Die Fragen und Antworten zur Stöger-Trennung

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Es ist das Ende einer Ära.

Nach 1634 Tagen ist Peter Stöger nicht mehr Trainer des 1. FC Köln (Hier nachlesen!), keiner seiner vielen Vorgänger war länger Coach des FC.

Präsident Werner Spinner würdigte zu Sonntagmittag: "In dieser Stadt zu arbeiten, ist nicht einfach für einen Trainer."

Geschäftsführer Alexander Wehrle: "Wir wollen uns für viereinhalb Jahre überragendes Zusammenarbeiten bedanken."

Doch vor allem die Art und Weise der Trennung wirft Fragen auf, LAOLA1 hat sie gesammelt und beantwortet sie.

Wie kam es zum Abschied?

Wehrle sagte, nach dem Abschied von Sportchef Jörg Schmadtke Ende Oktober sei es ab Mitte November nach und nach zu einem Umdenkprozess bei den Verantwortlichen gekommen. Vor dem Spiel in Mainz am 18. November (0:1) habe man dem Ex-ÖFB-Teamspieler mitgeteilt, dass man vorsorglich mit anderen Trainern Kontakt aufnehmen werde. Nach der Niederlage gegen Hertha BSC vor einer Woche (0:2) habe man sich wieder zusammengesetzt. "Dann haben sich Dinge verändert, auch beim Peter."

Am Freitag habe man schließlich "gemeinschaftlich" die Trennung beschlossen. "Bis zuletzt haben wir gehofft", sagte FC-Präsident Werner Spinner. Die Überzeugung, den Turnaround schaffen zu können, sei jedoch "trotz dieses positiven Resultats auf Schalke nicht mehr ausreichend vorhanden. Deshalb halten wir es in der aktuellen Situation für unabdingbar, einen neuen Impuls zu setzen."

War die Trennung respektlos?

Zumindest die Kommunikation war ein Debakel: Der "Express" berichtete bereits nach dem Schlusspfiff auf Schalke über das Aus, Ruthenbecks Abschied von seiner U19 am Samstag sickerte ebenfalls durch. "Das war nicht glücklich", gab Spinner zu und das war offenbar auch Thema beim abschließenden Krisengipfel mit Stöger am Sonntagvormittag.

Doch der Präsident hatte auch eine Message an die "Moralapostel in der Stadt, die uns einen respektlosen Umgang mit Peter Stöger vorwerfen. Wenn es so gewesen wäre, hätten wir das Gespräch (Start: 10 Uhr) um 10:05 Uhr beendet und nicht zweieinhalb Stunden gesprochen. Wir haben besprochen, was wir falsch gemacht haben und vielleicht er. Wir haben offen gesprochen, es war ein respektvoller Umgang mit Peter und Manni." Die "Bild" schreibt von "Slapstick pur".

Wie ist die vertragliche Situation?

Die wurde mit einer einvernehmlichen Vertragsauflösung geklärt. Stöger unterschrieb 2016 einen Vertrag bis 2020, nun gelang laut Spinner eine "Einigung, die wertschätzend ist". Interessanter Fakt von Wehrle: "Peter Stögers Vertrag war nicht für die zweite Liga gültig, sondern ausschließlich für die erste Liga." Im Gegensatz zu jenen der Spieler, die allesamt Gültigkeit für Liga zwei besitzen.

Die "Wir-gehen-mit-Stöger-in-die-zweite-Liga"-Möglichkeit wäre vertraglich also gar nicht möglich gewesen, überhaupt wurde Wehrle diesbezüglich emotional: "Ich weigere mich, die zweite Liga auszurufen, es ist unsere Verpflichtung, alles für die Fans, die Mitglieder und alle, die den Klub lieben, zu tun, um den Klassenerhalt zu schaffen. Jedes Spiel ist ein Endspiel, wir haben noch 20 Spiele und in jedem kann man punkten - wie auch gestern gesehen."

Wer wird Stögers Nachfolger?

Der 45-jährige Ruthenbeck, der sich bereits am Samstag von der U19 verabschiedete, soll vorerst nur bis Weihnachten für die Profis zuständig sein. "In der Winterpause werden wir uns wieder zusammensetzen", erklärte Wehrle. Namen von möglichen und unmöglichen Nachfolgern wollte der Geschäftsführer nicht kommentieren: "Wir werden hier keine öffentliche Trainerdiskussion führen."

Am Samstag war in Medien Markus Anfang als möglicher Nachfolger von Stöger genannt worden. Der 43-Jährige, in seiner aktiven Zeit auch für den FC Tirol aktiv, führte Holstein Kiel von der Dritten Liga an die Zweitliga-Spitze. Laut seinem Arbeitgeber sei ein Wechsel bisher nicht Thema gewesen. "Die Frage stellt sich für mich nicht", sagte Holsteins Sport-Geschäftsführer Ralf Becker am Sonntag im Fußball-Talk des TV-Senders Sky Sport News. "An mich ist niemand herangetreten."

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Wer wird Sportdirektor?

Diese Frage scheint früher geklärt zu werden. "Wir haben seit sechs Wochen diesbezüglich intensive Gespräche und sind zuversichtlich, die Position bald zu besetzen", so Wehrle. Während Horst Heldt und Fredi Bobic keine Kandidaten (mehr) sind, könnte Didi Beiersdorfer ein Thema sein.

Der Ex-Salzburg-Sportchef ist in Köln gesichtet worden, Spinner gibt sich bedeckt und das mit einer eher kuriosen Aussage: "Vielleicht wollte er auf den Weihnachtsmarkt gehen." Die Kölner Verantwortlichen nennen in Absprache mit den anderen Kandidaten keine Namen und kommentieren sie auch nicht.

Wie geht es für Stöger weiter?

Vor fünf Wochen wäre die Antwort wohl klar gewesen: Der Wiener hätte, so wie sich Sportdirektor Peter Schöttel offenkundig bemüht hatte, die Nachfolge von ÖFB-Teamchef Marcel Koller angetreten - sofern er diesen Job bereits jetzt angenommen hätte. Bekanntlich blieb Stöger bei Köln und Franco Foda übernahm den Posten.

Stöger wird sich mit Manfred Schmid nicht gleich ins nächste Abenteuer stürzen, klar ist aber auch, dass die nächste Chance kommen wird. Das zeigt die enorme Welle an Solidarität, die Stöger nach der Trennung erfährt. Bei einer "Express"-Umfrage, an der 60.000 User teilnahmen (Stand: 17 Uhr), waren 75 Prozent (!) der Meinung, dass Stöger immer noch "der Richtige für den FC" sei.


Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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