekt geeignet für Hasenhüttls Spielweise – aggressives Pressing. Sein ehemaliger Ingolstadt-Spieler Lukas Hinterseer beschrieb den Spielstil in einem Interview in der Tageszeitung "Der Standard" wie folgt: "Auf dem Platz wurde gepresst, als gäbe es kein Morgen. Wir waren elf Hunde, die dem Ball nachjagten."

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Ab Juli 2016 also bei RB Leipzig, auch dort war Hasenhüttl erfolgreich, wurde Zweiter hinter den Bayern und schaffte den Einzug in die Champions League. Er wurde mit Top-Klubs in Verbindung gebracht, nahm 2018 dann trotz gültigen Vertrages bei RB eine Auszeit. "Der richtige Schritt", wie er später betonen sollte.

Dann kamen die "Saints"

Hasenhüttl folgte dem Ruf aus Southampton. Wieder ein Klub in akuter Abstiegsnot, für den Steirer bekanntes Terrain.

Ralph Krueger, ein Deutsch-Kanadier, der 1998 sensationell das Eishockey-Team VEU Feldkirch zum Europacup-Sieg coachte und mit dem Schweizer Nationalteanm große Erfolge feierte, ehe er bei den Edmonton Oilers in der NHL arbeitete, war in Southampton Vorstandschef und holte Hasenhüttl als Teammanager nach England. Dort war er nur Insidern ein Begriff und Liverpool-Coach Jürgen Klopp musste auf einer Pressekonferenz erklären, wie der Name des Österreichers richtig ausgesprochen wird ("Hase means rabbit, Hüttl means nothing"). Die Mannschaft hatte zu diesem Zeitpunkt aus 15 Spielen nur neun Punkte geholt, lag auf einem direkten Abstiegsrang.

In der Heimat des Fußballs brauchte das System-Hasenhüttl einige Wochen, um ins Laufen zu kommen. Mit seiner authentischen Art kam er allerdings bei den "Saints" sofort gut an. Schon zu Weihnachten, knappe zwei Monate nach seiner Einstellung, sangen die Anhänger: "Last Christmas, I gave you my heart but the very next day you gave it away. This year, to save me from tears, I'll give it to Hasenhüttl."

Auch sportlich lief es jetzt, schon nach 33 Spieltagen fixierte er mit seinem Team den Klassenerhalt. Ohne teure Transfers im Jänner, mit einer klaren Spielidee und einigen Youngsters aus der hauseigenen Talenteschmiede, die schon Stars wie Gareth Bale hervorbrachte.

Der 25. Oktober 2019

In seine erste volle Saison startete das Team von Hasenhüttl durchwachsen. Nach neun Spieltagen war man nur auf Rang 17 zu finden. Wieder mitten im Abstiegskampf. Doch der 10. Spieltag sollte alles übertreffen. Im Heimspiel gegen Leicester City musste Southampton ein 0:9 einstecken. Die höchste Niederlage in der Geschichte der Premier League.

Hasenhüttl bleibt trotz Rekord-Pleite im Amt, spendete mit seiner Mannschaft den Tageslohn des Spieltags an eine Stiftung und versuchte, sich so wieder mit den Fans zu versöhnen. Auch sportlich folgte eine Reaktion. Der erste österreichische Trainer in der Premier League stabilisierte sein Team und erklärte dem deutschen Fachmagazin "kicker" ein Jahr später: "Ich will auch nicht sagen, dass dieses Resultat notwendig war, aber es war ein gutes Resultat, um Grundlegendes zu verändern."

„Wenn wir es jetzt nicht probieren, wann dann?“

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Das Vertrauen der Klubführung genoss der Trainer weiterhin und so wurde nach der herben Niederlage alles hinterfragt. Die Taktik wurde verändert, zurück zur Viererkette und dem schnellen Umschaltspiel nach Ballgewinn.

Die Umstellung trug Früchte, beim Ausbruch der Corona-Pandemie war seine Mannschaft schon alle Abstiegssorgen los. Gerade die Pause während des ersten Lockdowns in England wurde für Hasenhüttl zum Schlüssel. "Wir haben uns gesagt: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um mehr Risiko-Fußball zu spielen. Wir sind in der Tabelle sicher, können nicht mehr absteigen. Wenn wir es jetzt nicht probieren, wann dann", erklärte der 53-Jährige dem "kicker".

Das Risiko machte sich bezahlt. Die Rückrunde beendete sein Team schon auf dem sechsten Platz, und wurde schließlich Elfter. Doch vor allem die Spielanlage hatte sich verändert, Southampton war keine reine Pressing-Mannschaft mehr, auch mit dem Ball wirkte das Spiel strukturiert und ließ eine klare Spielidee erkennen.

Piraten an der Tabellenspitze

Obwohl der Klub im Vergleich zu vielen Teams in der Premier League verhältnismäßig wenig Geld am Transfermarkt ausgab und immer wieder Nachwuchsspieler einbaute, wurde der Schwung in die aktuelle Saison mitgenommen.

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Am letzten Spieltag vor der Länderspielpause sprang die Hasenhüttl-Elf sogar erstmals in der Vereinsgeschichte an die Premier-League-Tabellenspitze. Für den Trainer kein Grund durchzudrehen: "Nur weil wir jetzt mal zwei Nächte lang auf Platz eins standen, fangen wir nicht an abzuheben. Ich bin eigentlich nicht unglücklich darüber, dass wir jetzt wieder Vierter sind. Für mich ist der Punkteschnitt auch interessanter als die Platzierung. Der liegt bei 2,0 - das hatten wir noch nie."

Für die restliche Saison ist der Southampton-Coach auf alle Fälle optimistisch. Zu stark und stabil präsentiert sich sein Team, dem mit Rückkehrer Theo Walcott auch ein erfahrener Akteur hinzugefügt wurde.

Er sei "gerne auch mal unrealistisch" und kann sich trotz des klaren Ziels Top-Ten-Platzierung auch an ein Mitmischen im Kampf um die Plätze für das internationale Geschäft gewöhnen. Angst vor der finanzstarken Konkurrenz hat Hasenhüttl jedenfalls keine, wie er gegenüber der deutschen Wochenzeitung "Sport Bild" betont: "Wir wollen Piraten sein, die in dieser Saison das Ziel haben, die wohlhabende Elite zu plündern – also die großen Klubs zu schlagen".

Bis jetzt setzen seine Piraten dieses Vorhaben um und könnten dem Ex-Stürmer helfen, in nicht zu ferner Zukunft bei einem absoluten Top-Klub zu landen. Doch Hasenhüttl bremst diese Pläne im "kicker" und meint: "Meine Frau und ich fühlen uns hier pudelwohl, wir lieben Südengland, die Menschen mögen uns. Ich kann mir im Moment wirklich keinen schöneren Job vorstellen."

Sollte sein Team allerdings so weiter performen, wird sein Weg über kurz oder lang zu den Klubs gehen, die er momentan noch als die "wohlhabende Elite" bezeichnet...

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Textquelle: © LAOLA1.at

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