Rätsel um Baumgartner-Vertrag bei St. Pölten

Rätsel um Baumgartner-Vertrag bei St. Pölten Foto: © GEPA
 

Eine komische Situation ereignete sich am Mittwoch gleich in doppelter Hinsicht in St. Pölten.

Zum einen, weil mit Gerald Baumgartner zwar der altbekannte neue Trainer bereits auf der Tribüne seine zukünftige Mannschaft verfolgte, zum anderen weil diese ausgerechnet gegen den Ex-Klub des 56-Jährigen spielte, den er noch bis Mitte Dezember betreut hatte.

"Es ist eine sehr komische Situation für mich heute! Ich habe doch lange mit den Rieder Burschen gekämpft und sie wachsen dir natürlich auch ans Herz. Aber jetzt ist es so gekommen, jetzt drückt man natürlich seiner neuen Mannschaft beide Daumen", ist die schnelle Bundesliga-Rückkehr für Baumgartner im "Sky"-Interview in der Halbzeitpause doch auch verwirrend.

Erfahrung im Abstiegskampf kennt der Salzburger bereits aus seiner Zeit beim SV Mattersburg, als er die Burgenländer nach 20 Spieltagen als Letzter übernahm und in der Liga hielt. So viel Zeit bleibt diesmal nicht mehr, den Begriff "Feuerwehrmann" hört Baumgartner aber trotzdem nicht gerne.

"Die echten Feuerwehrleute haben schon andere Challenges zu bestehen, wenn es wirklich lichterloh brennt und Menschenleben zu retten sind. Das wäre nicht unbedingt ein guter Vergleich. Aber natürlich war es in Mattersburg ähnlich, da hatten wir aber einige Spiele mehr. Jetzt ist es schon sehr knapp."

Zellhofer: "Baumgartner muss Überzeugung reinbringen"

Noch-Trainer Zellhofer wird nach dem Spiel seine interimistische Doppelfunktion wieder ad acta legen und sich voll und ganz auf die sportliche Leitung konzentrieren. Für ihn ist Baumgartner der Richtige in der aktuellen Situation.

"Er hat es schon einmal bewiesen. Bei Feuerwehrmann muss man aufpassen, ich glaube, den gibt es nicht mehr. Entscheidend sind einfach die Ergebnisse, die müssen positiv sein", gibt Zellhofer die Marschroute vor. Schon nach der Trennung von Robert Ibertsberger habe man nach einer passenden Lösung gesucht, Kontakte und Gespräche gehabt.

Nun fiel die Entscheidung auf den erfahrenen Baumgartner. "Er kennt das Umfeld, war hier schon sehr erfolgreich tätig, hat die Erfahrung, kommt hungrig zurück und wird das Schiff in die richtige Richtung bringen", ist sich der Interimscoach sicher.

Was er vom neuen Mann an der Seitenlinie neben dem Klassenerhalt kurzfristig erwartet? "Im Endeffekt muss er Überzeugung reinbringen und dass die Spieler das umsetzen, was er vorhat. Das ist für mich das Wichtigste und klare Ansagen." Die oft betonte Qualität gelte es zu zeigen. Auch für die Spieler soll es ein wichtiger Impuls sein, um zu zeigen, dass mit ihnen zu rechnen ist.

Vertrags-Details geben Rätsel auf

Weniger auskunftsfreudig zeigen sich beide Betroffene hinsichtlich der Vertragsdetails. Zumindest klärt Baumgartner auf, dass die Einigung erst nach der Vertragsauflösung mit Ex-Verein Ried möglich war.

"Der Verein hat sich sehr um mich bemüht, aber es gibt immer Verträge, die einzuhalten sind. Es war ein bisschen ein Hin und Her, ein Geplänkel, aber im Endeffekt hat es dann doch gepasst. Danke auch an Roland Daxl (Anm.: Rieder Finanzvorstand und Präsidiumsmitglied, Ex-Geschäftsführer). Dann haben wir das hoffentlich noch rechtzeitig umgestellt, damit wir das machen können", so der SKN-Hoffnungsschimmer.

Laut offizieller Presseaussendung hat Baumgartner aber "nur" einen Vertrag bis Saisonende unterschrieben, der sich im Falle des Klassenerhalts automatisch verlängert. Das wirft Fragen auf. Darauf angesprochen, will dies aber weder der Vertragsunterzeichner, noch Zellhofer bestätigen.

"Über Vertragsdetails will ich jetzt keine Auskunft geben", fasst sich der Sportchef kurz. Auch Baumgartner gibt sich kryptisch: "Dazu äußern wir uns nicht, das ist ein zu weiter Einblick. Ein paar Dinge sollten schon bei mir persönlich und beim Verein sein, damit nicht alles der Öffentlichkeit preisgegeben wird. Das sollte man auch akzeptieren, das halten wir so."

Blumauer: "Baumgartner wird das schaffen"

General Manager Andreas Blumauer klärt die Situation schlussendlich auf und overruled die beiden verschwiegenen Parteien. Geht es nach ihm, ist alles klar geregelt.

"Genau so ist es auch: Wenn er die Liga hält, wenn wir nächstes Jahr weiter in der ersten Liga spielen, dann wird auch Gerald auf dem Platz stehen", stellt der SKN-GM klar. Die Möglichkeit mit Baumgartner wollte man sich nicht entgehen lassen.

"Es war für uns klar: Wenn er aus seinem Vertrag bei Ried raus kann, dann wäre er der absolute Wunschkandidat. Warum? Er kennt St. Pölten, er war erfolgreich in St. Pölten, er weiß mit schwierigen Situationen umzugehen – er wird das schaffen." Und wenn nicht? "Wirtschaftlich sind wir so aufgestelllt, dass wir immer einen Plan B in der Schublade haben. Natürlich haut uns das zurück, wir müssen uns neu aufstellen. Aber wirtschaftlich können wir weiterarbeiten und kurz- bzw. mittelfristig daran arbeiten, wieder raufzukommen."

Eineinhalb Wochen bekommt Baumgartner nun bis zur nächsten Bundesliga-Runde Zeit, um die Mannschaft auf vier Endspiele vorzubereiten und seine eigene Zukunft zu sichern - und jene des SKN St. Pölten in der obersten Spielklasse.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

KOMMENTARE..