Ist Conte der bessere Feldherr?

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Conte, der Feldherr der Premier League

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Wenn ein Team nach 60 Minuten 0:3 hinten liegt und in der Nachspielzeit noch den Ausgleich schafft, sind Jubelstürme üblicherweise vorprogrammiert.

Nicht so bei Alexis Sanchez.

Der Arsenal-Stürmer warf nach dem Schlusspfiff beim 3:3 bei Bournemouth vielmehr seine Handschuhe zu Boden. Schnurstracks marschierte er quer über das Spielfeld in die Katakomben, ohne auch nur einem Gegen- oder Mitspieler die Hand zu schütteln. Der Frust sitzt tief in London.

Der Chelsea-Patzer bei Tottenham (0:2) konnte nicht genutzt werden. Die Blues verpassten damit zwar den (Arsenal-)Rekord von 13 Premier-League-Siegen in Folge auszubauen, haben aber als souveräner Tabellenführer (49) im Gegensatz zu den Gunners (41) weiterhin beste Chancen auf die Meisterschaft.

Ende September noch unvorstellbar.


Tottenham schockt Chelsea: (Artikel wird unter dem Video fortgesetzt)


Geglückte System-Umstellung

Da kassierte Chelsea die letzte Niederlage. Ausgerechnet gegen Arsenal. Und was für eine! 0:3! Eine Pleite, die Neo-Coach Antonio Conte zu Umstellungen bewegte.

Seither setzt der frühere Italien-Teamchef hinten auf eine Dreierkette. Mit einem überraschenden Schlüsselspieler davor: Victor Moses.

Eigentlich schon abgeschrieben - die letzten beiden Saisonen wurde der Nigerianer an Stoke und West Ham verliehen - blüht der 26-Jährige nun als Wing-Back auf. „Ich sah sein Potential schon am ersten Trainingstag. Er hat die Technik und körperliche Stärke, um 70 Meter abzudecken“, war Conte früh begeistert.

Mit dem Pendant auf links, Florenz-Zugang Marcos Alonso, ergibt sich daraus ein flexibles System. Defensiv kann jederzeit auf Fünferkette gewechselt werden. Offensiv wird teils mit fünf Mann angegriffen.

Nemanja Matic darf im defensiven Mittelfeld laut eigener Aussage "zehn Prozent offensiver" agieren als letzte Saison.

Vorne überwand Eden Hazard sein Formtief aus dem Vorjahr. Als nomineller Linksaußen zieht der Edeltechniker vermehrt in die Mitte und seziert die Abwehr. Ebenso wie Pedro auf rechts.

Und im Angriff hat Diego Costa wieder seinen Torriecher gefunden. An 19 Toren war er in dieser Saison beteiligt. Nur ein Spieler aus den Top-Ligen hat einen besseren Wert: Alexis Sanchez (20).

Arsenal fällt zurück

Jener Sanchez steuerte beim Kantersieg gegen den Lokalrivalen noch ein Tor und einen Assist bei. Nach zehn Spieltagen thronten die Gunners gar punktegleich mit Tabellenführer Manchester City an der Spitze.

Dann kam der November. Der Monat, in dem Arsene Wenger in seinen 20 Jahren Amtszeit den schlechtesten Punkteschnitt hält (1,59).

Prompt folgten gegen Tottenham und Manchester United zwei Unentschieden in Folge, gegen Everton und Manchester City im Dezember zwei Niederlagen.

Seither rumort es bei den Nordlondonern.

Verletzungssorgen plag(t)en Ramsey (Oberschenkel), Carzola (Knöchel-OP) und Bellerin (Sprunggelenk). Dazu Langzeitausfälle wie Mertesacker (Knie) und Welbeck (Knorpelschaden).

Für den zweitteuersten Transfer der Klubgeschichte, Granit Xhaka (für 45 Mio. Euro von Gladbach), scheint Arsene Wenger noch immer nicht die richtige Position im Mittelfeld gefunden zu haben. Gegen Bournemouth verschuldete er auch noch einen tollpatschigen Elfmeter.

Wenger eröffnete nach dem Spiel noch einen weiteren Nebenschauplatz (Nicht zum ersten Mal). Der Star-Coach beschwerte sich über den unglücklichen Spielplan mit zwei Spielen in drei Tagen.


Arsenals irre Aufholjagd bei Bournemouth: (Artikel wird unter dem Video fortgesetzt)


Feldherr Conte

Antonio Conte kann darüber nur lachen: „Ich denke, die anderen Teams sind nicht auf den Spielplan, sondern unseren Vorsprung sauer.“

Einen hart erarbeiteten. Zu eingeprägt ist noch die vergangene Horror-Saison der Blues auf Rang zehn. Im April wurde Conte verpflichtet. Ein Glücksgriff. Mit Ankündigung. Immerhin führte er Juventus zu drei Meistertiteln in Folge. Mit einer als zu alt eingeschätzten Squadra Azzurra begeisterte er bei der EURO mit einer abgezockten Performance.

Aber nicht nur taktisch brachte der 47-Jährige Chelsea wieder auf Vordermann. Auch menschlich sorgte der frühere Mittelfeld-Wühler für neue Impulse.

Diego Costa lobt seinen Humor. Pedro gesteht Conte zu, dem Team wieder den Glauben in sich selbst eingeimpft zu haben.

Die Charakterbildung betrifft aber nicht nur Spieler. So tauchte Conte unangekündigt bei der Mitarbeiter-Weihnachtsfeier des Klubs auf und feierte zwei Stunden mit Putzkräften und Küchenpersonal. Jedem Mitarbeiter gab er ein Geschenk mit persönlicher Note: „Entweder wir finden einen Weg oder wir machen einen.“

Ein Zitat vom berühmten karthagischen Feldherrn Hannibal vor dessen Alpen-Überschreitung. Mit dieser Einstellung wird wohl auch der Ausrutscher bei Tottenham überwunden werden können. Conte mauserte sich zum Feldherrn der Blues.

Fehlt Arsenal das Sieger-Gen?

Eine Eigenschaft, die Arsene Wenger gerne, und in solch kriselnden Phasen vermehrt, abgesprochen wird. Fehlt ihm und den Gunners das Sieger-Gen? Trotz noch ausstehendem Duell an der Stamford Bridge (4.2.) wirkt der erste Meistertitel seit 2004 inoffiziell schon abgeschrieben.

Auch Spielmacher Mesut Özil muss sich die Mentalitätsfrage immer und immer wieder anhören. Seine schläfrige Körpersprache passe nicht zu seiner Genialität am Spielfeld. Sein Mentor verteidigt ihn: „Er arbeitet viel härter als die Leute denken, seine Körpersprache gerät ihm jedoch manchmal zum Nachteil. Aber er erfüllt seine Rolle sehr gut.“

Darüber wie lange Wenger selbst noch sein Amt ausüben wird (und darf), wird wild spekuliert. Zweifler, er hole eben nicht das Maximum aus dem Team raus, wünschen sich einen Schlussstrich unter seiner Ära. Die Unterstützer gestehen ihm zu, den richtigen Zeitpunkt für den Absprung selbst zu wählen.

Im Dezember tauchten Gerüchte über eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre auf. Vor Jahresende jene, wonach der aktuelle Juve-Coach Massimiliano Allegri nachfolgen könnte.

So oder so: Die Antwort gibt es spätestens im Sommer, wenn Wengers Vertrag endet.

Was dann wohl Conte machen wird? Vielleicht wird er sich mit seinem Team auf die Alpenüberquerung vorbereiten. Vorausgesetzt, die Blues fliegen auch in diesem Sommer für ihr Trainingslager nach Klagenfurt.


Giroud liefert bereits am 1. Jänner einen heißen Kandidaten für das Tor des Jahres:


Textquelle: © LAOLA1.at

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