Schösswendter: "Es war sehr belastend"

 

Bis vor etwas mehr als zwei Wochen war Christoph Schösswendter noch der Meinung, zumindest bis zum Sommer 2021 einen sicheren Job zu haben. Immerhin hatte der Innenverteidiger einen bis dahin gültigen Arbeitsvertrag mit der Admira.

Am Montag, den 21. September, fiel der 32-Jährige aus allen Wolken, als ihm mitgeteilt wurde, dass er freigestellt werde. Es waren drei Nebensätze in jener Pressemitteilung, in der die Verpflichtung von Lukas Rath verkündet wurde, die die Ausbootung des Routiniers einen Tag später öffentlich machten.

"Hingegen plant der FC Flyeralarm Admira nicht mehr mit Christoph Schösswendter. Dies ist das Ergebnis einer internen Sitzung der Vereinsverantwortlichen. Über die Gründe wurde Stillschweigen vereinbart", war da zu lesen.

"Ich kann mich auch an keinen speziellen Vorfall erinnern, der das irgendwie rechtfertigen würde"

Die Frage nach dem Warum quält auch den Abwehrspieler bis heute. "Es ist bis zum jetzigen Zeitpunkt so, dass mir nicht gesagt wurde bzw. ich nicht weiß, was genau passiert ist. Ich kenne keinen Grund für diese Freistellung. Ich kann mich auch an keinen speziellen Vorfall erinnern, der das irgendwie rechtfertigen würde", versichert er im Gespräch mit LAOLA1.

Schösswendter weiter: "Wenn der Verein sportlich nicht mehr zufrieden gewesen wäre, oder der Meinung gewesen wäre, dass es nicht mehr reicht, dann könnte ich das zumindest nachvollziehen. Ich habe auch die Selbstreflexion, dass ich es selbst eingesehen hätte, wenn ich sportlich fehl am Platz gewesen wäre. Dem ist aber absolut nicht so."

Das Image eines Chaos-Klubs

Der Salzburger war bei der 1:4-Auftaktniederlage gegen den SK Rapid zur Pause aus-, beim 0:5 gegen St. Pölten zur Halbzeit eingewechselt worden. In der vergangenen Saison zählte er noch zu den Stammkräften in der Südstadt, die damals Verantwortlichen sind allesamt nicht mehr beim Verein.

Die neuen Besen in Maria Enzersdorf kehren gründlich, das Kommen und Gehen der vergangenen Monate ist bestens dokumentiert und hat dem Verein in der jüngeren Vergangenheit das Image eines Chaos-Klubs verliehen. Dass Schösswendter trotz aufrechten Arbeitsverhältnisses plötzlich nicht mehr am Mannschaftstraining teilnehmen durfte, passte irgendwie ins Bild.

Der Kicker wandte sich an die Gewerkschaft, diese wiederum leitete rechtliche Schritte ein. Inzwischen ist der Vertrag aufgelöst. "Um die Chance zu wahren, nach Transferschluss noch bei einem neuen Vertrag zu unterschreiben", wie der Verteidiger erklärt.

"Das ist grausam"

Foto: © GEPA

Ein Transfer innerhalb der Wechselzeit war nicht mehr machbar. "Jeder, der den Fußball beobachtet, kann sich vorstellen, dass aufgrund von Covid sowieso schon Ausnahmezustände herrschen. Der Transfermarkt ist rapide zurückgegangen. Dann wenige Tage vor Transferschluss so eine Mitteilung zu erhalten, ist grausam. Es war keine Zeit, um zu reagieren", sagt der Kicker.

Durch den Status des vereinslosen Spielers ist Schösswendter jetzt allerdings nicht mehr an die Transferfrist gebunden, kann auch jetzt noch bei einem neuen Verein unterschreiben.

Die Hoffnungen des 1,94-Meter-Hünen sind aber nicht gerade überbordend: "Ich bin realistisch aufgrund der Umstände und auch der Tatsache, dass die meisten Ligen schon begonnen haben, bei kaum einem Verein Handlungsbedarf besteht. Wir schauen im Hintergrund, was Sinn macht, wo es Möglichkeiten geben würde. Ich bin mir aber bewusst, dass es ein schlechter und schwieriger Zeitpunkt ist."

Studium vor dem Abschluss

Mit 32 Jahren hat der frühere Union-Berlin-Legionär noch nicht vor, seine aktive Laufbahn zu beenden. Aber die Zeit danach rückt nicht zuletzt aufgrund seiner aktuellen Lage mehr und mehr in den Fokus: "Ich bin am Netzwerken, knüpfe viele Kontakte, was die Zeit nach der Karriere betrifft. Ich bin am Ende meines Studiums, das ich in nächster Zeit noch mehr vorantreiben kann. Es steht einiges Interessantes vor der Tür. Nichtsdestotrotz liegt das Hauptaugenmerk darauf, noch einmal ein sportlich reizvolles Angebot zu finden."

"Ich mache den Master-Lehrgang in Business Administration & Sport von Fokus:Zukunft. Ich bin seit zwei Jahren dabei, habe noch die letzten Prüfungen zu absolvieren, bevor es mit der Masterarbeit losgeht", erzählt er.

Man hat das Gefühl, Schösswendter habe den ersten Schock verdaut, wenngleich ihm nach wie vor das Verständnis für das scheinbar irrationale Verhalten der Admira fehlt. "Es war eine Erfahrung, die ich vorher so noch nie machen musste. Ich will nicht lügen, es war sehr belastend", sagt er.

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Textquelle: © LAOLA1.at

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