Begünstigt von Wiener Gästen, die mitspielen wollten und zumindest spielerisch tatsächlich ein besseres Bild abgaben, als es das Endergebnis vermuten lassen würde, entwickelte sich von Spielminute eins ein hochattraktives Bundesliga-Spiel in der Red Bull Arena.
Aber auch eines, welches zur Pause quasi schon entschieden war. Haris Tabakovic netzte zwei Mal in Topstürmer-Manier, dazwischen konnte Nikolas Veratschnig mit seinem ersten Bundesliga-Saisontor für die "Bullen" beweisen, dass er sein gesamtes Pulver nicht bereits in der Sommervorbereitung verschossen hat.
Alle Tore waren schön herausgespielt, insgesamt sah Röhl eine "herausragende Leistung mit dem Ball. Heute habe ich die Mannschaft wirklich gelobt für den Ballbesitz, weil es kein Ballbesitz nur des Ballbesitzes wegen war, sondern er wirklich zielgerichtet war."
Trotzdem gibt es Kritik
Unmittelbar nach der Pause ließ Edmund Baidoo die leisen grün-weißen Hoffnungen endgültig verstummen, kurz darauf traf Matthias Seidl traumhaft aus großer Distanz zwar noch zum Ehrentreffer, Karim Konate stellte mit einem Jokertor kurz vor Schluss den alten Abstand aber wieder her.
"Das Gegentor stört mich als Trainer immer. Zuletzt nach einem Einwurf gegen die Austria, jetzt nach einer Ecke - da müssen wir noch wacher bleiben", bleibt Röhl dennoch kritisch.
Röhl: "Müssen noch mehr leiden"
Auch im Spiel gegen den Ball gefiel ihm nicht alles: "Da müssen wir noch mehr leiden, speziell in Hinsicht auf Europa ist das wichtig."
Schlussendlich dürfe man sich nach einem über weite Strecken durchaus als Gala-Auftritt durchgehenden Spiel "schonmal ganz kurz freuen", so Röhl. Er hält fest: "Es macht Spaß, die Spielfreude zu sehen."
Auch das Publikum zieht wieder mit
Großen Spaß hatten auch die 12.153 Fans in der Red Bull Arena, die ihre Mannschaft immer wieder mit Standing Ovations und Zwischenapplaus bedachten - der sportliche Aufschwung scheint langsam auch aufs Publikum überzuschwappen.
"Bei der Saisoneröffnung hatten wir noch rund 7.000 im Stadion. Wir arbeiten uns Stück für Stück nach oben", sieht auch Röhl eine positive Entwicklung. "Wichtig ist, dass die Fans nach Hause gehen und sagen: 'Da bewegt sich was. Wir sehen schöne Tore und attraktiven Fußball.'"
Innenverteidiger Valentin Zabransky ergänzt: "Der Support der Fans war ein Wahnsinn. Umso glücklicher bin ich, dass wir sie mit fünf Toren belohnen konnten."
Kader so qualitativ wie breit
Insgesamt geht die Entwicklung in Salzburg nach den letzten Krisenjahren mehr als offensichtlich in die richtige Richtung.
Der völlig neue Kader ist so qualitativ wie breit besetzt. "Der Schlüssel ist, dass wir nicht nur elf Spieler haben, sondern 21, die ich durchrotieren kann. Wir können bei Wechseln noch was draufsetzen, anstatt Qualität zu verlieren", weiß Röhl.
Röhl: "Die Mischung macht's"
Auf der einen Seite gibt es die überragend aufspielenden Neuzugänge wie - um nur zwei zu nennen - Haris Tabakovic oder Bartosz Mazurek, bereits etablierte Spieler wie Edmund Baidoo oder Karim Konate funktionieren unter Röhl deutlich besser als unter seinen Vorgängern und als Kirsche oben drauf präsentieren sich mit Christian Zawieschitzky und Valentin Zabranksy zwei österreichische Eigenbauspieler auf einem unglaublich hohen Niveau.
"Die Mischung macht's aktuell. Wenn man dazu sieht, wie scharf die Jungs sind, die nicht beginnen: Keiner spürt Enttäuschung, jeder möchte Teil der Mannschaft sein. Das macht viel Spaß", strahlt Röhl.
Endlich wieder eine echte Mannschaft
Die Kabine wächst immer mehr zusammen.
Schon jetzt lässt sich sagen, dass dem Jungtrainer eine große Problematik der letzten Jahre zu behandeln gelang: Aus vielen talentierten Einzelspielern eine echte Mannschaft zu formen.
Röhl dazu: "Die Kabine wächst immer mehr zusammen, in der Kabine gibt es eine ehrliche Freude nach jedem Sieg. Wenn ich sehe, wie sich die Jungs miteinander freuen, lacht mein Herz."
Röhl: "...das zeichnet sehr gute Mannschaften aus"
Allzu lange kann sich allerdings nicht gefreut werden, schon am kommenden Sonntag steht die ÖFB-Cup-Pflichtaufgabe beim SKN St. Pölten am Programm.
"In drei Tagen müssen wir wieder da sein und liefern. Das zeichnet sehr gute Mannschaften aus", so Röhl.
Die Salzburger sind aktuell zweifellos auf dem besten Weg, endlich wieder genau das zu werden: Eine sehr gute Mannschaft.