Daniel Bachmann: Visitenkarte für einige Jahre

Daniel Bachmann: Visitenkarte für einige Jahre Foto: © getty
 

Man musste nicht verstehen, dass Daniel Bachmann seinen Vertrag beim FC Watford trotz fehlender Einsatzzeit langfristig bis Sommer 2024 verlängert hat.

Derzeit scheint es so, als ob er die internen Signale richtig gedeutet hat und seine Strategie aufgehen dürfte.

Mitte Jänner übernahm der 26-Jährige den Torhüter-Job, seither spielte Watford in acht Liga-Spielen sechs Mal zu null - eine Statistik, die sicherlich auch für eine gute Defensivarbeit seiner Vorderleute, aber bestimmt nicht gegen den Wiener spricht.

Im LAOLA1-Interview zeigt sich Bachmann stolz darauf, wie viel Geduld er in den 18 Monaten davor bewies, und macht sich durchaus Hoffnungen auf den Aufstieg in die Premier League und eine Einberufung zum nächsten Lehrgang des ÖFB-Nationalteams.

LAOLA1: Dienen deine letzten Wochen als Beweis, dass sich Geduld auszahlen kann?

Daniel Bachmann: Langsam ist es Zeit geworden, aber die Geduld hat sich definitiv ausgezahlt. Die 18 Monate davor waren nicht leicht, aber jetzt läuft es ganz gut.

LAOLA1: Wie fühlt es sich an, wenn man seinem Beruf so lange nicht wie gewollt nachgehen konnte und dann regelmäßig das Feld betritt?

Bachmann: Ich bin schon ein bisschen stolz auf mich selbst, weil es mental nicht leicht war. Nach einer sehr positiven Saison in Schottland bin ich logischerweise mit anderen Erwartungen zu Watford zurückgekommen, da waren die nächsten 18 Monate natürlich mental sehr schwer. Es wäre leicht gewesen, den Kopf in den Sand zu stecken und mental nicht voll fokussiert zu sein. Ich war 18 Monate lang jede Woche trotzdem voll fokussiert, als würde ich spielen. Jetzt tut es natürlich sehr gut, inklusive Cup-Spiel bei Manchester United neun Mal hintereinander gespielt zu haben. In der Liga waren es sechs zu Null in acht Spielen – viel besser könnte es nicht laufen.

LAOLA1: Apropos weiße Weste: Wie wichtig sind dir solche Statistiken?

Bachmann: Dafür werden wir bezahlt, dass wir keine Tore kriegen. Sechs Mal zu Null in acht Spielen ist natürlich überragend und spricht für die ganze Mannschaft, dass es vor allem defensiv sehr gut läuft. Letzten Samstag beim 6:0 gegen Bristol haben wir jedoch auch gezeigt, dass wir mehr als zwei oder drei Tore schießen können.

"Die ersten Wochen hätten nicht besser laufen können. Da spürt man natürlich, wie das Standing und das Vertrauen im ganzen Verein wächst – vom Besitzer bis zum Zeugwart."

Daniel Bachmann

LAOLA1: Wie hat sich dein Standing beim FC Watford in den vergangenen Wochen verändert?

Bachmann: Ich hatte bereits ein ganz gutes Standing in der Mannschaft – auch abseits vom Platz, ich verstehe mich mit jedem sehr gut. Die Jungs haben ja auch gesehen, dass ich jemand bin, der auch dann weiter Gas gibt, wenn es persönlich nicht gut läuft. In den ersten paar Spielen hat sich jeder für mich gefreut, dass ich endlich zum Einsatz gekommen bin und gute Leistungen gebracht habe. Die ersten Wochen hätten nicht besser laufen können. Da spürt man natürlich, wie das Standing und das Vertrauen im ganzen Verein wächst – vom Besitzer bis zum Zeugwart.

LAOLA1: Inwiefern spielt der neue Trainer Xisco, der kurz vor Weihnachten übernommen hat, eine Rolle bei deiner persönlichen Trendwende?

Bachmann: Ich würde eher sagen, dass sich mit dem neuen Trainer grundlegend im Verein einiges geändert hat, weil ganz einfach eine ganz andere Stimmung herrscht. Der Trainer, den wir in den ersten vier Monaten hatten (Vladimir Ivic, Anm.d.Red.), war im Vergleich ganz anders, vor allem abseits des Platzes. Der jetzige Trainer ist total in der Mannschaft involviert, jeder versteht sich mit ihm. Er ist einfach ein netter Mensch, der viel positives Denken in den Verein und ins Trainingszentrum bringt.

LAOLA1: Wie akzeptiert Ben Foster, der an einer Fingerverletzung laboriert, den Rollentausch?

Bachmann: Ich muss ehrlich sagen, er verhält sich sehr fair. Für ihn ist es natürlich keine leichte Situation, weil er erstmals seit langer Zeit mehr oder weniger seinen Platz verloren hat. Zuerst jahrelang bei West Bromwich und dann über zwei Jahre bei Watford hat er nie jemanden gehabt, der ihm seinen Platz streitig machen kann. Vor allem gegen Ende der Karriere hin ist das für ihn natürlich nicht leicht, aber es ist wirklich schwer in Ordnung, wie er sich verhält. Er ist sehr hilfsbereit.

LAOLA1: Gibt es irgendeinen Zweifel, dass es kein dauerhafter Switch ist?

Bachmann: Bei mir persönlich nicht. Ich bringe meine Leistungen, und das ist alles, was ich machen kann. Ich denke, ich habe eine gute Visitenkarte abgegeben, was die nächsten paar Jahre betrifft.

LAOLA1: Ihr seid aktuell Tabellen-Vierter. Darf man bereits wieder konkreter von der Premier League träumen oder muss man gerade in der Championship sehr vorsichtig sein?

Bachmann: Das Ziel vor Saisonbeginn war natürlich der sofortige Wiederaufstieg. Das ist die Vorgabe des Vereins, auf die arbeiten wir hin. Aber die Championship ist eine verdammt schwere Liga! Man hat in der Vergangenheit gesehen, dass große Vereine aus der Premier League abgestiegen und in die 3. Liga durchgereicht worden sind. Die Liga ist einfach so kompetitiv, jeder kann jeden zu jedem Zeitpunkt schlagen. Ich glaube kaum, dass es eine andere Liga in der Welt gibt, in der sich die Vereine so ebenbürtig sind. 46 Saison-Spiele sind auch sehr viel, da kann wirklich alles passieren. Aber wir sind in einer guten Position.

"Im Hinterkopf ist das Nationalteam auf jeden Fall. Die Torhüter-Situation in Österreich ist sehr offen, es gibt keine klare Nummer eins. Klar mache ich mir da Hoffnungen."

Daniel Bachmann

LAOLA1: Und die Formkurve scheint auch zu stimmen.

Bachmann: Eigentlich ist die Tabellensituation wirklich positiv, wenn man bedenkt, dass die ersten Monate leistungstechnisch nicht auf dem Standard waren, den wir es uns vorgestellt haben. Wir haben wirklich nicht so gespielt, wie wir das könnten – bis auf das 6:0 am vergangenen Samstag, das war sicher eine unserer besten Leistungen. Auch das 1:0 bei Preston North End am Dienstag war sehr gut. Hoffentlich können wir auf diese beiden Leistungen aufbauen.

LAOLA1: Hast du schon geschaut, wie du momentan am besten von London nach Wien reisen kannst?

Bachmann (lacht): Im Hinterkopf ist das Nationalteam auf jeden Fall. Die Torhüter-Situation in Österreich ist sehr offen, es gibt keine klare Nummer eins. Klar mache ich mir da Hoffnungen. Ich spiele in einer Top-Liga und bringe gute Leistungen. Im Endeffekt ist es die Entscheidung des Teamchefs, aber ich hoffe natürlich, dass ich in fünf Wochen in Österreich bin.

LAOLA1: Die WM-Qualifikation startet ausgerechnet in Schottland.

Bachmann: Angesichts meiner Vergangenheit bei Kilmarnock wäre es für mich natürlich geil, da dabei zu sein, das wäre eine coole Geschichte. Aber wie gesagt, das ist eine Trainerentscheidung. Ich kann nur meine Leistungen bringen. Und sollte ich dabei sein, wird es auch eine Lösung für die Reise nach Wien geben.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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