Rapid-Gegner FCSB? Was von Steaua übrigblieb

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Hinter dem unscheinbaren Kürzel FCSB verbirgt sich einer der schillerndsten Fußball-Klubs Osteuropas.

Als Steaua Bukarest - der Name musste nach einem verlorenen Rechtsstreit mit dem Verteidigungsministerium abgelegt werden - avancierte Rapids Europa-League-Playoff-Gegner zu Rumäniens Rekordmeister und in den 1980er-Jahren sogar zu einer internationalen Top-Adresse.

Vom Glanz vergangener Tage ist vor dem Hinspiel im Europa-League-Playoff gegen den SK Rapid aber wenig übrig. "Für viele war die Umstellung ein großer Schock", verrät Emanuel Rosu LAOLA1.

Von Steaua zu FCSB: "Die Leute sind verwirrt"

Der rumänische Journalist aus Bukarest arbeitet als Fußball-Berichterstatter unter anderem für "The Guardian", "ESPN", "Four Four Two" und "BBC World Service".

Die Entwicklung von Steaua zu FCSB und seine Folgen kennt der Experte nur zu gut: "Die größte und wichtigste Änderung ist, dass die Leute verwirrt sind. Eine große Anzahl an Fans hat den Klub verlassen, speziell in der heimischen Meisterschaft. Früher waren es mehr, jetzt kommen nur ein paar Tausend, höchstens 10.000 zu den wichtigen Spielen. Viele hinterfragten daraufhin, wie Klubboss George Becali diese Dinge angegangen ist. Das war für viele ein mächtiger Schlag."

Nach vielen Gerichtsverhandlungen stand der Meistercup-Sieger von 1986 ohne den altbekannten Namen und ohne Vereinssymbole da. Diese reklamierte das Verteidigungsministerium für sich, weil der 1947 gegründete und 1998 privatisierte FC Steaua jahrzehntelang der Klub der Armee gewesen war. Am Ende wurde im Sinne des Ministeriums entschieden und Becali musste den Rekord-Champion im März 2017 zähneknirschend in "SC Fotbal Club FCSB SA" umtaufen.

Die UEFA akzeptiert den Verein trotz der Namensänderung als Rechtsnachfolger, daher werden dem FCSB von der europäischen Fußball-Union neben dem Meistercup-Sieg auch die 26 Meistertitel und 22 Cupsiege sowie der Gewinn des europäischen Supercups 1986 angerechnet.

"Das große Problem ist, dass sich die Fans aufgesplittet haben"

Die Veränderungen hatten durchaus weitreichende Folgen, wie Rosu weiß. "Die Mehrheit, 80 bis 85 Prozent haben das neue FCSB-Team akzeptiert und sehen das Team als Weiterführung von Steaua an. Aber viele, die dem Team nicht mehr folgen, waren sehr leidenschaftlich und sehr entscheidend für den Steaua-Support."

Die Atmosphäre im Stadion leidet, eine der großen Ultras-Gruppierungen wanderte ab und unterstützt nun jenes Team, dass von der Armee geführt unter dem alten Namen "Clubul Sportiv al Armatei Steaua București", kurz Steaua, in der vierthöchsten Liga einen Neustart hinlegt. Nur teilweise pendeln Supporter für die großen Spiele und schauen bei FCSB vorbei.

Die wohl größte Schwierigkeit laut Rosu. "Das große Problem ist, dass sich die Fans aufgesplittet haben. Nach dem Gerichtsbeschluss gegen Becalis Klub gab es ein paar Monate gar keinen organisierten Support, nur normale Zuschauer, keine Ultras. Das ist ein enormes Problem für das Team, auch neue Ultrabewegungen sind nicht so lautstark wie damals."

Derbys vor 40.000 Zuschauern nur mehr in der 4. Liga

Zudem fand sich das viertklassige Team mit den gewonnenen Namensrechten zuletzt in einer Liga mit dem vor einigen Jahren in Konkurs gegangen Erzrivalen Rapid Bukarest wieder. Beim Derby waren mehr als 40.000 Zuschauer - in der vierthöchsten Spielklasse wohlgemerkt.

"Die Atmosphäre war fantastisch. Es war wie bei den Derbys in den 90er Jahren. Das ist der größte Verlust für FCSB, wie sie jetzt sind. Sie haben die Energie der Vergangenheit verloren. Es ist ein Klub wie jeder andere auch, ein großer, wichtiger Klub, aber einige fühlen, dass es nicht mehr das Gleiche ist."

FCSB tauschte Stadion mit Armeeklub Steaua

Lange Zeit herrschte Ungewissheit. Es folgten Verhandlungen, Einsprüche, niemand wusste so genau den gesetzlichen Rahmen, auch nicht die Journalisten. Irgendwann war die Entscheidung jedoch rechtskräftig, genauer gesagt im März 2017, und das ursprüngliche Steaua plötzlich FCSB.

Das hatte auch lokale Auswirkungen. Das Heimstadion wurde gegen das Nationalstadion getauscht, auch die Trainingsplätze wurden verändert. An der alten Wirkungsstätte spielt nun der Armeeklub weiter.

Sportlich will der neue FCSB aber wieder hoch hinaus. Der letzte Meistertitel und Cupsieg gelang 2015. Die Vorsaison beendete FCSB auf Rang zwei, derzeit liegt der Verein in der Liga I mit zehn Punkten aus fünf Spielen einen Zähler hinter Cluj ebenfalls an zweiter Stelle. In der erfolgreichsten Ära des Klubs war Steaua Rumäniens unangefochtene Nummer eins - davon zeugt etwa eine Serie von 104 Liga-Partien ohne Niederlage zwischen Juni 1986 und September 1989, womit ein Weltrekord aufgestellt wurde, der im Moment noch immer als Europarekord Bestand hat.

Im vergangenen Jahr scheiterten die Rumänen im CL-Playoff an Sporting, spielten in der Europa-League-Gruppenphase und scheiterten im Sechzehntelfinale am späteren Salzburg-Gegner Lazio Rom.

Dubioser Klubboss Becali "ist ein Berlusconi-Typ"

Auch nach dem Umbruch zieht mit George "Gigi" Becali ein äußerst umstrittener Geschäftsmann die Fäden, der immer wieder für Schlagzeilen und Empörung sorgt, jedoch viel Geld und dadurch viel Macht in Rumänien besitzt.

"Er ist der Klub – jede Entscheidung wird mit seiner Einwilligung oder von ihm direkt getätigt. Er ist ein sehr positiver Typ, der viel mit Medien redet und viele gute Dinge für arme Menschen gemacht, viel geholfen, viel Geld für Charity zur Verfügung gestellt und viele Dinge außerhalb von Fußball geleistet hat. Aber im Fußball will er alles beeinflussen, er ist ein Berlusconi-Typ. Er will alles kontrollieren, ändert sehr viel und ist ein sehr kreativer Typ. Er mag es, im TV zu sein. Was den Typ gut beschreibt ist, dass er die Spieler kritisiert, sagt, dass sie für nichts gut sind, und am nächsten Tag sind sie wieder gut genug", verrät Experte Rosu.

Seine ersten Millionen machte Becali 1999 durch einen undurchsichtigen Landtausch mit dem rumänischen Verteidigungsministerium - ein umstrittener Deal, der die Staatsanwaltschaft auf den Plan rief.

Im Gefängnis, zumindest in Untersuchungshaft, landete Becali 2009 wegen des Delikts der Freiheitsberaubung. Becalis Leibwächter hatten Diebe eines seiner Luxusautos ausfindig gemacht und stundenlang in den Kofferraum des wieder entdeckten Fahrzeugs gesteckt. Zuvor war der streitbare Unternehmer als Kandidat einer nationalistischen Partei ins Europaparlament gewählt worden, konnte sein Mandat aber nur beschränkt ausüben, weil gegen ihn phasenweise ein Ausreiseverbot bestand. Diverse Vergehen brachten Becali, der 2012 auch für kurze Zeit ins rumänische Parlament einzog, schließlich eine rund zweijährige Haftstrafe ein, die er 2015 abgesessen hatte.

Respekt, aber zu wenig Vertrauen in FCSB-Strippenzieher

Der dubiose Klub-Boss steht gerne im Mittelpunkt. Seine Art kommt jedoch nicht in jederlei Hinsicht gut an.

"Die Leute respektieren ihn für seine Leistungen außerhalb des Fußballs. Aber durch seinen kontroversellen Charakter und seine Art sich zu präsentieren, wird er nicht so ernst genommen, wie er es gerne hätte. Denn er stellte sich der Präsidentschaftswahl, versuchte sich in der Politik, aber es hat sich nie ausgezahlt. Er ist der Typ Charakter, den einige lieben und bewundern, aber sie wählen ihn nicht. Sie vertrauen ihm nicht genug", weiß der rumänische Fußball-Spezialist.

Zudem habe Becali sehr eigenwillige Ansichten und gilt als Geschäftsmann, aber nicht unbedingt als Fußball-Experte. "Er verfolgt Fußball, aber rumänischen Fußball hauptsächlich. Er hat sich erst durch Neymar in den europäischen Fußball verliebt, er mag jetzt Neymar. Das ist, warum er jetzt sagt, dass er Spieler um hunderte Millionen verkaufen will – seit Neymar um 220 Millionen von Barcelona zu PSG gewechselt ist, und Mbappe auch. Er sagte, dass Florinel Coman von FCSB besser als Mbappe ist und mehr Talent hat. Also warum sollte man diesen nicht um so viel Geld verkaufen?", weiß der rumänische Berichterstatter.

Neuer Aufschwung? Vormachtstellung in Rumänien verloren

Grundsätzlich zahlt Becali nicht nur für rumänische Verhältnisse hohe Gehälter, dennoch verlor man nach dem bisher letzten Meistertitel 2015 die nationale Vormachtstellung an Provinzklubs wie CFR Cluj, Viitorul Constanta und Astra Giurgiu.

Der größte Triumph im Meistercup-Finale am 7. Mai 1986, als Steaua den klar favorisierten FC Barcelona mit 2:0 im Elfmeterschießen besiegte, war der Höhepunkt der Vereinsgeschichte. Drei Jahre später reichte es für das damalige Spielzeug des Ceausescu-Clans im wichtigsten Europacup-Bewerb immerhin noch zur Finalteilnahme. Seither ging es langsam, aber stetig bergab, daran konnte selbst ein millionenschwerer Klubchef nichts ändern.

Ob es FCSB zwei Jahre in Folge in die Gruppenphase der Europa League schafft, hängt von den Playoff-Duellen gegen den SK Rapid ab. Mit neuem Namen, neuem Logo, aber großer Vereinsgeschichte wartet auf die Grün-Weißen mit Sicherheit eine schwierige Hürde.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

UEFA-Verfahren gegen Rapids Europa-League-Gegner FCSB

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