Klassenerhalt! Platzsturm und Ekstase in Altach

Klassenerhalt! Platzsturm und Ekstase in Altach Foto: © GEPA
 

16 Spieltage lang Inhaber der Roten Laterne und zwei Runden vor Saisonende vier Punkte Rückstand auf das rettende Ufer - mit einem Klassenerhalt des SCR Altach rechneten zwischenzeitlich wohl nur mehr die optimistischsten Vorarlberger Anhänger.

Nach einem nervenaufreibenden 2:1-Sieg über die WSG Tirol (Spielbericht) am letzten Bundesliga-Spieltag steht allerdings fest, dass die Rheindörfler auch in der kommenden Saison in Österreichs höchster Spielklasse vertreten sein werden.

"Es ist ein unglaubliches Gefühl, wir haben alles reingeworfen und haben das Unmögliche möglich gemacht. Unglaublich, dass wir das geschafft haben", bringt es Jan Zwischenbrugger bei "Sky" auf den Punkt.

Spielverlauf nichts für schwache Nerven

Die Altacher Anhänger hielt nach Spielende nichts mehr auf ihren Plätzen
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Dass Unmögliche schafften die Altacher auch dank eines nervenaufreibenden und schlussendlich auch glücklichen Spielverlaufs. Nachdem Gegner WSG Tirol im Angesicht des anstehenden Europacup-Playoffs mit einer besseren B-Elf in die Cashpoint Arena kam, wurde bereits über einen Vorarlberger Spaziergang zum Klassenerhalt gemunkelt.

Und tatsächlich ging Altach nach etwas mehr als zwei Spielminuten durch ein Eigentor von Justin Forst in Führung. Die WSG schenkte die Partie in der Folge allerdings nicht her, sondern war streckenweise die bessere Mannschaft und hatte Pech bei einem Stangenschuss.

Kurz nach Seitenwechsel sorgte Felix Strauss mit einem Energieanfall und viel Ballglück für die vermeintliche Vorentscheidung zu Gunsten Altachs, ehe Bakary Nimaga nach einer Gelb-Roten Karte vom Platz flog und Giacomo Vrioni mit einem Jokertor in Überzahl den Anschlusstreffer der Wattener herstellte.

20 Minuten waren zu diesem Zeitpunkt mit Nachspielzeit noch ungefähr zu spielen - 20 Minuten, die dem ein oder anderen Anwesenden in der Cashpoint Arena an diesem lauen Abend wohl wie eine Ewigkeit vorkamen.

Platzsturm nach Schlusspfiff

"Ich war dann auf der Bank und konnte nichts mehr reden, ich war so nervös", schildert etwa der ausgewechselte Goldtorschütze Strauss seine Erinnerungen an die Schlussphase.

Als Schiedsrichter Christopher Jäger kurz vor 21 Uhr dann ein letztes Mal in seine Pfeife blies, brachen alle Dämme. Ein Feuerwerk ließ den Altacher Abendhimmel in den schönsten Lichtern aufleuchten, hunderte Fans in der ausverkauften Cashpoint Arena stürmten aufs Feld und feierten Spieler und Betreuer.

Strauss dazu: "Endlich haben wir's geschafft. Ich kann es nicht in Worte fassen, ich habe überall Gänsehaut, unfassbar, was die Mannschaft geschafft hat. Einfach geil. Am Ende hält Vorarlberg doch zusammen. Die Stimmung war überragend, die Fans haben uns bis zur letzten Sekunde getragen. Große Klasse."

Magnin "hat sehr großen Anteil"

Neben den Fans ist einer der Hauptverantwortlichen für den Klassenerhalt schnell ausgemacht: Ludovic Magnin.

"Ich denke, der Trainer hat einen sehr großen Anteil. Er hat uns im letzten halben Jahr unglaublich motiviert und zusammengeschweißt und dieser Teamgeist hat sich ausgezahlt. Wir sind einfach überglücklich, dass wir es geschafft haben", findet etwa Zwischenbrugger.

Auch Geschäftsführer Christoph Längle ist sich sicher, dass ohne Magnin der Gang in die 2. Liga angetreten worden wäre: "Mit dem ersten Tag, als er zu uns gekommen ist, hat er eine Riesen-Energie reingebracht in den Verein, deshalb haben wir uns für ihn entschieden. Er ist ein Riesen-Typ, hat unglaubliche Erfahrung als Spieler und Trainer und er war der Fels in der Brandung, den wir brauchten. Wir waren Letzter im Winter und es ist nicht hoch genug einzuschätzen, was er geleistet hat."

(Text wird unter dem VIDEO fortgesetzt)

Turnaround nach absolutem Fehlstart

Dabei erwischte der Schweizer keinen einfachen Start in Vorarlberg. Ex-SCRA-Coach Damir Canadi hinterließ Magnin einen Kader, der "nicht bundesligatauglich" (O-Ton Canadi) war.

Tatsächlich gingen die ersten Wochen des ehemaligen Verteidigers in Altach völlig in die Hose: Die ersten vier Runden unter der Ägide Magnins wurden allesamt verloren, am Ende des Grunddurchgangs und vor der Punkteteilung wies man einen Rückstand von sieben Zählern auf die Admira auf Rang elf auf.

"Ich war mit der Vorbereitung nicht zufrieden, die ist nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe vier Runden gebraucht, um die Mannschaft kennenzulernen", blickt Magnin auf seine Anfangszeit in Vorarlberg zurück. Dann begann die Qualifikationsgruppe.

Die Altacher wussten plötzlich doch wieder, wie man Punkte holt, und konnten fünf Partien in Folge ohne Niederlage gestalten. Magnin dazu: "Wir wussten, dass wir ein Minimalchance haben und uns der Ligamodus entgegen kommt, wir mussten bereit sein. Was die Jungs im Playoff geleistet haben - Hut ab. Ich bin richtig stolz auf diese Mannschaft, weil sie über die Saison viel Negatives gehört haben."

Magnin: "Mannschaft wieder im Herzen Vorarlbergs"

Während der 43-Jährige zu Beginn seiner Amtszeit über das geringe Zuschauerinteresse in der Cashpoint Arena verwundert war, kam in den letzten Wochen eine richtige Euphorie im Westen Österreichs auf. Bereits beim Duell gegen die SV Ried vor zwei Wochen kamen - zwar auch aufgrund von Freikarten für alle Zuschauer - über 7.500 Leute ins Schnabelholz, am Freitag war das Stadion zum zweiten Mal in der Klubgeschichte komplett ausverkauft.

Magnin bringt es auf den Punkt: "Wir haben es geschafft, dass die Mannschaft wieder ins Herz von Vorarlberg kommt."

Bevor der Schweizer den Nicht-Abstieg gebührend feiern darf, gilt es aber noch Wettschulden einzulösen. Vor wenigen Wochen versprach er, bei einem erfolgreichen Klassenerhalt 20 Runden ums Feld zu drehen.

Magnin hat dieses Versprechen nicht vergessen: "Ich habe extra einen Rucksack mit kurzer Hose und T-Shirt in die Kabine mitgenommen. Ich werde dann gleich mit den 20 Runden anfangen und ich hoffe, der Staff wird mir die ein oder andere Runde abnehmen."

Zwischenbrugger: "Es wird keiner nüchtern bleiben"

Die Altacher Pläne nach den Ehrenrunden stehen auch schon fest: "Ich denke, heute wird keiner nüchtern bleiben. Wir waren über dreiviertel der Saison unten. Dass wir am letzten Spieltag noch den Sprung auf den zweitletzten Platz geschafft haben, ist unglaublich. Wir können richtig stolz sein und werden die Sau rauslassen", verspricht Zwischenbrugger.

Wenn die Rheindörfler beim Feiern ähnlich viel Durchaltevermögen beweisen wie im Abstiegskampf, könnte der Gemeinde Altach eine eher wenig ruhsame Nacht bevorstehen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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