Nach sieben Jahren in der renommierten Akademie, wo er an der Seite von heutigen Stars wie Pierre Kalulu und Amine Gouiri trainierte, stand Lepaul plötzlich ohne Klub und ohne seinen größten Mentor da. Der Traum vom Profifußball schien geplatzt.
Der mühsame Wiederaufbau in den unteren Ligen
Anstatt aufzugeben, begann Lepaul den mühsamen Wiederaufbau in den Niederungen des französischen Fußballs. Er unterschrieb beim Viertligisten SAS Épinal und fand sofort seinen Torriecher wieder. Er erzielte fünf Tore in nur acht Spielen, bevor die Saison wegen der COVID-19-Pandemie abrupt abgebrochen wurde.
Es folgte ein zweijähriges Engagement beim Drittligisten US Orléans, wo er sich an das raue Klima des Männerfußballs gewöhnen musste. In 72 Pflichtspielen traf er 25 Mal und bewies, dass sein Instinkt vor dem Tor ungebrochen war, auch wenn der Weg zurück in den Spitzenfußball noch weit und steinig schien.
Eine triumphale Rückkehr zu Épinal, die mittlerweile in die dritte Liga aufgestiegen waren, katapultierte ihn endgültig ins Rampenlicht:
Mit 14 Toren in 20 Partien war er der beste Schütze der Liga zur Saisonhälfte und sicherte sich im Jänner 2024 für eine bescheidene Ablöse von 150.000 Euro einen Wechsel zum Zweitligisten Angers SCO.
Die Explosion im Rampenlicht der Ligue 1
Bei Angers wurde er sofort zu einer Schlüsselfigur und trug maßgeblich zum Aufstieg in die Ligue 1 bei. Der Start in der höchsten Spielklasse verlief zunächst jedoch holprig. Bis in den Spätherbst hinein hatte er nur eine einzige Partie über die vollen 90 Minuten absolviert und suchte noch nach seinem Platz im System.
Die Wende kam mit dem Jahreswechsel 2024/25: Plötzlich schien Lepaul nicht mehr aufhören zu können, Tore zu schießen.
Fünf Treffer in vier aufeinanderfolgenden Spielen im Pokal und in der Liga verwandelten ihn vom Ergänzungsspieler zum unverzichtbaren Anführer im Angriff und weckten das Interesse größerer Klubs.
Dieser Lauf war genug, um im Sommer 2025 Stade Rennes zu überzeugen, ihn für eine Ablöse von 13,5 Millionen Euro zu verpflichten. Arnaud Pouille, Vorstandsvorsitzender des Klubs, beschrieb ihn als "instinktiven Spieler mit einer Siegermentalität. Sein einzigartiger Karriereweg zeigt, dass man seine Ziele niemals aufgeben sollte".
Lepaul kann sich in Rennes entfalten
In Rennes wurde Lepaul schnell zum "echten Killer vor dem Tor", wie ihn Ex-Stade-Rennes-Trainer Habib Beye nannte. Seine Fähigkeit, stets am richtigen Ort zu sein, macht ihn auch im aktuellen System von Franck Haise unersetzlich.
Sein exzellentes Gespür für Räume und seine Kaltschnäuzigkeit im Abschluss, oft mit nur einer Berührung, sind seine größten Stärken und machen ihn extrem effizient. Zusätzlich machen ihn seine Arbeitsmoral und sein bodenständiger Charakter bei den Fans besonders beliebt.
Endgültig in die Herzen der Fans schoss er sich wohl mit seinem Hattrick beim 4:1-Sieg gegen Straßburg im November 2025. "Manche Teams liegen einem einfach", scherzte Lepaul danach. "Straßburg kommt aus meiner Heimatregion, vielleicht liegt es daran. Aber die Freude über Tore ist immer dieselbe."
Klares Bekenntnis
Am Ende seiner ersten vollen Saison mit Stade Rennes standen 20 Tore und fünf Assists zu Buche. Dies (plus das eine Liga-Tor, das er zu Beginn der Saison 2025/26 für Angers erzielte) reichte, um nicht nur die Ligue-1-Torjägerkrone, sondern auch einen Platz im "Team des Jahres" der Liga zu gewinnen - sowie Begehrlichkeiten aus ganz Europa auf sich zu ziehen.
Laut Berichten von "Foot Mercato" soll Atlético Madrid eine Anfrage gestellt haben, auch Benfica und Como sollen am Stürmer dran gewesen sein.
An einen erneuten Wechsel wollte Lepaul in diesem Sommer aber nicht denken - zu wohl fühle er sich aktuell in seiner Star-Rolle bei Stade Rennes.
"Meine Zukunft ist bei Rennes. Der nächste Schritt für mich ist eine komplette Saison mit einem Verein, der europäisch spielt. Das passt also perfekt."
Mittwoch (16.9.): SK Sturm Graz - Stade Rennes, ab 21:00 Uhr im LIVE-Ticker >>>