Verpatzt! Bayern ärgern "Geschenke" für Real

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Der FC Bayern München ist im Tal der Tränen.

Das 2:2 im Semifinal-Rückspiel der UEFA Champions League bei Real Madrid war zu wenig, um das 1:2 aus dem Hinspiel wettzumachen. Während die Königlichen am 26. Mai in Kiew im CL-Finale entweder auf Liverpool oder AS Roma treffen, ist die Europacup-Saison für die Deutschen beendet.

Der Patzer von Sven Ulreich wurde den Bayern zum Verhängnis. Eine skurrille Aktion, die schlussendlich das Endspiel unerreichbar machte. Und alle fragen sich: Wäre das mit Manuel Neuer auch passiert?

Was ging Ulreich beim Patzer durch den Kopf?

Die Szene im Detail: Tolisso spielte in Bedrängnis einen Rückpass auf Ulreich, der den Ball mit einer unkoventionellen Bewegung passieren ließ, Karim Benzema machte nur 15 Sekunden nach der Pause das vorentscheidende 2:1 (46.) aus Real-Sicht.

Ein Slapstick-Tor zum unglücklichsten Zeitpunkt für den deutschen Rekordmeister. Was sich Ulreich dabei gedacht hat, wird wohl nur er selbst beantworten können.

Die einfachste, abzuleitende Antwort ist jedoch, dass der Keeper hinrutscht, um den Ball mit den Händen aufzunehmen. Im Rutschen fällt ihm aber ein, dass er den Rückpass nicht aufnehmen darf, mit den Füßen kommt er zu spät, der Ball rutscht durch.

Ausgerechnet Ulreich, der zu Beginn seiner Zeit als Ersatzmann für Neuer belächelt wurde, sich aber in den vergangenen Monaten zu einem absoluten Top-Torhüter und sicheren Rückhalt gemausert hat, der auch deshalb als Kandidat für Joachim Löw bei der WM in Russland gehandelt wurde.

Hummels zum Patzer: "Das ist auf dem Niveau schon eklatant"

Für die Bayern waren schlussendlich zwei Dinge entscheidend für das Aus: Die vergebenen Großchancen in beiden Spielen gegen die Madrilenen, und der unglückliche Patzer ihres Keepers Ulreich. Ob dies den Unterschied ausgemacht hat?

"Ja, vielleicht, aber das stehen wir als Mannschaft durch. Das hat man auch gesehen, wir haben uns nach dem Fehler nicht beeindrucken lassen. Wir wollten und haben einfach weitergespielt", stellt sich ÖFB-Legionär David Alaba bei "Sky" hinter Ulreich.

Schon mehr Kritik klang bei Abwehrchef Mats Hummels durch: "Wir haben Real in beiden Spielen ein Tor geschenkt. Das kommt vor, aber ist auf dem Niveau schon eklatant."

Trainer Jupp Heynckes analysierte bei "Sky": "Wie so oft, waren Kleinigkeiten entscheidend. Wir haben im Hinspiel zwei Geschenke verteilt. Dann spielen wir die erste Halbzeit absolut weltklasse, gehen raus und machen solch einen Fehler, da ist es schwer wieder zurück zu kommen. Wir haben aber Charakterstärke gezeigt."

Den Fehler von Ulreich kann er sich folgendermaßen erklären: "Man hat das Gefühl, dass er zuerst mit der Hand hingehen wollte und es zu spät gemerkt hat, dass er das nicht darf. Aber der Pass zurück darf schon nicht gespielt werden. Aber Ulreich hat eine tolle Saison gespielt."

"Wenn du den Titel holen willst, musst du die ganz großen Chancen nützen"

Die Enttäuschung war den Spielern eindeutig anzusehen. Wieder einmal hat es nicht gereicht, wieder einmal gegen Real.

Alaba wurde als Erster vor das "Sky"-Mikrofon gebeten, beim 1:1-Ausgleich durch Benzema (11.) ließ er den Stürmer entwischen und einköpfen.

"Unmittelbar nach dem Spiel ist es schwierig, wie es in uns aussieht. Wir sind sehr enttäuscht über das Ausscheiden, weil viel mehr drin war. Wir hätten es uns sicher verdient, ins Finale einzuziehen. Wir wissen alle, dass wir Chancen hatten, die aber liegengelassen haben und das der Grund für das Aus ist."

Auch diesmal spielten sich die Bayern wie schon im Hinspiel vor einer Woche eine Vielzahl an Chancen heraus. Zwei Treffer waren aufgrund der Fülle an Möglichkeiten jedoch zu wenig. Warum die Torfabrik ausgerechnet im Semifinale gegen Real stockte?

"Wir hatten sie nicht im Sack, aber wir waren überlegen, waren besser, hatten Chancen ohne Ende. Es bringt uns leider echt gar nichts, obwohl wir auch ein paar Ausfälle hatten und trotzdem eine gute Mentalität an den Tag gelegt haben. Da nützt es nichts, dass wir einen geilen Kampf geliefert haben", brachte es Hummels auf den Punkt.

Ob die Chancenverwertung noch zum großen Thema wird? "Keine Ahnung, das kann man thematisieren. Aber auch Real hatte eine riesige Chance auf das 3:1 und hat sie nicht gemacht. Aber wenn du den Titel holen willst, musst du die ganz großen Chancen nützen."

Elfmeterdiskussion: Unterschiedliche Meinungen

Verteidiger Niklas Süle spürte zwischendurch eine Euphoriewelle, umso enttäuschter ist er nach zwei ansprechenden Leistungen über das Ende der Titelträume.

"Man sieht, dass auf so einem Niveau gegen eine der besten Mannschaften der Welt, die zwei Mal hintereinander die Champions League gewonnen hat, solche Fehler sofort bestraft werden. Ich mache keinem einen Vorwurf, es ist knallhart wie Real das ausnützt."

Am Ende wurde aber auch - wieder einmal - über Elfmeter diskutiert, die den Bayern nicht zugestanden wurden. Allen voran ein Handspiel von Marcelo, der aus kurzer Distanz am Strafraum-Eck an der Hand getroffen wird. Trotz heftiger Proteste blieb der Elfmeterpfiff aus. Was für den Schiedsrichter im Rücken schwer zu sehen war, hätte aber der Assistent auf der Grundlinie sehen müssen.

"Ich habe das in der Halbzeit kurz mitbekommen, dass es ein Elfmeter war, aber wir haben uns nicht ablenken lassen", wollte Alaba diesem Thema aber nicht zu viel Bedeutung zukommen lassen.

Auch Heynckes merkte nur kurz an: "Wenn man es so sieht, ist es dann natürlich ein Elfmeter. Aber wir müssen ganz klar sehen, dass wir Geschenke verteilt haben und brauchen nicht über den Schiedsrichter diskutieren."

Süle sah das ein bisschen anders: "Wir hatten schon viele Möglichkeiten und hätten zwei Elfmeter bekommen können. Auch den Schubser an Lewandowski kann man geben." Der Abwehrspieler weiß aber auch "Real hat uns Geschenke gemacht, die wir nicht zum Abschluss gebracht haben, da hat der letzte Pass gefehlt. So ist es ärgerlich und enttäuschend."

Textquelle: © LAOLA1.at

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