Wie Nagelsmann Robert Zulj in Hoffenheim fordert

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Robert Zulj ist bereit für den nächsten Schritt!

Der 25-jährige ÖFB-Legionär hat sich bei Greuther Fürth in den Notizblock von Julian Nagelsmann gespielt und sich mit dem Wechsel zur TSG Hoffenheim in die deutsche Bundesliga einen Kindheitstraum erfüllt.

Der Shootingstar unter den Trainern war ein wichtiger Grund für seinen Wechsel, wie er LAOLA1 verrät: "Er ist der beste Trainer, den ich momentan für mich selber haben kann. Er kann Spieler sehr gut entwickeln, fordert aber sehr viel ein."

Im großen LAOLA1-Interview verrät der Welser, warum Nagelsmanns komplexes Training anstrengend für den Kopf ist und er sich anfangs fragte: "Was will er jetzt genau von mir?" Außerdem geht er darauf ein, warum Hoffenheim der ideale Verein für seine Weiterentwicklung ist.

LAOLA1: Next stop, Hoffenheim! Wie groß ist der Unterschied in den ersten Wochen und Monaten von Greuther Fürth zum Millionenklub?

Robert Zulj: Natürlich ist der Schritt sehr, sehr groß. Von der zweiten in die erste Liga, und dann noch zu einem Top-5-Klub in der deutschen Bundesliga – das ist schon etwas anderes. Das Trainings-Niveau ist sehr gut, wir haben einen sehr guten Kader und ich glaube, dass es ein sehr guter Schritt für mich sein kann.

LAOLA1: Das Kleeblatt am Trikot in Fürth hat scheinbar Glück gebracht für deinen Aufstieg. Warst du sofort Feuer und Flamme für Hoffenheim oder hast du länger überlegen müssen?

Zulj: Nein, mein Ziel war immer ganz klar die Bundesliga. Deswegen musste ich nicht so lange überlegen. Natürlich hatte ich das eine oder andere Angebot von anderen Vereinen auch noch, aber ich habe mich in Deutschland sehr wohl gefühlt. Für mich war relativ schnell klar, dass ich den Schritt nach Hoffenheim gehen werde.

LAOLA1: War die deutsche Bundesliga erst seit deiner Zeit in Deutschland der logische Aufstieg oder war sie schon immer dein Wunschziel?

Zulj: Natürlich schon als ich klein, jung war und mit dem Fußball begonnen habe. Da träumt man immer von Deutschland oder England. Das war ganz klar auch mein Ziel, schon weit bevor ich in Deutschland gespielt habe.

LAOLA1: Du hast in Fürth eine starke Saison gespielt, trotzdem meinte Hoffenheim-Coach Nagelsmann: „Einer, den wohl nicht so viele auf dem Zettel hatten.“ Wie ist das für dich zu verstehen?

Zulj: Das ist natürlich positiv. Das zeigt, dass sie sich intensiv mit mir beschäftigt haben. Das ist genau das, was auch die Gespräche davor bestätigt haben, nämlich dass sie sehr großes Vertrauen in mich legen und mir den Sprung auch zutrauen. Deshalb sehe ich das alles positiv.

LAOLA1: Es gibt auch andere Beispiele wie Guido Burgstaller, der von der zweiten in die erste Liga gewechselt ist und gleich bei Schalke eingeschlagen hat. War er ein Vorbild, an dem auch du sehen konntest, dass der Sprung machbar ist?

Zulj: Ja, aber er ist nur einer von vielen. Klar ist, dass es schon einige geschafft haben und sich dort auch gut entwickelt haben. Ich glaube schon, dass der Schritt am Anfang ein großer ist, aber du gewöhnst dich schnell dran, lernst schnell und es ist sehr viel möglich.

"Der Trainer fordert sehr viel von uns. Bis man das kapiert, dauert das halt seine Zeit. Aber es wird von Tag zu Tag besser und man versucht, so schnell wie möglich zu lernen und sich für die Mannschaft zu empfehlen."

LAOLA1: Wie ist dir selber die Integration bei deinem neuen Klub gelungen?

Zulj: Ich hatte keine Schwierigkeiten. Wir haben eine sehr gute Mannschaft, die einen guten Charakter hat, sie hat mich vom ersten Tag an sehr gut aufgenommen. Man fühlt sich relativ schnell wohl. Man kann auf jeden Spieler zugehen, der erklärt dir das und hilft dir. Da brauchst du dich nicht schämen. Vom Team her und vom Umfeld ist es ganz einfach, es ist sehr familiär. Das war sehr positiv und es gab keine Schwierigkeiten.

LAOLA1: Trainer Nagelsmann meinte in Bezug auf euch Österreicher: „Das sind alles gute Kicker, aber sie brauchen noch Zeit.“ Wann glaubst du, zu Einsätzen zu kommen?

Zulj: Es ist ja nicht nur bei den Österreichern so, sondern auch im Jahr davor haben die Neuen anfangs ihre Zeit gebraucht. Das ist ganz normal. Der Trainer fordert sehr viel von uns. Bis man das kapiert, dauert das halt seine Zeit. Aber es wird von Tag zu Tag besser und man versucht, so schnell wie möglich zu lernen und sich für die Mannschaft zu empfehlen.

LAOLA1: Auch Florian Grillitsch ist neu, mit ihm hast du das Zimmer am Trainingslager geteilt. Dazu kommt noch Stefan Posch. Hilft die Österreicher-Unterstützung?

Zulj: Natürlich ist das schon ein kleiner Vorteil, wenn du in der Kabine drei Österreicher hast, welche dich auch gleich verstehen. Man muss jetzt nicht großartig Hochdeutsch reden. Das hilft schon ein bisschen, aber so von den Jungs her gibt es keine schwierigen Charaktere, so dass man eigentlich mit jedem gut klar kommt. Das Mannschaftsklima ist sehr gut.


LAOLA1: Du meintest kurz nach deinem Wechsel: „Ich habe jetzt den besten Trainer der Welt.“ Wie begründest du das?

Zulj: Ich glaube, das ist ein bisschen falsch rübergekommen. Ich habe gemeint, dass er der beste Trainer ist, den ich momentan für mich selber haben kann. Er kann Spieler sehr gut entwickeln, es gibt zig Beispiele, die unter ihm sehr gut geworden sind. Er fordert sehr viel ein von den Spielern. Wenn du das auch umsetzt, wirst du automatisch besser. Deshalb diese Aussage.

LAOLA1: Du hast es angesprochen: Nagelsmann wird nachgesagt, sehr viel von Spielern zu verlangen – auch vom Mitdenken her, nicht nur vom Spielerischen. Wie anstrengend ist das für den Kopf?

Zulj: Am Anfang denkst du dir schon: Was will er jetzt genau von mir? Aber das ist ganz normal, das geht nicht nur mir so. Aber man gewöhnt sich dran, wenn man jeden Tag diesen Input bekommt. Man muss halt sehr viel mitdenken, aber man versucht, jeden Tag dazuzulernen. Irgendwann ist es dann aber Routine.

LAOLA1: Aber es ist schon komplexer und ein anderer Inhalt, den er rüberbringt, als du von deinen bisherigen Trainern gewohnt warst?

Zulj: Das auf jeden Fall. Die Qualität im Training ist auch ganz anders. Die Inputs sind lauter Dinge, die man versucht, so schnell wie möglich zu verarbeiten und man braucht am Anfang Zeit. Aber die Zeit bekommen wir und die muss man sich auch selber geben. Es wird immer besser und besser.

"Sobald wir auf den Trainingsplatz gehen, hat der Trainer seine eigenen Vorstellungen. Am Anfang ist es noch schwer, das zu verstehen. Aber alles in allem ist das anders als in meinen bisherigen Vereinen. Es ist auf jeden Fall interessant."

LAOLA1: Worauf bezieht sich das aber? Sind die Übungen komplizierter oder geht es mehr um das Taktikverständnis?

Zulj: Einfach alles: Was wir spielen wollen, die Trainingsformen, die Taktik,… Sobald wir auf den Trainingsplatz gehen, hat der Trainer seine eigenen Vorstellungen. Am Anfang ist es noch schwer, das zu verstehen. Aber alles in allem ist das anders als in meinen bisherigen Vereinen. Es ist auf jeden Fall interessant.

LAOLA1: Bei Nagelsmann wird immer sein Alter von 30 Jahren hervorgehoben. Ist es anders, so einen jungen Trainer zu haben? Geht er anders auf Spieler zu?

Zulj: Also ich sehe da keinen großen Unterschied zwischen dem jetzigen und meinem vorherigen Trainer. Ich glaube, dass das Alter gar keine so große Rolle spielt.

LAOLA1: Hoffenheim hat eine Mega-Saison gespielt und sich mit der Europa League belohnt. Macht das die Situation noch schwieriger, ins Team zu finden?

Zulj: Dass es schwer wird, wusste ich auch davor. Aber ich bin auch ein Typ, der sich solchen Herausforderungen stellen will. Wie man weiß, lernt man nur von den Besten. Sie haben eine sehr gute Saison gespielt und haben sich das auch verdient, international zu spielen. Das ist ein Bonus für uns. Klar haben diese Spieler einen kleinen Bonus wegen letzter Saison, aber wir haben so viele Spiele, dass man bestimmt Chancen kriegen wird und diese nützen muss.

LAOLA1: Sandro Wagner gilt als spezieller Typ, der ehrlich und offen Dinge anspricht. Wie ist der Umgang mit ihm? Was macht ihn aus?

Zulj: Er ist sehr direkt, auch ehrlich und sagt das, was er auch denkt. Ich finde solche Typen gut, die gehören in die Mannschaft, auch wenn es heutzutage vielleicht weniger davon gibt. Er hat einen sehr großen Stellenwert für uns, den er sich auch erarbeitet hat. Es ist gut, solche Spieler in der Mannschaft zu haben, da kann man sehr viel mitnehmen.

LAOLA1: Hoffenheim hofft bei dir auf eine ähnliche Entwicklung wie bei Kerem Demirbay, der es vom ausrangierten Spieler beim HSV zum deutschen Nationalspieler geschafft hat. Ist das ein gutes Omen?

Zulj: Es gibt mehrere Beispiele, nicht nur Kerem. Du kannst in einem Jahr ganz oben, aber auch ganz unten sein. Deshalb will ich das nicht so groß nur an dem Spieler bewerten. Ich weiß ganz genau, das im Fußball sehr viel möglich ist. Dafür will ich auch viel arbeiten und mich weiterentwickeln. Dann weiß ich auch, dass ich die nächsten Schritte machen kann.

LAOLA1: Es bestätigt aber, dass Hoffenheim eine gute Plattform ist, um sich weiterentwickeln zu können. Deshalb wirst du auch den Schritt gemacht haben.

Zulj: Auf jeden Fall. Die letzten Jahre haben sich immer wieder Spieler sehr gut entwickelt. Wenn man nur das letzte Jahr hernimmt, sieht man, was hier alles passiert. Deswegen auch der Schritt nach Hoffenheim.

LAOLA1: Demirbay hat es ins deutsche Nationalteam geschafft. Du warst in der ÖFB-U21 gesetzt, im A-Team warst du aber bisher noch nicht das große Thema. Nach der verpassten WM-Quali könnte ein Umbruch zur Chance werden. Ein großes Ziel für dich?

Zulj: Ja, gut, dafür hat der Teamchef sicher Gründe. Ich konzentriere mich auf Hoffenheim, den Rest müssen andere entscheiden. Aber klar ist auch, dass jeder Spieler Nationalspieler sein will. Ich will mich jetzt nicht zu viel an Spekulationen beteiligen, sondern ich will hier Gas geben und meine Chance nützen, wenn ich sie bekomme. Dann werden noch einige andere Chancen auch kommen, da bin ich mir sicher.

Textquelle: © LAOLA1.at

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