Sahanek: Vom "Krankenbett" in die Champions League

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Im Fußball geht es bekanntlich schnell.

Marco Sahanek spielte im Frühjahr noch mit dem FAC gegen den Abstieg aus der Ersten Liga, nun will er mit seinem neuen Verein Hibernians FC aus Malta Red Bull Salzburg aus der CL-Quali kicken.

„Ich hätte mir nicht gedacht, dass ich so schnell wieder nach Österreich komme“, erklärt der 27-Jährige im Gespräch mit LAOLA1 und freut sich mit Landsmann Martin Kreuzriegler auf die Aufgabe.

„Für Kreuzi (23) und mich ist das eine super Geschichte, weil auch viele Freunde und Verwandte zuschauen kommen.“

Die Verantwortlichen im Verein freuen sich ebenso auf Österreichs Champion.

„Das Los ist für den Klub ein Traum. Vor dem Erstrunden-Duell meinte unser Trainer Mark Miller, dass wir bei einem Aufstieg einen großen Verein bekommen würden. Für mich wäre das ja einer wie Liverpool, aber auf Malta ist auch Salzburg schon eine große Nummer“, grinst Sahanek.

„Salzburg ist immer ausgeschieden“

Freilich rechnen sich die Underdogs aus Paola (im Südosten Maltas) auch ihre Chancen aus, denn bekanntlich ist Salzburg in der Champions-League-Quali traditionell ein schlagbarer Gegner.

„Natürlich ist Salzburg der klare Favorit, aber sie sind bislang immer ausgeschieden. Das ist im Hinterkopf. Wir haben zu Hause einen kleinen Platz, wenn wir da kompakt stehen und unsere Chancen nützen, ist etwas drin. Es braucht aber zwei sehr gute Tage, um die Sensation zu schaffen.“

"Natürlich ist Salzburg der klare Favorit, aber sie sind bislang immer ausgeschieden. Das ist im Hinterkopf."

Sein Klub, der seit 1931 in Anlehnung an den von irischen Katholiken gegründeten schottischen Klub Hibernians heißt (zuvor Constitutionals FC), wurde in diesem Jahr zum zwölften Mal Meister.

Das bedeutet Platz vier in der maltesischen Meister-Hitparade hinter Sliema Wanderers (26), Floriana (25) und Hauptstadt-Klub Valletta (23). Die zweite CL-Quali-Runde ist schon jetzt ein großer Erfolg.

Der Doppel-Wechsel von Wien nach Malta

Mit 2:0 und 1:0 setzten sich die "Hibs" gegen den FC Tallinn durch und stehen wie 2002 wieder in der zweiten CL-Quali-Runde. Sahanek attestiert seiner Mannschaft durchschnittliches Bundesliga-Niveau.

„Es sind auch einige gute Einzelspieler dabei“, sagt der Wiener, der beim 2:0 gegen Tallinn beide Tore per Standards auflegte. Hier hat Salzburg bekanntlich Schwächen. Die anderen wurden beobachtet.

„Hier wird professionell gearbeitet, beim letzten Testspiel waren Vertreter von uns in Salzburg“, erzählt Sahanek, der zwei Mal gegen RBS spielte (0:7 mit Horn im Cup 2014, 0:2 mit KSV 2012).

Der FC Red Bull Salzburg stellt seine Sondertrikots für das internationale Geschäft vor:

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Für den Mittelfeldspieler ist Maltas Meister Verein Nummer elf, im Winter hätte er eigentlich nach Vilnius wechseln sollen, doch der FAC hielt ihn in Wien und dort waren auch die "Hibs" zu Gast.

„Sie haben Kreuzi und mich im letzten Spiel beobachtet (Sahanek mit Tor und Assist, Anm.). Bei ihm ist es schneller gegangen, bei mir hat es etwas gedauert, aber wir haben es hinbekommen.“

Freundin und Tochter kommen bald nach. „Wir lernen etwas Neues kennen, die Kleine wird in einen englischen Kindergarten gehen, für uns alle sind das schöne Erfahrungen“, weiß Sahanek. Großer Pluspunkt: das Klima, das auch viele Brasilianer in die maltesische Premier League bringt.

Lob für Dominik Glawogger

Reich wird hier kaum einer, aber es lässt sich leben. Sahanek verdient mehr als in der zweiten österreichischen Liga und zieht Vergleiche zu kleineren Bundesliga-Vereinen.

„Die Prämien sind ein guter Anreiz“, sagt der frühere Austria-Nachwuchs-Kicker, der aber eben nicht nur das Geld sieht. „Es herrscht Urlaubsfeeling. Aber du kannst natürlich auch nicht immer am Strand liegen, sonst bist du im Training müde. Ab und an werden wir es aber schon hinschaffen.“

Dominik Glawogger rief mich am Morgen an und sagte, ich solle nicht überrascht sein, wenn ich krank bin und nicht nach Horn mitreise.

Geschafft haben Kreuzriegler und Sahanek auch den Klassenerhalt mit dem FAC. Der Kampf gegen Ex-Klub Horn wurde erst im Finish gewonnen. Mit Jung-Interims-Trainer Dominik Glawogger (27).

„Mit einem anderen Trainer wäre uns das nicht gelungen“, lobt Sahanek, der aber auch über anfängliche Skepsis zu berichten weiß. „Die Mannschaft war erst gespalten, aber es hat super gepasst.“

Glawogger gab seinen Spielern die nötigen Freiheiten, schweißte das Team erfolgreich zusammen.

Vom „Krankenbett“ zum Matchwinner

Und trickste auch erfolgreich. Der Geschäftsführer Sport ließ via soziale Medien wissen, dass Sahanek im Auswärtsspiel gegen Konkurrent Horn wegen Erkrankung nicht dabei sein würde.

Am Abend war er dann mit Tor und Assist der Matchwinner im Waldviertel.

„Ja, das war seine Idee“, grinst Sahanek. „Er rief mich am Morgen an und sagte, ich solle nicht überrascht sein, wenn ich ‚krank‘ bin und nicht mitreise. Meine Schwester rief mich gleich an, was los sei. Wie ich in Horn aus dem Bus stieg, hat man dann schon geschaut. Ich habe nur lachen müssen.“

Ob es am Dienstag auf Malta bzw. am Mittwoch eine Woche später in Salzburg auch etwas zu lachen geben wird, wird sich weisen. In jedem Fall liegt Sahaneks nähere Zukunft auf der Insel.

„Ich bin froh, hier zu sein. Es gibt die Option auf zwei weitere Jahre, möglicherweise ergibt sich mit guten Leistungen auch etwas in Italien. Da sind aufgrund der Nähe immer wieder Scouts da.“

Auch in der CL-Quali, die Sahanek erfolgreich gegen das „Krankenbett“ eintauschte.

Textquelle: © LAOLA1.at

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