Fünf Thesen, zehn Meinungen

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Fünf Thesen vor dem Start ins Frühjahr

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"Breaking"! Der Kampf um den deutschen Meistertitel ist noch nicht entschieden!

Ja, nach einigen Jahren der absoluten Dominanz des FC Bayern München und somit gähnender Langeweile herrscht vor dem Frühjahrs-Start der deutschen Bundesliga neben Vorfreude auch Spannung. Dank RB Leipzig. Doch wird es diesmal tatsächlich bis zur letzten Runde spannend bleiben?

Eine von diversen Fragen vor den finalen 18 Runden, die man kontrovers diskutieren kann.

LAOLA1 stellt für fünf Thesen auf und betrachtet sie aus gegensätzlichen Blickwinkeln.

THESE: Der Titelkampf bleibt in dieser Saison bis zur letzten Runde spannend

PRO // von Martin Wechtl

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Die Dominanz der Bayern war in den letzten Jahren ziemlich erschreckend. Daher wollte in der Bundesliga auch nie wirklich Spannung aufkommen. Die einzige Frage lautete: Wann fixiert der FCB den Titel – im März oder erst im April? Doch in dieser Saison weht ein anderer Wind. Die Münchner haben ein wenig von ihrer Souveränität verloren, Aufsteiger Leipzig präsentiert sich unbekümmert und bärenstark. Trotz des permanenten Unterstatements wittert man insgeheim seine Chancen. Sofern kein Einbruch passiert – wovon ich auch nicht ausgehe – wird der Titelkampf noch länger offen und somit spannend bleiben. Dass die Bayern schlussendlich trotzdem Meister werden, ist natürlich nicht auszuschließen.

CONTRA // von Peter Altmann

Wie einen Bissen Brot brauchte die deutsche Bundesliga die Spannung dieser Hinrunde. Dass mit RB Leipzig ein neuer Player aufgetaucht ist, der den FC Bayern München fordert, tat der Liga nach Jahren der Dominanz des Rekordmeisters extrem gut und wird insgeheim wohl auch die Bayern-Macher nicht gestört haben. Dort sollen ja auch einige Business-affine Herrschaften in der Chefetage sitzen und Konkurrenz belebt das Geschäft eher als Langeweile. Aber ich fürchte, unterm Strich wird die Rechnung eine einfache sein. Der teuerste und beste Kader plus die wesentlich größere Erfahrung in Drucksituationen (Titelkampf = Bayern-Alltag) plus zum richtigen Zeitpunkt "Psycho-Attacken" (Hoeneß) oder das eine oder andere Millionen-Angebot für einen Leipzig-Spieler wird den fünften Bayern-Meistertitel in Serie ergeben. Und das nicht erst in der letzten Runde am 20. Mai. RBL müsste neben drei Punkten auch die bessere Tordifferenz wettmachen. Das 3:0 des FCB gegen Leipzig kurz vor Weihnachten war diesbezüglich mehr als ein Vorbote, sondern eine überzeugende Klarstellung in Sachen Vormachtstellung.

THESE: Guido Burgstaller wird Stammspieler bei Schalke 04

PRO // von Harald Prantl

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Breel Embolo? Verletzt. Klaas-Jan Huntelaar? Verletzt. Franco di Santo? Verletzt. Es wäre schon sehr verwunderlich, würde Guido Burgstaller am Anfang nicht spielen. Und der Kärntner ist auf dem Feld genau das, was sie auf Schalke brauchen und was die Fans sehen wollen: ein Malocher. Außerdem kommt Burgstaller mit Selbstvertrauen und einem Torriecher, der aktuell exzellent funktioniert. Ein paar gute Partien und das eine oder andere Tor zu Beginn und der 27-Jährige hat seinen Stammplatz. Und mit Goalgettern sind sie auf Schalke in dieser Saison ja sowieso nicht gerade gesegnet.

CONTRA // von Alexander Karper

Der Ex-Rapidler hat sich den Schritt in die deutsche Bundesliga eindrucksvoll erarbeitet. 14 Tore in 16 Spielen bei Nürnberg muss ihm erst einmal einer nachmachen. Nun wartet mit Schalke 04 aber ein richtig großes Kaliber. Der Sprung könnte zu diesem Zeitpunkt zu groß sein, bei einem Liga-Nachzügler wäre er in puncto Spielpraxis sicher besser aufgehoben. Aufgrund vieler Verletzungen wird Burgstaller zwar anfangs zum Spielen kommen. Aber Schalke wird die aktuelle Stürmer-Situation nicht so hinnehmen, sondern noch investieren – so wie in den letzten Jahren auch. Und wenn Stars wie Huntelaar, Embolo oder di Santo fit sind, wird es ganz schwer. Es wäre ihm zu wünschen, aber zum Stammspieler bei Schalke muss schon einiges zusammenpassen. Alleine dort unterzukommen und Kurzeinsätze zu bekommen, hätten ihm aber wohl wenige zugetraut.

THESE: Peter Stöger führt den 1. FC Köln in den Europacup

PRO // von Andreas Terler

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Viel Kraft entspringt aus der Ruhe, mit dem der frühere Fahrstuhlklub geführt wird. Von einer Verletzungsmisere im Herbst (Horn, Bittencourt, Risse) ließen sich die Geißböcke nicht aus der Ruhe bringen und liegen derzeit auf einem starken siebenten Rang, der wohl schon für das internationale Geschäft reichen würde. Innenverteidiger Mavraj hat den Klub zwar Richtung Hamburg verlassen, dennoch ist der Kader gefestigt (drittwenigste Gegentore) und vor allem stark genug (Modeste: 15 Tore), um das bis zum Saisonende durchzuziehen. Während bei der Konkurrenz auf Schalke oder in Leverkusen die Gefahr viel größer ist, am Druck zu zerbrechen, werden sich Stöger, Schmadtke und Spinner in ihrem Understatement suhlen und am Ende jubeln.

CONTRA // von Peter Altmann

Ich drücke Peter Stöger beide Daumen und Hut ab vor dieser Hinrunde, aber das wird noch eine schwierige Geburt. Sofern der richtige Verein davor den DFB-Pokal erobert, würde der aktuelle siebte Platz reichen. Wenn man selbst triumphiert, sowieso. Problematisch ist jedoch, dass mit Bayer Leverkusen ein Großklub mit gänzlich anderen Ansprüchen nur vier Punkte hinter Köln lauert und selbst den FC Schalke 04 kann man trotz sieben Punkten Rückstand auf Stöger und Co. noch nicht abschreiben - das lässt sich in 18 Runden ohne Weiteres aufholen. Für Köln ist der Europacup ohnehin mehr ein Kann als ein Muss. Muss man sich am Saisonende über das Verpassen ärgern, hat man es womöglich in den letzten fünf Runden vor der Winterpause, in denen kein Spiel gewonnen werden konnte (vier Remis, eine Niederlage), vergeben. Die aktuelle Ausgangsposition ist keine schlechte, aber sie könnte noch wesentlich besser sein.

THESE: Der HSV steigt (jetzt wirklich) ab

PRO // von Alexander Karper

Foto: © GEPA

Wenn man sich die letzten Jahre vor Augen führt, wie sich der HSV durchgemogelt hat und sich doch noch in der Liga gehalten hat, ist es kaum vorstellbar, dass dies ein weiteres Mal gelingt. Denn wenn man ehrlich ist, hat sich nicht viel verändert. Verprasste Millionen, Fehlkäufe hier, Chaos in der Führungs-Etage dort und am Feld blitzt nur gelegentlich auf, was man möglicherweise imstande wäre zu leisten. Die Tabelle spricht auch heuer eine klare Sprache, derzeit liegen die Hamburger als 16. auf einem Relegations-Platz. Drei Punkte hinter dem 15. und nur einen vor dem Fixabstieg als 17. Das „Gewurschtel“ sollte für einen Traditionsverein dieser Größe ein Ende haben. Irgendwann reicht es dann halt doch nicht mehr. Zudem könnte ein Neustart in der zweiten Liga durchaus zu einem Umdenken führen, um den Verein wieder auf gesunde Beine zu stellen. Ohne Chaos und ohne Probleme.

CONTRA // von Martin Wechtl

Ja, der HSV hat schon bessere Zeiten erlebt. In den letzten Jahren stand der Klassenerhalt zwei Mal auf Messers Schneide. Und heuer hatte es den Anschein, dass es den Traditionsklub endgültig erwischen und er erstmals in der Vereinsgeschichte absteigen wird. Doch seit dem ersten Saisonsieg am 13. (!) Spieltag zeigt das Formbarometer steil nach oben. Neun von zwölf Punkten konnten in den letzten Partien gesammelt werden, womit sich die Lage des Klubs im Kampf gegen den Abstieg von hoffnungslos in durchaus aussichtsreich geändert hat. Maßgeblichen Anteil am Aufwärtstrend hat Trainer Markus Gisdol, der Nachfolger von Bruno Labbadia. Der 47-Jährige blieb trotz anfänglicher Erfolgslosigkeit ruhig, krempelte gehörig um und förderte den Gemeinschaftssinn innerhalb der Mannschaft. Er ist der richtige Mann, der eingeschlagene Weg stimmt. Deshalb bleibt der HSV unabsteigbar.

THESE: David Alaba geht in sein letztes Frühjahr als Spieler des FC Bayern

PRO // von Harald Prantl

Foto: © GEPA

Die Gerüchte, wonach sich zahlreiche Top-Klubs um die Dienste des ÖFB-Stars bemühen, sind in den vergangenen Jahren immer mehr geworden. In Madrid und Barcelona sowie in der Premier League scheint das Geld sowieso abgeschafft worden zu sein. Soll heißen: Irgendwann kommt das Angebot, bei dem die Bayern schwach werden. Und auch bei David Alaba wird sich wohl schon bald die Erkenntnis durchsetzen, dass er seinen Traum von einer Karriere in der Mittelfeldzentrale nicht in München realisieren kann. Es ist gewagt, diese Prognose aufzustellen, aber ich gebe sie trotzdem ab: Alaba wird den FC Bayern im Sommer oder im kommenden Winter verlassen.

CONTRA // von Andreas Terler

Träumen ist immer erlaubt, am Ende zählt die Realität. Und David Alaba wird zu schätzen wissen, was er daran hat. Er ist Leistungsträger bei einem der besten Vereine der Welt, wo er seinen Vertrag erst vergangenen März bis 2021 verlängert hat. International gilt er zudem nur auf der Linksverteidiger-Position als Weltklasse, auch wenn er dort im Herbst nicht immer die beste Eigenwerbung betrieb. Darüber hinaus ist der 24-Jährige unter Carlo Ancelotti noch wertvoller geworden, favorisiert der Italiener doch den ÖFB-Kicker als ersten Ersatzmann hinter dem aktuellen Innenverteidiger-Duo Hummels-Martinez. Ein Umstand, der die ohnehin schon hohe Bayern-Schmerzgrenze bezüglich einer Ablöse noch um ein Stück nach oben wandern lassen wird.


Textquelle: © LAOLA1.at

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