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Die Bundesligisten und ihre Frauenteams im Check

Ein Blick auf die Vereine der Männer-Bundesliga und ihr Engagement im Frauenbereich.

Die Bundesligisten und ihre Frauenteams im Check Foto: © GEPA

Dann waren es nur noch drei.

Jüngst verkündete der SK Rapid Wien, dass der Verein künftig auch im Frauenfußball antreten werde. Damit fehlen von den derzeitigen Teilnehmern der Admiral Bundesliga nur noch drei weitere Vereine, die den Einstieg in den Frauenfußball noch vor sich haben.

Zu diesem Anlass unterzieht LAOLA1 die Männer-Bundesliga einem Frauenfußball-Check, der die verschiedenen Umsetzungen beleuchtet und einen Einblick in die abgelaufene Saison bietet.

Der Vize-Meister als Vorbild

Die Saison 2021/22 verlief für die Herren von Sturm Graz mit Platz zwei äußert erfolgreich, aber auch die Grazer Frauen sorgten in der abgelaufenen Saison für Furore. Mit den Serienmeisterinnen aus St. Pölten konnten die Grazerinnen lange Zeit Schritt halten und hielten die Meisterschaft für eine ungewohnt lange Zeit offen. 

Auch das erste Saison-Duell der Spitzenreiterinnen endete mit einem 1:1, weswegen Fans der Frauen-Bundesliga tatsächlich lange mit einem neuen Meister spekulieren durften. Im zweiten direkten Aufeinandertreffen wurden die alten Verhältnisse aber wiederhergestellt.

4:0 lautete das Endergbnis in einer einseitigen Partie, die Grazerinnen mussten sich letztendlich so wie ihre Kollegen im Männerfußball mit Platz zwei begnügen. Auch im Cup-Finale setzte es ein 0:2 gegen die "Wölfinnen" aus St. Pölten.

Trotzdem macht der SK Sturm Graz, der 2011 mit einer Übernahme der Frauenabteilung des FC Statteggseinen in den Frauenfußball einstieg, mit seiner Performance in der abgelaufenen Saison sich und den anderen Vereinen Mut. Der Thron der Niederösterreicherinnen wurde ein wenig zum Wackeln gebracht, vielleicht gibt es also schon bald neue Gesichter an der Spitze des österreichischen Frauenfußballs.

Auch Austria auf den Spuren der Herren

Ähnlich wie bei Sturm Graz schaut es auch im Süden Wiens aus. Die Frauen des FK Austria Wien spiegelten in der abgelaufenen Saison ebenfalls die Tabellenposition ihrer männlichen Kollegen und beendeten die Meisterschaft auf dem dritten Platz.

Mit Lisa Makas gelang der Austria ein Transfer-Coup
Foto: © GEPA

Das Kapitel Frauenfußball startete 2017 mit einer Kooperation mit dem 12-fachen Frauenmeister USC Landhaus, aufgrund derer der Klub aus Favoriten seit 2018 in der Frauen-Bundesliga antritt.  

Ein zweiter Platz in der Saison 2020/21 war bisher das Höchste der Gefühle, die "Violetten" investieren aber immer mehr in den Frauenfußball. Mit Maria Wolf holten sich die "Veilchen" eine Frau mit umfassender Kompetenz als sportliche Nachwuchsleiterin (HIER erfährst du mehr über Maria Wolf am LAOLA1-Stammtisch).

Dazu zeigen Transfers von Nationalteamspielerinnen wie Lisa Makas oder Yvonne Weilharter, dass auch mit der Austria auf Dauer an der Spitze der Frauen-Bundesliga zu rechnen sein wird. 

Der Publikumsmagnet aus dem Ländle

Der dritte Herren-Bundesligist, der auch in der höchsten Spielklasse der Frauen zu finden ist, ist der SCR Altach. Die Vorarlberger einigten sich bereits 2020 auf eine Zusammenarbeit mit dem FFC Vorderland. In der vergangenen Saison gab es dann die erste Spielzeit unter dem gemeinsamen Namen SPG Altach / Vorderland.

Mit Platz sechs landeten die Vorarlbergerinnen im Mittelfeld der Tabelle, bei den ZuseherInnen ist Altach mit einem Schnitt von 673 aber klar an der Spitze.

In Vorarlberg etablierte sich das erfolgreiche Konzept von Frauenspielen, die nach den Partien der Altach-Männer ausgetragen wurden und damit den Fans einen Fußballabend in Überlänge boten. Absolutes Highlight war dabei die Partie gegen die Frauen des FC Vienna, die von 1648 Leuten besucht wurde. 

Das Konzept scheint auch an der Konkurrenz nicht spurlos vorübergegangen zu sein. Die Sturm-Frauen feierten bereits im letzten Saisonspiel der vergangenen Saison ihre Premiere in der Merkur-Arena, auch bei der Wiener Austria wird für die kommende Saison mit Spielen in der Generali-Arena geplant.

Neue Euphorie in Oberösterreich

Im Norden Österreichs zeigt sich beim Frauenfußball eine gewisse Aufbruchsstimmung. Die LASK-Frauen zeigten in ihrer Premierensaison in der Oberösterreich-Liga mit 61 Punkten aus 21 Partien in der abgelaufenen Saison eine überragende Leistung. In einem umkämpften Aufstiegs-Playoff nahm die Saison aber ein bitteres Ende.

Die Linzerinnen konnten sich am Ende nicht belohnen
Foto: © LASK

Zwei Unentschieden gegen die Kärntnerinnen aus Oberglan und den steirischen Klub Preding, die ihrerseits Oberglan besiegten, waren für einen Aufstieg in die zweite Bundesliga zu wenig. Die nächste Saison der OÖ-Liga könnte aufgrund eines bekannten Namens dann enger werden als die letzte.

Die SV Ried tritt nämlich ab 2022 in einer Spielgemeinschaft mit Weilbach/Antiesenhofen an, die die letzte Saison auf dem dritten Platz abschlossen. Mit dem Know-How und der Infrastruktur aus Ried könnten die Riederinnen dann ernsthafte Konkurrentinnen um Platz eins darstellen.

Ein Punkt fehlt in Kärnten

Auch die Premierensaison der Frauen von Austria Klagenfurt verlief in der Kärnten-Liga äußerst erfolgreich, im Gegensatz zum LASK scheiterten die Kärtnerinnen aber schon kurz vor der letzten Hürde.

Bis zuletzt gab es ein enges Duell mit dem bereits zuvor erwähnten Klub aus Oberglan, zwei Runden vor Schluss kam es zum direkten Duell. Die Oberglanerinnen gingen mit einem Punkt Vorsprung in die Partie und holten ein 2:2, womit die Tabellenspitze gesichert war. 

Nachdem Oberglan den Aufstieg in Liga zwei im Playoff verpasste, dürfte auch die kommende Saison der Kärnten-Liga auf ein Duell der beiden Vereine hinauslaufen.

Zwei stillgelegte Projekte im Westen

Mit der WSG Tirol und Bundesliga-Aufsteiger Austria Lustenau gibt es im Westen Österreichs gleich zwei Vereine, die den Sprung in den Frauenfußball bereits gewagt hatten, mittlerweile herrscht in dem Bereich aber wieder Funkstille.

(Text wird unter der Tabelle fortgeführt)

Klub Ligazugehörigkeit Endposition Frauenteam ab / von-bis
Sturm Graz Bundesliga 2 2011
Austria Wien Bundesliga 3 2017
Altach Bundesliga 6 2021
LASK OÖ Liga 1 2021
Austria Klagenfurt Kärntner Liga 2 2021
SV Ried OÖ Liga 3 2022
Austria Lustenau Vorarlberg Liga 5 2002-2017
WSG Tirol Tiroler Liga 6 2017-2021
SK Rapid Wien Noch keine Liga - 2024

Die WSG entschied sich 2017 im Windschatten der sensationellen Frauen-EM zu einer Kooperation mit Rinn/Tulfes, die bis 2021 durchgeführt wurde. Seit der letzten Saison ist Rinn/Tulfes wieder ohne die Unterstützung des Herren-Bundesligisten unterwegs, in der abgelaufenen Saison gab es in der Tirol-Liga einen sechsten Platz.

In Lustenau hat der Frauenfußball eine längere Historie. Ab 2002 war die Austria in verschiedenen Modellen unterwegs, meist pendelten die Lustenauerinnen zwischen zweiter und dritter Spielklasse hin und her. 2012 kam es zu einer Spielgemeinschaft mit dem FC Lustenau, ein Jahr später kam auch noch der FC Höchst in das Konstrukt hinzu.

Nach der Saison 2016/17 beendeten Austria Lustenau und Höchst nach einem fünften Platz in der Vorarlberg-Liga die Zusammenarbeit und der Spielbetrieb wurde eingestellt. Die Spielerinnen kamen bei verschiedenen Vorarlberger Vereinen unter. 

Wer traut sich als nächstes?

Bleiben also noch vier Vereine übrig. In Hütteldorf wurde in der Hauptversammlung beschlossen, dass bis 2024 der Spielbetrieb im Frauenfußball gestartet wird. 

Der prominenteste fehlende Name ist Österreichs Fußball-Krösus Red Bull Salzburg. Im Angesicht der Entscheidung bei Rapid gab es auch aus Salzburg wieder Äußerungen zur Thematik Frauenfußball, die Salzburger sehen sich laut "Salzburger Nachrichten" aber weiterhin in einer "Evaluierungsphase".

Beim TSV Hartberg und dem Wolfsberger AC gibt es weiterhin keine Informationen über ein Frauenteam. Gerade in Hartberg mag das ein wenig überraschend wirken, da die Hartberger mit Präsidentin Brigitte Annerl eine Frau an der Spitze des Vereins besitzen, die in Interviews gern mit ihren ambitionierten Plänen für die Steirer aufhorchen lässt.

Warum nicht also auch ein Frauen-Team? Aber was nicht ist, kann ja noch werden...

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