VAR: Was er kann, was er nicht darf

VAR: Was er kann, was er nicht darf Foto: © GEPA
 

Der Videobeweis, der ab dieser Saison auch in der österreichischen Bundesliga zum Einsatz kommt, soll Schiedsrichtern die Möglichkeit geben, klare und offensichtliche Fehlentscheidungen zu korrigieren und Vorfälle zu überprüfen, die im Match übersehen wurden.

"Minimaler Eingriff ins Spiel, maximaler Nutzen", lautet der Grundsatz.

Das sind die wichtigsten Regeln hinter dem Video Assistant Referee:

Tore, Elfmeter, Rote Karten, Identitätskontrolle

Der Einsatzbereich des VAR ist auf vier Situationen beschränkt: Tore, Elfmeter, Rote Karten und Identitätsfeststellungen bei Gelben/Roten Karten. Der VAR kontrolliert jedes Tor ("Check") und hilft dem Schiedsrichter, mögliche Vergehen wie Abseits oder Fouls zu erkennen, aufgrund derer ein Tor nicht zu geben ist. Gegebene Elfmeter werden überprüft, über fälschlicherweise nicht gegebene wird der Schiedsrichter informiert.

Jede Szene, die nach Sicht des Unparteiischen einen Rot-Ausschluss zur Folge hat, wird ebenfalls überprüft. Rotwürdige Spielszenen, die der Schiedsrichter nicht wahrgenommen hat, werden ihm mitgeteilt. Beim Verteilen von Gelben und Roten Karten wird ständig überprüft, ob der richtige Spieler sanktioniert wird. Dadurch wird vermieden, dass der falsche Spieler für ein Vergehen bestraft wird. Da der VAR automatisch alle diese Situationen und Entscheidungen überprüft, ist es nicht notwendig, dass Spieler oder Trainer lauthals eine Überprüfung fordern.

Ganz allgemein gilt, dass der VAR nur dann einen aktiven Eingriff ins Spiel einleitet, wenn der Verdacht auf eine klare Fehlentscheidung besteht. Damit der Schiedsrichter daraufhin tätig werden kann, braucht es eine Spielunterbrechung. Gibt es die nicht sowieso, müsste der Schiedsrichter das Spiel zeitnah stoppen. Anschließend entscheidet er, ob er eine offizielle Überprüfung ("Review") zulässt oder sich bei seiner Entscheidung sicher ist. Wenn er sie zulässt, zeigt er das an, indem er mit den Händen ein Rechteck signalisiert.

"Meinungen" und "Tatsachen"

(Artikel wird unter dem VIDEO fortgesetzt)


Der Video-Assistent überprüft jetzt alle ihm zur Verfügung stehenden Aufnahmen und teilt dem Hauptschiedsrichter seine Empfehlung mit. Der kann das befolgen oder nicht, sich die betreffende Szene aber auch selbst anschauen ("On-field Review"). Dazu gibt es klare Richtlinien: Wenn eine Entscheidung subjektiv ist - etwa ob es ein Foul war oder nicht - sollen die Schiedsrichter zum Monitor gehen. Bei faktischen Entscheidungen - wenn es um die Position des Fouls in Bezug zum Strafraum oder Abseits geht - sollen die Schiedsrichter dem VAR vertrauen ("VAR-only Review").

Seine endgültige Entscheidung teilt der Schiedsrichter per Handzeichen mit. Er kann dabei dem Rat des Video-Assistenten folgen oder nicht, ihm bleibt immer das letzte Wort. Der Schiedsrichter kann den Review-Prozess auch selbst starten, wenn er sich bei einer Entscheidung unsicher ist, und den VAR informieren, dass er eine Überprüfung möchte. Dafür darf er das Spiel unterbrechen - allerdings nicht, wenn sich eine Mannschaft in einer guten Angriffsposition befindet.

Häufig zählt Vorgeschichte, aber nicht immer

Bei Toren, Elfmeter-Verdacht und Roten Karten wegen Verhinderns einer klaren Torchance ist nicht nur das Ereignis selbst, sondern die Entstehungsgeschichte relevant. Laut Regelwerk muss die ganze Angriffsphase ("Attacking Phase of Play") überprüft werden. Bei heiklen Szenen kann ein übersehener Regelverstoß in der Entstehung entscheidend sein: ein anderes Foul, eine Abseitsstellung, ein Hands, ein sich kurz außerhalb des Spielfelds bewegender Ball.

Wenn das Tor einer Standardsituation entsprang, wird deren Vorgeschichte hingegen nicht mehr aufgerollt. Die Angriffsphase beginnt dann erst mit dem Kicken des ruhenden Balls. Ob der jeweilige Freistoß oder Eckball zu Recht gegeben wurde, oder nicht, spielt keine Rolle. Anders behandelt wird der Elfmeter, der - wie erwähnt - immer gecheckt wird.


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