Ramsebner und Wiesinger: Zwei seltene Helden

 

Wer - eher unerwartet - ein Traumtor erzielt, kann sich auch mal den einen oder anderen Spruch gefallen lassen.

"Eigentlich gehen wir aus keiner Torchance in Führung, denn wenn Christian Ramsebner 30 Meter vor dem Tor den Ball hat, ist es nicht wirklich eine Torchance", meint Trainer Oliver Glasner.

Philipp Wiesinger, der spätere Siegtorschütze zum 2:1 des LASK im Schlager gegen Rapid, verweist grinsend darauf, dass man solche Schüsse von Ramseber im Training nicht zu sehen bekommt:

"Eher weniger. Normal putzt er immer nur aus! Ein unglaublicher Treffer aus 30 Metern, wenn nicht sogar noch mehr. So ein Tor schießt man natürlich auch nicht jeden Tag. Aber ab und zu muss du das Glück auch erzwingen und diesmal haben wir es erzwungen und verdient gewonnen."

Das schönste Tor der Karriere

Ramsebner selbst spricht vom "mit Abstand schönsten Tor" seiner Karriere. Der Moment, in dem der Ball im Kreuzeck des Rapid-Tors einschlug, sei ein unglaublicher gewesen:

"Einfach überragend. Ich habe den Ball mitgenommen, habe ihn unglaublich schön getroffen und dann gesehen, der wird immer länger, geht genau in den Winkel und der Tormann kommt nicht mehr ran. Unglaublich, vor der Fantribüne noch dazu - mein erstes Tor hier zu Hause, die anderen waren alle auswärts."

"Das habe ich von ihm überhaupt noch nie gesehen", staunt Glasner, "eigentlich hofft man, dass er bei Standardsituationen noch mehr Tore macht, aber diesmal ist ihm halt einer ausgekommen. Eigentlich war es fast die ungefährlichste Situation in der zweiten Halbzeit. Wir haben heuer schon ein paar Weitschuss-Tore erzielt und trainieren das immer wieder, wobei er dann meistens beim Offensiv-Kopfball ist und sehr wenig schießt. Ich weiß nicht, recht viele solche wird er nicht mehr machen."

Das Tor wird an die Wand gehängt

Angesichts seines Seltenheitswerts hat das Tor auch Konsequenzen für die Wohnraum-Gestaltung der Familie Ramsebner. Bei den Kollegen von "Sky" kündigte Ramsebner nämlich an, dass er sich dieses Tor über das Bett hängen werde:

"Es gibt ja schon solche Bilderrahmen, in denen man auch Videos anschauen kann. Meine Freundin hat das Tor gar nicht gesehen, weil sie beim Kind im VIP-Zelt war. Ich habe ihr gesagt, dass sie es noch oft genug sehen wird."

Bis die Adaption der Innenarchitektur über die Bühne gegangen ist, kann übrigens hier im folgenden Video von Ramsebners Traumtor Abhilfe geschaffen werden:

Elfmeter? Ramsebner ist sich keiner Schuld bewusst

Alleine positionsbedingt ist der Innenverteidiger nicht als Goalgetter bekannt. Für den LASK war es sein drittes Tor im 110. Pflichtspiel, wobei Ramsebner seine Torbilanz für in Ordnung befindet: "Es war mein neuntes Bundesliga-Tor im 150. Spiel, also für einen Innenverteidiger ist das nicht so schlecht."

Wie nah Licht und Schatten in einem Fußball-Spiel beieinanderliegen können, zeigte sich im weiteren Spielverlauf. Schließlich war es der 29-Jährige, der den Elfmeter für Rapid, der mit Verzögerung zum 1:1-Ausgleich führte, verschuldete.

Wobei er bei sich keine Schuld erkennen kann: "Für mich war das ganz klar kein Elfmeter. Ich kriege den Ball auf die Brust. Letzte Woche gegen die Admira bekommen wir zwei Elfmeter nicht, diesmal kriegen wir so einen gegen uns. Das ist natürlich sehr bitter, spricht aber für den Charakter der Mannschaft, wie wir dann noch zurückkommen und das Spiel drehen."

Pure Glücksgefühle bei Wiesinger

In der 89. Minute war es Wiesinger, der den emotionalen und vielumjubelten Sieg gegen Rapid sicherstellte. "Das sind pure Glücksgefühle. Jeder, der das kennt, hofft auf so einen Moment", strahlt der 24-Jährige, für den der Treffer große persönliche Bedeutung hat:

"Es ist mein erstes Bundesliga-Tor, das ist natürlich immer schön, und dann auch noch der Siegtreffer gegen Rapid in den Schlussminuten. Ich glaube, es gibt keinen schöneren Moment. Nach meiner langwierigen Verletzung ist es doch eine gewisse Befriedigung."

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Rund vier Monate lang musste Wiesinger pausieren und feierte erst am vergangenen Wochenende gegen die Admira sein Comeback. Umso euphorischer ordnet Glasner die durch das Tor gekrönte Rückkehr ein:

"Philipp hat ein super Frühjahr bei uns gespielt, vor allem als Max Ullmann mit einem Wadenbeinbruch verletzt war. Er hat das toll gemacht, war in einer super Verfassung, plötzlich rutscht er im Training rein und reißt sich in jener Phase, als wir sieben Mal in Folge gewonnen haben, das Syndesmoseband. Das war ein Nackenschlag für ihn. Wir reden oft über Siege und Niederlage und ob sie schmerzhaft sind oder nicht. Dabei sind das die schwierigen Situationen, wenn du sechs Wochen auf Krücken herumlaufen musst, obwohl du gerade in einer guten Verfassung warst. Deswegen freut es mich extrem für ihn."

Wiesinger weiß gar nicht, wie gut er ist

Der Coach hofft, dass dieses Erfolgserlebnis Wiesinger weiter Auftrieb gibt: "Ich weiß, was er alles kann. Ich habe ihm das auch schon ein paar Mal gesagt. Ich denke, er selbst weiß noch gar nicht, welch guter Spieler er ist."

Die beiden Torschützen freuten sich natürlich über ihre Treffer, aber auch darüber, dass der "Glasner-Fluch" ein Ende hat und der Trainer endlich seinen ersten Sieg gegen Rapid bejubeln konnte.

"Angesichts dessen, was für ein überragender Trainer er ist, hat diese Rapid-Statistik eh einmal repariert gehört. Wir sind froh, dass das jetzt ein für alle Mal aus dem Weg ist", meint Ramsebner.

Wiesinger ergänzt: "Das ist eher ein Thema für den Trainer, für uns nicht so wirklich. Er hat uns natürlich darauf hingewiesen, dass wir in dieser Saison wieder versuchen, gegen jeden zu gewinnen. Wir wussten, dass wir gegen Rapid gewinnen können und das haben wir eindrucksvoll gezeigt. So können wir das stehen lassen."

Textquelle: © LAOLA1.at

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