Der Absturz der Ex-Fledermaus

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Die Rettung der abgestürzten Ex-Fledermaus

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Er ist ein Vollblut-Stürmer, ein Torgarant, eine Waffe.

Villarreal kann sich glücklich schätzen, dass Roberto Soldado seit Sommer seine Fußballschuhe im „El Madrigal“ schnürt.

Wenn Rapid am vorletzten Spieltag der Europa-League-Gruppenphase in Spanien aufläuft, wird der 30-jährige Valencianer ebenfalls dabei sein.

Anders als beim Hinspiel in Wien, als Trainer Marcelino den großen Star nicht einmal in den Kader berief und im Ernst-Happel-Stadion lieber die B-Garnitur auflaufen ließ – das Ergebnis ist bekannt.

Keine Chance bei den „Galaktischen“

Während die Grün-Weißen bereits fix qualifiziert sind, geht es für Villarreal noch um den Aufstieg. In diesem Fall kann auf Soldado nicht verzichtet werden.

Die Zahlen und Statistiken seiner Karriere sind beeindruckend, angsteinflößend und zugleich die beste Warnung vor dem Angreifer.

Allerdings ist sein Karriere-Weg durchaus von Rückschlägen gepflastert. Wäre alles nach Plan gelaufen, würde der kleingewachsene Spanier möglicherweise noch immer bei Real Madrid spielen.

Beim weißen Ballett, wo Soldado die Jugendteams durchlief, ihm der große Durchbruch aufgrund der damaligen „Galaktischen“-Generation jedoch verwehrt blieb.

Als Fledermaus flog Soldado am Höchsten

Es waren seine Anfänge, in seinem Heimatland, wo er sich am wohlsten fühlte.

Schon bei seiner ersten Leihstation in Osasuna ließ er mit zwölf Treffern in 41 Spielen sein Können und seinen Torriecher aufblitzen, bei Getafe ging sein Stern mit 33 Toren in 66 Einsätzen endgültig auf.

Nach zwei erfolgreichen Saison war dies gleichzeitig die Fahrkarte zu einem ganz großen Verein, dem Aushängeschild seiner Geburtsstadt, einem La-Liga-Traditionsklub: dem FC Valencia.

Bei den „Fledermäusen“ lernte der Stoßstürmer das Fliegen, schlug ein wie eine Bombe und schraubte sein Tor-Konto in ungeahnte Höhen.

Tore am Fließband

Die investierten 10 Millionen Euro sollten sich für den Champions-League-Finalisten von 2000 und 2001 sowie dem UEFA-Cup-Sieger 2004 allemal lohnen.

Mit 82 Toren und 16 Assists in 141 Pflichtspielen setzte sich Soldado in der Mittelmeer-Metropole ein Denkmal – aufgestellt in lediglich drei Saisonen von 2010 bis 2013.

Zwar im Schatten der üblichen Verdächtigen Lionel Messi und Cristiano Ronaldo, aber für spanische Verhältnisse trotzdem herausragend.

Valencia und Soldado – das funktionierte. Auf allen Linien. Dank seines Torriechers und des großen Vertrauens der Verantwortlichen in seine Fähigkeiten.

Spanischer Teamspieler ohne WM- oder EM-Einsatz

Diesem Engagement verdankte der Offensivspieler, der die Nachwuchs-Nationalteams durchlief, auch die Berücksichtigung im spanischen A-Team.

Zwar feierte er sein Debüt und einen weiteren Einsatz bereits 2007, zwischen 2012 und 2013 ließ er aber weitere zehn, also insgesamt zwölf Einsätze folgen.

Für einen WM- oder EM-Einsatz reichte es jedoch nie, da bekamen Ausnahme-Stürmer wie David Villa, Fernando Torres und Co. den Vortritt.

Nach seinem absoluten Durchbruch in Valencia war es für ihn jedoch an der Zeit, etwas Neues zu probieren. Immerhin zählte er schon 28 Jahre und der Auslandstraum ging ihm nicht aus dem Kopf.

Der Albtraum an der White Hart Lane

Als Tottenham die Angel auswarf, war es um ihn geschehen. Den Spurs war dieser Stürmer sogar die Klubrekord-Summe von rund 30 Millionen Euro wert.

Zu diesem Zeitpunkt konnte Soldado nicht ahnen, dass die kommenden zwei Spielzeiten für ihn zum Albtraum werden und er zwei kostbare Jahre vergeuden würde.

Anfangs hatte der Striker ein gutes Gefühl. Unter dem portugiesischen Coach Andre Villas-Boas lief die Saison gut an, neun Mal trug er sich in 17 Einsätzen für Tottenham in die Torschützenliste ein.

„Ich bin mit Enthusiasmus und Begeisterung nach London gegangen, es war eine Herausforderung für mich. Ich dachte, die Premier League wäre der perfekte Fußball für mich, aber es war genau das Gegenteil der Fall“, gab Soldado in der „AS“ zu.

Mit Villas-Boas verabschiedete sich das Vertrauen

Verantwortlich für den Einbruch machte er die Entlassung von Villas-Boas. Denn seit Dezember 2013 wollte es nicht mehr so richtig klappen.

Soldado hatte mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen, traf innerhalb der zwei Saisonen lediglich 16 Mal – also nur mehr sieben Mal seit AVBs Abschied von der White Hart Lane, unter Mauricio Pochettino.

„Er war derjenige, der mich haben wollte. Seit seiner Entlassung ging alles den Bach hinunter. Ich habe das Vertrauen verloren und hatte eine wirklich schwere Zeit.“

"Glücklich zu sein, in dem, was du tust, ist unverzichtbar im Leben, da gibt es keinen Zweifel. Im Endeffekt zählt das viel mehr als ökonomische oder sportliche Gründe. Der Schlüssel ist, dass du genießt, was du tust."

Roberto Soldado

Plötzlich fehlten ihm die Leichtigkeit, die Genieblitze und der Torhunger. Weit weg von der Heimat funktionierte der Spieler nicht mehr so wie gewohnt.

„Glücklich zu sein, ist unverzichtbar im Leben“

Im Nachhinein gesehen, war die Erfahrung jedoch auch hilfreich. Denn Soldado meinte, dass er „nun sein Leben noch mehr schätze und liebe“.

Das gab er allerdings erst zu, als der Albtraum ein Ende nahm. Als Villarreal im Sommer dieses Jahres ein Angebot abgab, musste der Stürmer nicht zwei Mal überlegen.

Er wollte zurück in die Heimat, dort wo davor alles nach Plan lief. Die Erinnerungen an die Zeit in London verschwammen, nur das Hier und Jetzt stand im Vordergrund.

„Glücklich zu sein, in dem, was du tust, ist unverzichtbar im Leben, da gibt es keinen Zweifel. Im Endeffekt zählt das viel mehr als ökonomische oder sportliche Gründe. Der Schlüssel ist, dass du genießt, was du tust.“

Bei Villarreal zu altem Glanz?

Nicht umsonst beschrieb er seine Rückkehr nach Spanien als „sehr wichtigen Schritt in meiner Karriere.“

Bei Villarreal hat Soldado seit seines rund 17 Millionen Euro Transfers wieder neuen Mut gefasst. Hier will er allen beweisen, dass er es doch noch drauf hat.

„Ich wollte zurück, um wieder auf einem guten Level zu spielen und viele Tore zu schießen. Ich will wieder der Spieler sein, der ich einmal war.“

Mit viel Spielzeit und vier Toren in 14 Pflichtspiel-Einsätzen lief es bei der neuen Station ganz gut an. Die Freude ist zurück, der Spaß am Spiel.

Für Soldado neben dem Selbstvertrauen das Wichtigste. Und gleichzeitig die größte Gefahr für Rapid, wenn Villarreals Torjäger losgelassen wird.


Alexander Karper

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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