Mertesacker mit heftiger Kritik am Profifußball

Mertesacker mit heftiger Kritik am Profifußball Foto: © getty
 

Etwas mehr als zwei Monate dauert die Karriere von Per Mertesacker noch, dann ist der Weltmeister von 2014 "mit über 30 zum ersten Mal in meinem Leben frei", wie es der 33-jährige Innenverteidiger in einem offenen Interview mit dem "Spiegel" nennt.

Der 1,98-Hüne vom FC Arsenal hat auf Profi-Fußball "keinen Bock mehr", in den letzten Wochen seiner Fußballer-Karriere wolle er "am liebsten auf der Bank, noch lieber auf der Tribüne" sitzen.

Der Frust des 104-fachen DFB-Teamspielers komme dabei vor allem mit dem Druck einher, den der Profifußball mit sich bringt.

Ständige Übelkeit an der Tagesordnung

Die ständige enorme körperliche und mentale Belastung führe sogar so weit, dass sich Mertesacker vor dem Anpfiff "der Magen umdreht, als müsse ich mich übergeben. Ich muss dann einmal so heftig würgen, bis mir die Augen tränen."

Besonders schlimm wurde dieser Druck bei der Heim-WM 2006, als Mertesacker das "Sommermärchen" 21-jährig als Stammspieler erlebte.

"Klar war ich auch enttäuscht, als wir gegen Italien (im Halbfinale, Anm.) ausgeschieden sind, aber vor allem war ich erleichtert. Ich weiß es noch, als wäre es heute. Ich dachte nur: Es ist vorbei, es ist vorbei. Endlich ist es vorbei", wirft der gebürtige Hannoveraner einen Blick zurück.

Zwar seien dem Ex-Werder-Abwehrchef weiterhin die Vorzüge des Fußballer-Lebens bewusst, "aber irgendwann realisierst du, dass alles eine Belastung ist. Dass es null mehr um Spaß geht, sondern dass du abliefern musst, ohne Wenn und Aber. Selbst wenn du verletzt bist."

Verletzungspausen: "Einzig legitimierte Auszeit"

Verletzt war Mertesacker in seiner Karriere oft genug.

"Wenn ich nicht mehr konnte, war ich verletzt, so war es immer. Ich behaupte sogar, dass viele wiederkehrende Verletzungen psychisch bedingt sind. Dass der Körper der Seele damit zu Ruhe verhilft. Aber das hinterfragt niemand", erklärt Mertesacker dessen Langzeitschäden am Knie mittlerweile so schlimm seien, dass sein Körper "einfach durch ist".

Doch die zahlreichen Verletzungspausen des "Big Fucking German", wie er in London liebevoll gerufen wird, kamen Mertesacker alles andere als unrecht.

"Es denken alle, es wäre ein Drama, wenn du verletzt ausfällst - ist es nicht", führt Mertesacker aus: "Denn es ist der einzige Weg, eine legitimierte Auszeit zu bekommen, mal raus zu sein aus der Mühle."

"Will das System angreifen"

Nach dem heiß ersehnten Abschied vom aktiven Sport wird Mertesacker die Leitung der Nachwuchsakademie des FC Arsenal übernehmen. In dieser Funktion wolle er "das System angreifen" und jungen Talenten beratend zur Seite zu stehen.

Mertesacker will dafür sorgen, dass Jugendliche nicht alles auf die Fußball-Karte setzen, sondern den Fokus auf Bildung legen und somit einigen von ihnen sein eigenes Schicksal, wenn man das Dasein eines Profi-Kickers so nennen darf, ersparen.

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