Ilzer demütig: "Wer hätte sich das gedacht?"

Ilzer demütig: Foto: © GEPA
 

Der Behauptung, dass das Stadion in Graz-Liebenau nach Schlusspfiff schon länger nicht mehr so eine Party erlebt hat, wird man kaum widersprechen können.

Vor dieser Saison gab es aus bekannten Gründen länger nicht die Gelegenheit, mit den Sturm-Fans zu feiern. Vor der Pandemie gab es eine Zeit lang nur selten sportliche Gründe für intensive Feierlichkeiten.

Entsprechend ließen es Spieler, Betreuer und schwarz-weiße Fans nach dem 2:0-Erfolg des SK Sturm gegen NS Mura und dem damit verbundenen Einzug in die Gruppenphase der Europa League in der halben Stunde nach dem Schlusspfiff krachen.

Gänsehaut pur, bei der einem der Begriff "Demut" nicht als erster in den Sinn kommt.

Erfolgstrainer Christian Ilzer wählte jedoch genau diesen zur Einordnung eines auch für ihn emotionalen Moments.

"Einzug in die Gruppenphase der Europa League hört sich fantastisch an. Es ist aber auch ein Moment, um ein bisschen demütig zu sein. Denn wer hätte sich das gedacht, dass wir ein Jahr nach dem Neustart in der Auslosung zur Europa League dabei sind? Ein richtig schöner Erfolg, den wir mit den Fans sehr genossen haben."

Und wie man dies genossen hat.

Fans kitzeln die letzten Reserven raus

"Es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn man einen großen Erfolg einfährt und ihn gemeinsam mit den Fans im eigenen Stadion feiern kann", streicht Ilzer hervor.

"Die Fans unterstützen uns schon über die ganze Saison - auch in den Auswärtsspielen - auf wirklich fantastischem Niveau. Das beflügelt uns natürlich, kitzelt noch mal die letzten Reserven raus."

Christian Ilzer

Nur vermeintlich ein banaler Gedanke, denn der 43-Jährige musste ein Jahr lang überwiegend bei Geisterspielen seine Truppe in die Erfolgsspur bringen. Der gelungene Saison-Start ist so gesehen auch im Hinblick auf die Anhängerschaft der Lohn für die gute Arbeit.

"Die Fans unterstützen uns schon über die ganze Saison - auch in den Auswärtsspielen - auf wirklich fantastischem Niveau. Das beflügelt uns natürlich, kitzelt noch mal die letzten Reserven raus. So kann es gerne weitergehen", schwärmt der Oststeirer.

Souverän und intelligent

Am Mittwoch verlängerte Ilzer seine Vertrag bei Sturm bis 2024, nun der EL-Einzug - seine bisher schönsten 48 Stunden als Sturm-Trainer?

"Wenn man einen Erfolg einfährt, der schon ein großes Ziel von uns war, ist das natürlich ein schönes Gefühl. Für mich ist es aber auch ein schönes Gefühl, Fußball-Trainer zu sein und jeden Tag mit einer super Mannschaft auf dem Platz zu stehen und an unseren nächsten Zielen zu arbeiten. Das überwiegt über die Zeit, weil man es jeden Tag erleben kann.

Siebenhandl macht einen jungen Fan glücklich
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Und diese tägliche Arbeit macht sich insofern bezahlt, weil man auf dem Platz die Fortschritte sehen kann. In der noch jungen Saison scheint den Steirern der nächste Schritt nach vorne gelungen zu sein.

Das war auch gegen den slowenischen Meister zu beobachten, dazu benötigte es nach dem 3:1 im Hinspiel gar kein Feuerwerk - im Gegenteil.

"Der Auftritt war ein souveräner und intelligenter", lobt Ilzer, bis auf eine Chance zu Beginn habe man nichts zugelassen, "mit dem Führungstor haben wir immer mehr Sicherheit bekommen, Höhepunkt war das Tor von 'Jantschi, das war auch die Entscheidung. Über beide Partien sind wir der verdiente Sieger."

Nur kein Schlendrian

Ein Zwei-Tore-Vorsprung nach dem Auswärtsspiel könnte eine Einladung für einen Schlendrian im Rückspiel sein, aber selbigen würde der Sturm-Coach nicht zulassen.

Auch in dieser Partie versuchte er "reinzucoachen", wenn ihm Kleinigkeiten auffielen, wie dass die Energie ein wenig verloren ging oder man in den Zweikämpfen und im Positionsspiel nicht mehr so konsequent war:

"Das ist alles nötig, das darf auch bei einer Führung nicht verloren gehen, das muss man ständig auf hohem Niveau bringen. Dann wird man auch Übergewicht bekommen, das Spiel kontrollieren und ein souveränes Ergebnis herausbekommen."

In der Gruppenphase wird es noch viel mehr auf Details ankommen, schließlich warten dort einige Kaliber auf Sturm (Die Töpfe der EL-Auslosung).

Der einzige Wunsch ist bereits erfüllt

Mit Kapitän Stefan Hierländer meinte nach dem Schlusspfiff ein langjähriger Sturm-Kicker, dass er seine Ziele nun neu definieren muss, wo die Grazer endlich wieder eine Gruppenphase erreicht haben.

Auch für Ilzer ist dabei sein nicht alles, wenngleich er vorher natürlich die Auslosung abwarten möchte: "Jetzt genieße ich gerade. Dann werden wir uns die Auslosung anschauen, wo die Reise hingeht. Für uns wird jedoch ganz wichtig sein, dass wir am Freitag - trotz Auslosung - den Fokus schon voll auf das Admira-Spiel richten. Denn das wird unser erstes großes Ziel, dass wir da wieder anschreiben."

Dass die EL-Auslosung (ab 12 Uhr im LIVE-Ticker) keine Ablenkung darstellt, könnte eine Herausforderung werden. Vielleicht hätte sie Ilzer auch deswegen am liebsten "irgendwie schon in diesem Moment" gehabt.

Spezielle Wünsche gibt es jedenfalls keine: "Wir freuen uns riesig darauf, dass es richtig attraktive Gegner gibt. Ich bin sehr gespannt, in welche Gruppe wir gelost werden. Unser einziger Wunsch war, dass wir dabei sind. Jetzt werden wir uns überraschen lassen."

Ilzer gratuliert Salzburg, Rapid und LASK

Nachdem der FC Red Bull Salzburg schon am Donnerstag seine Gegner in der Champions League zugelost bekommen hat, ist der Freitag neben Sturm auch für Rapid und den LASK Lostag.

Dass alle verbliebenen ÖFB-Vertreter in der Playoff-Phase abgeräumt haben, freut auch Ilzer: "Gratulation an Rapid, LASK und Salzburg, das es schon am Mittwoch in einem ganz schwierigen Spiel gut hingekriegt hat. Champions League, zwei Mal Europa League, ein Mal Conference League - das ist ein gutes Zeichen für den österreichischen Fußball und kann sich sehen lassen. Österreich kann sich auf einen tollen internationalen Herbst freuen."

Und vielleicht kann sich ja auch der Sturm-Coach angesichts der fixierten Europa-League-Einnahmen noch über einen Last-Minute- Neuzugang vor dem Schließen des Transferfensters freuen:

"Es ist bekannt, dass wir noch auf einer Position die Augen offen halten. Wenn wir den passenden Spieler noch erwischen, dann gibt es möglicherweise noch einen Transfer."


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