Rapid-Coach Djuricin will Fans ins Boot holen

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Es war eine willkommene Verschnaufpause - für den SK Rapid, vor allem aber auch für Trainer Goran Djuricin.

Ohne Spielstress konnte die Länderspielpause dazu genützt werden, intensiv zu trainieren, aber auch den Kopf freizubekommen.

Vor allem auf den 43-jährigen Wiener war in den vergangenen Wochen einiges eingeprasselt. Zur sportlichen Situation kam auch die "Gogo raus"-Causa.

"Ich bin keine Maschine! Natürlich ist das nicht angenehm", gibt Djuricin im Gespräch mit LAOLA1 offen und ehrlich zu, dass die "Gogo raus"-Rufe auch ihn nicht kalt lassen und bestätigt auch, dass die Zeit zum Durchschnaufen wichtig war.

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Ist das Verhältnis mit den Rapid-Fans noch zu kitten?

Trotzdem hält der oftmals angezählte Chefbetreuer daran fest, die Arbeit für sich sprechen zu lassen und die Konzentration auf die eigentliche Aufgabe hochzuhalten. "Ich schaue, dass ich mich auf meine Arbeit konzentriere, mit der Mannschaft zu trainieren und mit meinem Staff zusammenzuarbeiten – das ist mir das Wichtigste, denn unser Ziel ist es, gemeinsam Erfolg zu haben."

Denn Ruhe gibt es bei Rapid ohnehin nicht. Spätestens mit der Rückkehr in den Spielbetrieb am Sonntag im 327. Wiener Derby gegen die Austria (So., 17 Uhr im LAOLA1-Ticker) steigt der Druck wieder - auf die Mannschaft, auf die Vereinsverantwortlichen und auf den Trainer, bekanntlich das schwächste Glied in der Kette.

Dank der Rückendeckung des Präsidenten nach dem Hinspiel gegen FCSB im Europa-League-Playoff, dem Heimsieg gegen Wacker und dem Aufstieg in die EL-Gruppenphase schien die Trendwende geschafft zu sein. Doch das 1:1 bei Sturm Graz ließ die Fans erneut auf die Barrikaden gehen, die Proteste gegen Djuricin wurden erneut entfacht.

Das Verhältnis ist vorbelastet und auch Djuricin kann die Frage nicht beantworten, wie es in dieser Hinsicht weitergehen wird. Er versucht damit zu leben, doch so tough, wie es in der Außendarstellung erscheint, ist er nicht, um die Vorfälle komplett wegzustecken.

Proteste? "Das war fast bei jedem Trainer so"

Trotzdem hält er fest. "Wenn man zurückblickt, war das bei sehr vielen oder fast jedem Trainer so. Ich glaube, dass das bei einem großen Verein wie Rapid einfach normal ist, diese Spirale von Druck, Erfolg und Erwartungshaltung. Mit dem müssen wir als Trainer leben, das haben auch meine Vorgänger immer wieder erlebt."

Den Trainer ziemlich vorschnell als Schuldigen auszuwählen, hat bei den Hütteldorfern Tradition.

In Erinnerung blieben etwa Proteste zur Zeit von Mike Büskens, als im "Block West" ein Transparent mit der Aufschrift "Dieses Trainerteam ist Rapid nicht würdig" entrollt wurde, das nach einer klaren Führung dann plötzlich wieder verschwand. Auch weitere Djuricin-Vorgänger wie Damir Canadi, Zoran Barisic oder Peter Schöttel mussten mit viel Gegenwind kämpfen.

Die titellosen zehn Jahre haben mit Sicherheit ihren Anteil an der schnell kippenden Stimmung im Westen Wiens.

"Ich würde die Fans gerne ins Boot holen"

Doch der Wiener gibt die Hoffnung nicht auf, dass mit guten sportlichen Leistungen auch dieses Thema irgendwann ad acta gelegt werden kann und sich das Verhältnis zu den Supportern wieder verbessert.

"Die Fans haben das Recht, ihre Meinung zu äußern. Wir sind in einer Demokratie, aber ich würde sie gerne ins Boot holen, denn nur gemeinsam, wir alle zusammen, erreichen wir unsere Ziele und haben langfristig Erfolg. Was wir für eine tolle Stimmung haben können und wie sehr es der Mannschaft hilft, das sieht man immer wieder – wie etwa in den UEL-Heimspielen. Diese positive Atmosphäre hat der Mannschaft geholfen und da sind unsere Fans einzigartig."

Ein Lob des Wieners und ein Angebot für ein gesittetes Miteinander, das möglicherweise nicht erhört werden wird. Wie schon nach dem Spiel in Graz angekündigt, ist eine Aussprache mit den Anhängern - wie es einige seiner Vorgänger vorzeigten - nur schwer vorstellbar.

Denn auch Djuricin weiß, dass es viel wichtiger sein wird, mit positiven Ergebnissen die Kritiker milde zu stimmen und so seine Position zu festigen. Denn wenn sich die Erfolge einstellen, wird sich keiner mehr so schnell beschweren und möglicherweise auch ein Umdenken stattfinden.

Mega-Programm: Richtungsweisende Wochen für Djuricin und Rapid

Das ist die Hoffnung, aber auch die Realität? Zur Erinnerung: Auch die letzten Meistertrainer Peter Pacult und Josef Hickersberger standen vor dem Abschuss, auch deren Abschied wurde lautstark gefordert - diese wurden aber aufgrund der nötigen Geduld etwas später Meister.

Davon ist Djuricin aktuell noch weit entfernt, näher an einem Titel war er 2017 im ÖFB-Cup-Finale gegen RB Salzburg und 2018 beim Aus im Cup-Semifinale gegen Sturm Graz dran.

Für ihn zählen aber vor allem die kommenden Tage und Wochen - denn diese haben es wahrlich in sich. Es warten fünf Spiele in 14 Tagen in drei Bewerben, dabei geht es in den nächsten drei Begegnungen im Derby gegen die Austria, danach im Europa-League-Heimspiel gegen Spartak Moskau und am Wochenende darauf auswärts gegen Tabellenführer RB Salzburg - ein Mega-Programm.

Der Rapid-Trainer weiß: "Die nächsten vier Wochen bis zur Länderspielpause sind sicher richtungsweisend. Das sind wichtige Spiele, sehr viele Spiele auch mit wenig Regeneration dazwischen. Jetzt wird sich dann herausstellen, wie gut wir drauf sind."

Mit dem Nachsatz: "Es zählen eigentlich nur Punkte, wir müssen Punkte sammeln – so viel wie möglich." Ansonsten könnte es nach den kommenden drei Spielen eng werden - für Rapid im Hinblick auf die Zielsetzungen und für Djuricin im Hinblick auf seine weitere Zukunft.

Textquelle: © LAOLA1.at

Rapid: Goran Djuricin über Status quo der Rückkehrer

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